ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2008Einführung in die Diagnostik und Therapie der Ejaculatio praecox: Sexualmedizinischer Ausbildungsgang

MEDIZIN: Diskussion

Einführung in die Diagnostik und Therapie der Ejaculatio praecox: Sexualmedizinischer Ausbildungsgang

Introduction Into the Diagnostics and Treatment of Premature Ejaculation: Subspecialty Training in Sexual Medicine

Dtsch Arztebl 2008; 105(12): 222; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0223a

Bosinski, Hartmut A.G.

zu dem Beitrag von Dr. med. Michael J. Mathers, FEBU, Dr. med. Jan Schmitges, Prof. Dr. med. Theodor Klotz, MPH, Prof. Dr. med. Frank Sommer, in Heft 50/2007
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LNSLNS Obwohl von den Autoren zu Recht die ärztliche Unterversorgung von Patienten mit sexuellen Störungen beklagt wird, bleiben bedauerlicherweise wesentliche, spezifisch sexualmedizinische Aspekte unberücksichtigt. Die im Titel und im Text verwendete Bezeichnung „Ejaculatio praecox“ hätte einer Kommentierung bedurft und ist trotz ihrer Verwendung im ICD-10 und DSM-IV unzutreffend, weil der Orgasmus zu früh einsetzt und nicht die Ejakulation. Des Weiteren wird zwar mehrfach die Notwendigkeit einer umfassenden Sexualanamnese betont, es fehlt jedoch der wichtige Hinweis darauf, dass deren Erhebung erlernt werden muss, und dass, wo immer möglich, die Partnerin in dies Gespräch miteinbezogen werden sollte: Sexualität betrifft prinzipiell das Paar!

Die Besonderheiten der Sexualmedizin als interdisziplinäres Querschnittsfach – zentrale Bedeutung des Paaraspekts in Diagnostik und Therapie, biopsychosoziales Verständnis sowohl der Genese als auch der Therapie sexueller Störungen – blenden die Autoren aufgrund ihrer fachspezifisch urologischen Perspektive leider aus. Dabei sind gerade diese Aspekte die Grundlage dafür, dass die Bundes­ärzte­kammer auf Antrag der Akademie für Sexualmedizin (ASM) bereits 1995 einen eigenständigen sexualmedizinischen Ausbildungsgang angeregt hat (1). Dementsprechend setzt die Durchführung sexualtherapeutischer Interventionen keine psychotherapeutische, sondern eben eine sexualmedizinische Weiterbildung voraus. Mittlerweile ist Sexualmedizin von der Berliner Ärztekammer als Zusatzbezeichnung in die Weiter­bildungs­ordnung integriert worden (2). Sexualmedizinische Aspekte finden auch bei den Vorgaben zur Zusatzweiterbildung Andrologie Berücksichtigung und werden von der ASM in die Intensivkurse der Deutschen Gesellschaft für Andrologie eingebracht. Auch auf europäischer Ebene wird inzwischen von der European Academy for Sexual Medicine (EASM) ein an diesen Standards orientiertes Curriculum angeboten (3).
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0223a

Prof. Dr. med. Hartmut A.G. Bosinski
Sektion für Sexualmedizin
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 12
24105 Kiel
E-Mail: hagbosi@sexmed.uni-kiel.de
 1.
Beier K M: Sexualmedizin – Berufsbegleitende Fortbildung mit Zertifikat. Dtsch Arztebl 1999; 96(33): 2075–7.
 2.
Ärztekammer Berlin: 5. Nachtrag zur Weiter­bildungs­ordnung. Amtsblatt für Berlin 2007; 48: 2857.
 3.
Pryor J: A brief note on the European Academy for Sexual Medicine. J Sex Med 2007; 4: 310.
 1. Beier K M: Sexualmedizin – Berufsbegleitende Fortbildung mit Zertifikat. Dtsch Arztebl 1999; 96(33): 2075–7.
 2. Ärztekammer Berlin: 5. Nachtrag zur Weiter­bildungs­ordnung. Amtsblatt für Berlin 2007; 48: 2857.
 3. Pryor J: A brief note on the European Academy for Sexual Medicine. J Sex Med 2007; 4: 310.

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