ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2008CME im Deutschen Ärzteblatt – eine Auswertung nach dreieinhalb Jahren

MEDIZIN: Aus der Redaktion

CME im Deutschen Ärzteblatt – eine Auswertung nach dreieinhalb Jahren

Continuing Medical Education in Deutsches Ärzteblatt – an Analysis

Dtsch Arztebl 2008; 105(11): 204-6; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0204

Baethge, Christopher; Marx, Catrin

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LNSLNS Vor zwei Wochen erschien mit dem augenheilkundlichen Artikel über das „Basiswissen refraktive Chirurgie“ der 46. CME-Beitrag im Deutschen Ärzteblatt. Die uns bisher vorliegenden Zahlen weisen darauf hin, dass nach Ablauf der Bearbeitungsfrist von sechs Wochen auch an diesem Fortbildungsangebot wieder 15 000 bis 20 000 Ärztinnen und Ärzte teilgenommen haben werden. Damit setzt sich das erfreulich große Interesse fort, das unsere Leser den CME-Artikeln seit Beginn dieser Serie im September 2004 entgegenbringen. Auf der Basis der von allen Teilnehmern für jeden Artikel zu beantwortenden Evaluationsfragen präsentieren wir eine Zwischenbilanz nach dreieinhalb Jahren CME im Deutschen Ärzteblatt.

Teilnahmen, Teilnehmerinnen, Teilnehmer
Bis zum Stichtag am 2. März 2008 konnten wir 861 770 Teilnahmen registrieren. Das bedeutet, dass sich an den CME-Artikeln im Durchschnitt knapp 19 000 Leserinnen und Leser beteiligten. Insgesamt haben wir 82 189 verschiedene Teilnehmer gezählt, was etwa einem Viertel aller berufstätigen Ärzte in Deutschland entspricht. Durchschnittlich machte jeder Teilnehmer etwa zehnmal bei einer CME-Einheit mit (Grafik 1). Mit diesen Teilnahmezahlen ist das CME-Programm des Deutschen Ärzteblattes das erfolgreichste Fortbildungsangebot der vielen deutschsprachigen Zeitschriften, die CME-Artikel publizieren. Allein die Ärztekammer Nordrhein hat 64 Journale zertifiziert (Prof. Reinhard Griebenow, Ärztekammer Nordrhein, 02/2008, persönliche Mitteilung).

Betrachtet man die demografischen Charakteristika, fallen einige Unterschiede zwischen unseren CME-Lesern und der Gesamtheit der deutschen Ärzteschaft auf: Während Frauen unter allen berufstätigen Ärzten etwa 40 Prozent ausmachen, haben wir zu 44 Prozent Teilnehmerinnen. Die mit 42 Prozent größte Gruppe, die im Deutschen Ärzteblatt die CME nutzt, befindet sich im fünften Lebensjahrzehnt. In der Gesamtärzteschaft macht diese Altersklasse jedoch lediglich ein gutes Drittel aus (34 Prozent). Demgegenüber sind die 60- bis 69-Jährigen bei uns unterrepräsentiert: 4 Prozent versus 11 Prozent unter allen Ärzten.

Lediglich 38 Prozent unserer CME-Teilnehmer sind niedergelassene Ärzte, während bundesweit 41 Prozent aller Kollegen in einer Praxis arbeiten. Immerhin 47 Prozent sind im Krankenhaus beschäftigt (Ärzte in Deutschland: 48 Prozent). Deutlich ist auch, dass viele unserer CME-Leser sich aus freien Stücken fortbilden, denn für sie besteht keine Fortbildungsverpflichtung. So sind 32 Prozent als Assistenzärzte angestellt, von denen viele noch nicht Facharzt sein dürften. Vier Prozent sind gegenwärtig nicht ärztlich tätig, und einer von zweihundert Teilnehmern befindet sich bereits im Ruhestand.

Wie schon bei unserer letzten Auswertung (1) sticht bei der Betrachtung der Fachgebiete die überdurchschnittlich häufige Partizipation von Anästhesisten ins Auge: Etwa jeder Siebte unserer Teilnehmer arbeitet in diesem Bereich. In der gesamten Ärzteschaft sind es jedoch nur etwa 6 Prozent. Die anderen am häufigsten vertretenen Arztgruppen waren die Internisten mit 17 Prozent (unter allen Ärzten 13 Prozent in internistischen Fächern Tätige), Allgemeinmediziner (14 Prozent; unter allen Ärzten 13 Prozent) und Chirurgen (8 Prozent Teilnehmer; 9 Prozent von allen Kollegen).

Während also andere Spezialisten etwa gemäß ihrem Anteil an der Gesamtärzteschaft vertreten sind, liegt die Quote der Anästhesisten konstant mehr als doppelt so hoch – ein Phänomen, das wir uns bisher nicht erklären können.

Die geografische Verteilung ist sehr ausgewogen, regionale Unterschiede gibt es kaum: Der Größe ihrer Ärztekammern entsprechend, kamen die meisten Leser aus Bayern (15 Prozent bei einem 16,2-prozentigen-Anteil an den Ärzten in Deutschland), Baden-Württemberg (14 Prozent bei 12,9-prozentigem Anteil) und aus der Ärztekammer Nordrhein (14 Prozent bei 12,2-prozentigem Anteil).

Die Meinung der Leser
Die Leserbewertungen zeigen eine hohe Zufriedenheit mit unserem CME-Angebot. In Schulnoten ausgedrückt, geben mehr als drei Viertel den Artikeln ein „gut“ oder „sehr gut“ (Grafik 2). Ebenfalls etwa drei von vier Teilnehmern finden, dass das jeweilige Thema aus der Sicht der täglichen Praxis „sehr gut dargestellt“ ist. Jeder Zehnte hätte gerne ausführlichere Informationen.

Die Leserevaluation spiegelt wider, dass sich das Deutsche Ärzteblatt im Gegensatz zu Spezialzeitschriften an ein breites Publikum richtet. Zwar gaben 54 Prozent an, im Hinblick auf das Fortbildungsthema noch „offene Probleme“ zu verfolgen oder noch „keine feste Strategie“ zu haben, aber immerhin 16 Prozent erklärten die Problematik für „irrelevant“ (Grafik 3). Hier stoßen wir vermutlich an Grenzen, die uns durch unsere vielseitige Leserschaft gezogen sind. Es wird kaum ein Thema zu finden sein, dass für alle Leser des Deutschen Ärzteblattes von Bedeutung ist.

Umso wichtiger ist bei unserer breit gefächerten Leserschaft allgemeine Verständlichkeit. Dieses Ziel scheinen unsere Autoren, die immer Spezialisten sind, zu erreichen: Fast alle Leser (96 Prozent) bescheinigen den Artikeln, für alle Ärzte nachvollziehbar zu sein, lediglich 4 Prozent wählten die Antwortoption „nur für Spezialisten verständlich“. Hier muss man allerdings die Möglichkeit bedenken, dass solche Leser, die einen Aufsatz nicht verstanden haben, seltener an der Evaluation teilnehmen werden.

Auch die Fragen konnten die meisten allein aus dem Studium des Beitrags beantworten (92 Prozent), nur eine Minderheit (8 Prozent) fand sie erst nach Lektüre zusätzlicher Literatur lösbar.

Die Testfragen und ihre Anworten
In der Tat sollen die Fragen aus dem Artikel allein zu meistern sein, handelt es sich bei der CME doch nicht um die Examinierung von Studenten, sondern um eine Fortbildung von Fachärzten, die bereits alle Examina abgelegt haben. Es entspricht daher den Anforderungen der zertifizierenden Ärztekammern, dass die Evaluationen eher Lesekontrollen sind als Prüfungen, wie sie die Ärzte bereits aus dem Studium kennen. Dieses Prinzip spiegelt sich auch in der Tatsache wider, dass es in CME-Präsenzveranstaltungen oft überhaupt keine Lernkontrollen gibt, und wenn sie doch erfolgen, sind die Leistungen nicht Maßstab für die Zuteilung von CME-Punkten.

Die Leser unserer Artikel haben im Durchschnitt ungefähr 95 Prozent aller Fragen richtig gelöst. Dieser Wert entspricht den Resultaten anderer Journale: In „Der Internist“ etwa lag der Anteil richtig beantworteter Fragen bei über 93 Prozent (2), in allen Zeitschriften des Springer-Verlages, die eine CME-Einheit anbieten, bei 83 bis 97 Prozent. Die Journale des Thieme-Verlages verzeichnen eine Bestehensquote von 92 Prozent, ein Wert, der ebenfalls auf einen hohen Prozentsatz richtig beantworteter Fragen hinweist. In der gleichen Größenordnung befindet sich mit etwa 86 Prozent die Bestehensquote bei den Fachzeitschriften des Schattauer-Verlages (persönliche Mitteilungen, 02/2008, Dres. P. Herrmann, Springer, V. Hirschel, Thieme, J. Hueber, Schattauer).

Multiple-Choice-(MC)-Fragen sind keine optimale Form der Lernerfolgskontrolle. Vielen Teilnehmern dürften sie noch aus den Examina in unangenehmer Erinnerung sein. Wir sind allerdings auf die MC-Fragen angewiesen, bieten sie doch angesichts der hohen Teilnehmerzahlen die einzige Möglichkeit, überhaupt eine Evaluation durchzuführen.

Obwohl Multiple-Choice-Fragen in der Medizin allgegenwärtig sind, ist es keineswegs banal, sie in korrekter Weise zu stellen. Bei allen untersuchten deutschsprachigen Fachzeitschriften, auch beim Deutschen Ärzteblatt, sind formale Fehler in den Fragen gefunden worden (2, 3), wobei bereits die Suche nach einer negativen Antwort („Welche der angegebenen Möglichkeiten stimmt nicht …“) als Formfehler gilt. Eine Studie von Stagnaro-Green und Downing (4) ergab sogar, dass sich in allen CME-Fragen des New England Journal of Medicine formale Fehler fanden. Derlei Schwächen machen daher die Frage auch nicht wertlos – sogar dem Institut für Medizinische und Pharmazeutische Prüfungsfragen in Mainz unterlaufen Missgeschicke.

Wir erhalten zu unseren Fragen unterschiedliche Rückmeldungen, so schreibt ein Leser: „Die Fragen zu diesem Artikel, der ein sehr wichtiges medizinisches Kapitel bearbeitet, sind highly sophisticated; hochakademisch überlagert …“. Andere formulieren dagegen: „… meist zeigen die Fragen enge Korrelation zum Lehrartikel und erschließen sich bei intensivem Studium“; oder: „Die Fortbildungsartikel im Deutschen Ärzteblatt sind für mich fast immer von praktischer Relevanz, in Didaktik und Layout von hervorragender Qualität. […] Ob ich jetzt einen ausgelobten CME-Punkt verpasse oder nicht, hat ausschließlich mit sportlichem Ehrgeiz zu tun …“

Bei einer Analyse von 370 Fragen des Deutschen Ärzteblattes fand man zwischen den Teilnehmergruppen erstaunlich geringe Unterschiede in Bezug auf den Anteil richtiger Antworten. Zwar waren die meisten Differenzen zwischen den Teilnahmegruppen unterschiedlichen Alters, verschiedener Fachgebieten, differierender Ärztekammern und anderer Variablen signifikant, sie waren jedoch so gering, dass sie keine praktische Bedeutung erlangen. Im Geschlechtervergleich etwa schnitten Frauen signifikant besser ab als Männer, allerdings betrug der Unterschied nur 0,01 Fragen: durchschnittlich 9,55 (Standardabweichung 0,81) versus 9,54 (SD 0,83) richtig beantworteter Fragen. Die unerheblichen Unterschiede mögen mit dem hohen Anteil richtiger Antworten zu tun haben (Decken-Effekt), aber selbst bei Betrachtung nur solcher MC-Fragen, die von weniger als 90 Prozent der Teilnehmer richtig gelöst worden waren, blieben die Differenzen zwischen den Gruppen unbedeutend.

Insgesamt ergibt sich das Bild eines sehr nachgefragten und von den Lesern positiv beurteilten Fortbildungsangebotes im Deutschen Ärzteblatt, das jedoch noch Raum für Verbesserungen bietet. Weiterhin werden wir großen Wert auf inhaltliche Unabhängigkeit legen und alle Manuskripte dem Begutachtungsverfahren des Deutschen Ärzteblattes unterziehen. Wir freuen uns über die rege Teilnahme und wünschen allen Leserinnen und Lesern bei den kommenden CME-Artikeln Bildungsgewinn, Erfolg und auch Freude.

Interessenkonflikt
Die Autoren sind redaktionell für das CME-Angebot des Deutschen Ärzteblattes verantwortlich.

PD Dr. med. Christopher Baethge
Leiter der Medizinisch-Wissenschaftlichen Redaktion
Catrin Marx
Verantwortliche Redakteurin für den Bereich CME

Continuing Medical Education in Deutsches Ärzteblatt – an Analysis

Dtsch Arztebl 2008; 105(11): 204–6
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0204

The English version of this article is available online:
www.aerzteblatt-international.de
1.
Marx C: CME im Deutschen Ärzteblatt: 43 000 Teilnehmer – sehr gute Bewertung. Dtsch Arztebl 2005; 102(37): A 2453–6. VOLLTEXT
2.
Kühne-Eversmann L, Nussbaum C, Reincke M, Fischer MR: CME-Fortbildungsangebote in medizinischen Fachzeitschriften: Strukturqualität der MC-Fragen als Erfolgskontrollen. Med Klin 2007; 102 (12): 993–1001. MEDLINE
3.
Rotthoff T, Fahron U, Baehring T, Scherbaum WA: Die Qualität von CME-Fragen in der ärztlichen Fortbildung – eine empirische Studie. Z ärztl Fortbild Qual Gesundh wes 2008; 101: 667–74. MEDLINE
4.
Stagnaro-Green AS, Downing SM: Use of flawed multiple-choice items by the New England Journal of Medicine for continuing medical education. Medical Teacher 2006; 28: 566–8. MEDLINE
1. Marx C: CME im Deutschen Ärzteblatt: 43 000 Teilnehmer – sehr gute Bewertung. Dtsch Arztebl 2005; 102(37): A 2453–6. VOLLTEXT
2. Kühne-Eversmann L, Nussbaum C, Reincke M, Fischer MR: CME-Fortbildungsangebote in medizinischen Fachzeitschriften: Strukturqualität der MC-Fragen als Erfolgskontrollen. Med Klin 2007; 102 (12): 993–1001. MEDLINE
3. Rotthoff T, Fahron U, Baehring T, Scherbaum WA: Die Qualität von CME-Fragen in der ärztlichen Fortbildung – eine empirische Studie. Z ärztl Fortbild Qual Gesundh wes 2008; 101: 667–74. MEDLINE
4. Stagnaro-Green AS, Downing SM: Use of flawed multiple-choice items by the New England Journal of Medicine for continuing medical education. Medical Teacher 2006; 28: 566–8. MEDLINE

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