ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2008Grauer Markt: Riskante Geschäfte

WIRTSCHAFT

Grauer Markt: Riskante Geschäfte

Dtsch Arztebl 2008; 105(11): A-590 / B-522 / C-510

Bandering, Michael

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Ärztinnen und Ärzte sind eine bevorzugte Zielgruppe von unseriösen Beratern, die hohe Renditen auf das Ersparte versprechen – obgleich ein Totalverlust der Anlage oft programmiert ist.

Die niedrigen Zinsen, die die Banken derzeit für Geldanlagen anbieten, lassen Offerten auf dem „freien Markt“ mit ungleich besseren Renditen attraktiv erscheinen. Doch ist äußerste Behutsamkeit geboten, will man nicht das Schicksal zahlloser Anleger teilen, die in Erwartung hoher Erträge ihr angelegtes Geld verloren. Daher interessierte sich der Autor dieses Beitrags für die Vorgehensweise eines Vertreters, ein zweifellos geschickter Verkäufer, dessen Angebot drei Prozent im Monat auf das eingesetzte Kapital versprach – immerhin eine Rendite (ohne Zinseszinsen) von jährlich 36 Prozent und das zwölf Jahre lang. Der Name des Anlageprogramms spielt hier keine Rolle, wird doch oft wenige Tage später dasselbe Programm modifiziert unter anderem Namen vertrieben.

Die Vermögensverwaltungsgesellschaft, eine Aktiengesellschaft (AG) mit Sitz in der Schweiz (Schweiz klingt immer vertrauenerweckend) erwartete eine Unterschrift unter einen Vertrag, der die „Kapitalsammelstelle“ befugt, die akquirierten Gelder für den Sparer anzulegen. Genauere Angaben über die AG waren nicht erhältlich, sollte doch ein deutscher Anwalt als Treuhänder des Anlegers fungieren und die Aktivitäten der AG überwachen. Als besonderen Knüller bot man die Garantie einer Schweizer Bank an, deren Name trotz Nachfrage nicht genannt wurde.

Wie die Gelder angelegt werden sollen, blieb der „Kundenberater“ mit Hinweis auf die dem Anleger ja sichernde Bankgarantie ebenfalls schuldig. Die Solvenz der Vermögensverwaltung bestätigt nach Auskunft des Vertreters die Schufa. Alle Rechnungen würden dort skontiert. Peinlich, aber einem Laien meist unbekannt: Die Schufa registriert nur gewisse Daten ihr gemeldeter Personen (!) – nicht Firmen – mit Wohnsitz in Deutschland. Und weiter: Woher soll die Schufa überhaupt wissen, ob eine bei ihr registrierte Person erhaltene Rechnungen skontiert oder nicht? Schließlich verwies der Gesprächspartner auf das angeblich hohe Vermögen zweier Brüder, die hinter der AG stünden. Allerdings haften bekanntlich Aktionäre nicht für die Verbindlichkeiten ihrer Gesellschaft. Wie freilich ein Anleger in der Lage sein sollte, zu gegebener Zeit die angebotene Garantie rechtlich und auf Echtheit zu überprüfen, blieb das Geheimnis des Vertreters. Zumal für die Rechtsbeziehungen zwischen Anleger und Vermögensverwaltung das Schweizer Recht gelten soll, das angeblich mit dem deutschen weitgehend identisch ist (eine Behauptung, die das anschließend befragte Schweizer Konsulat als falsch bezeichnete). Zudem sollte die Garantie den eingeschalteten Treuhänder begünstigen, der die Anlegerinteressen vertritt (was der Autor dieses Beitrags freilich erst nach wiederholter Nachfrage erfuhr).

Jährlich setzen Anleger nach Schätzungen mindestens 40 Milliarden Euro am grauen Markt in den Sand. Wer nicht dazugehören will, sollte Folgendes beherzigen:

- Seriöse Anbieter verzichten auf unbestellte Telefonwerbung.

- Merklich über den marktüblichen Erträgen liegende Renditeangebote enttarnen meist eine unsolide Offerte.

- Clevere Anlagehaie ködern oft mit Sofortauszahlung hoher Zinsen für kleinere „Testanlagen“ in der Erwartung, dass nach zwei oder drei tatsächlichen Ausschüttungen der arglos gewordene Anleger zu größeren Investitionen bereit ist.

- Zu bedenken ist: Als Laie kann man die Echtheit etwa angebotener „Bankgarantieren“ nicht überprüfen, und eine „Garantie“ des Anbieters selbst für den versprochenen Erfolg ist rechtlich wie wirtschaftlich nicht möglich.

- Ein häufiges „Anlageargument“: Anlage von Schwarzgeldern. So vermeidet man Strafanzeigen eines geprellten Steuerhinterziehers, der gegen einen Anlagehai wegen Betrugs vorgehen will, sich aber dadurch beim Finanzamt selbst denunzieren würde.

- Hohe Renditen, die mit günstigeren Steuern als in Deutschland begründet werden: So pflegt man den Steuerlaien hinters Licht zu führen.

- Kein seriöser Vermittler drängt zu einem schnellen Abschluss; vielmehr lässt er dem Anleger genügend Zeit, seine Anlageentscheidung noch in Ruhe mit einer Person seines Vertrauens zu besprechen.

- Ein seriöser Vermittler macht ungefragt auf das Widerrufsrecht des Anlegers aufmerksam.

Michael Bandering
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