ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2008Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preis 2008: Den T-Helferzellen auf der Spur

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Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preis 2008: Den T-Helferzellen auf der Spur

Dtsch Arztebl 2008; 105(12): A-637 / B-561 / C-549

Siegmund-Schultze, Nicola

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Tim R. Mosmann, Foto: Paul-Ehrlich-Stiftung
Tim R. Mosmann, Foto: Paul-Ehrlich-Stiftung
Wie wird die Immunantwort reguliert? Die Antwort auf diese Frage gehört zu den größten Herausforderungen der Immunologie. Der diesjährige Paul-Ehrlich-und-Ludwig Darmstaedter-Preisträger, Prof. Dr. Tim R. Mosmann (58,) hat die Rolle der T-Helferzellen bei der Immunmodulation im Wesentlichen aufgeklärt. Er ist Direktor des David-Smith-Zentrums für Impfbiologie und Immunologie an der Universität Rochester, USA, und hat die mit 100 000 Euro dotierte Auszeichnung am 14. März in der Frankfurter Paulskirche erhalten.

„Die Forschungsarbeiten von Tim Mosmann haben neue Einblicke in die Krankheitsmechanismen von Infektionskrankheiten und Allergien ermöglicht“, begründet die Paul-Ehrlich-Stiftung ihre Entscheidung.

T-Zellen stellen die Weichen für die Immunantwort: Sie aktivieren ihre Mitspieler, verstärken Immunreaktionen, regulieren sie aber auch herunter. Auch die Art der Immunantwort, nämlich eine eher zelluläre oder eine stärker humorale, wird davon beeinflusst, welche der Subgruppen, ob TH1- oder TH2-Zellen, aktiv sind.

In einer für das Forschungsgebiet bahnbrechenden Publikation berichteten Mosmann und Kollegen bereits 1986, wie sich TH1- und TH2-Lymphozyten anhand der Oberflächenantigene und des Musters ihrer Zytokinproduktion klar von einander unterscheiden lassen (Journal of Immunology 1986, 136, 2348–57). TH1-Zellen kurbeln vor allem zelluläre Immunreaktionen an, TH2-Lymphozyten dagegen stimulieren B-Zellen zur Proliferation und Differenzierung und induzieren das Immunglobulin-Class-Switching. Das Verhältnis der beiden Subpopulationen ist essenziell für die Ausgewogenheit der Immunantwort: Das von TH1-Zellen produzierte Gamma-Interferon bremst die Aktivitäten von TH2-Zellen und verschiebt die Immunantwort in Richtung TH1. Unter dem Einfluss der Lymphokine von TH2-Zellen entwickeln sich IgE-bildende Plasmazellen; so sind TH2-Zellen hauptverantwortlich für Hypersensitivität und Autoimmunreaktionen, wie etwa Lupus erythematodes.
Eckhard Lammert, Foto: Paul-Ehrlich-Stiftung
Eckhard Lammert, Foto: Paul-Ehrlich-Stiftung

Mosmann stammt aus Großbritannien und studierte Chemie und Physiologie in Südafrika. Es folgten Promotion und klinische Tätigkeit in Kanada. Seit 1998 ist er Professor für Immunologie und Mikrobiologie an der Universität Rochester.

Der diesjährige Paul-Ehrlich-Ludwig-Darmstaedter-Nachwuchs-Preisträger, Priv.-Doz. Dr. Eckhard Lammert (36), untersucht, wie die Feinregulierung der Insulinsekretion in den Betazellen funktioniert und welche Bedingungen die Zellen für eine optimale Funktion benötigen. Erst die Einheit von Gefäßendothel- und Betazellen in einer „vaskulären Nische“, in der sie die Basalmembranen des Endothels gemeinsam nutzen, ermögliche die optimale Anpassung von Betazellen an den Insulinbedarf in Form der Proliferation oder der Veränderung der Zellgröße, fand Lammert heraus. Untereinander stimmen Betazellen die Regulation der Hormonsekretion über den Ephrin-Signalweg ab (Cell 2007, Band 129, 359– 70). Der Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden hat die mit 60 000 Euro dotierte Auszeichnung erhalten.
Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze
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