ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2008Rückgang der Traumaletalität
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Einleitung: Das Traumaregister der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie erfasst prospektiv und multizentrisch die Behandlung schwerverletzter Patienten.
Methoden: In der Studie wurde die Prozessqualität in den teilnehmenden Kliniken unter Berücksichtigung des kontinuierlichen Datenrücklaufs aus dem Traumaregister dargestellt. Die Untersuchung basiert auf den Daten der Jahre 1993 bis 2005 mit 11 013 schwerstverletzten Patienten („injury severity score“ = 16) aus 105 Kliniken. Die Untersuchung der Prozessqualität erfolgte anhand von Parametern aus früher klinischer Diagnostik und Therapie. Die Ergebnisqualität wurde unter Berücksichtigung von Letalität und Prognose („revised injury severity classification“, RISC) bestimmt.
Ergebnisse: Im Traumaregister ging innerhalb des 13-jährigen Untersuchungszeitraums bei gleichbleibender Verletzungsschwere und Prognose die Letalität signifikant von 22,8 auf 18,7 % zurück. Wesentliche Verbesserungen sowohl im Bereich der initialen radiologisch-sonografischen Diagnostik, der weiterführenden Computertomografie, der Dauer bis zur Operation im Blutungsschock als auch bei der Anwendung von „damage control“-Strategien ließen sich aufzeigen.
Diskussion: Durch das Traumaregister lassen sich Prozesse und Ergebnisse der Versorgung von schwerverletzten Patienten darstellen und an die Kliniken rückmelden. Der regelmäßige Datenrücklauf ist dabei mit einer kontinuierlichen Verbesserung der Behandlungs- und Prozessqualität assoziiert.
Dtsch Arztebl 2008; 105(13): 225–31
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0225
Schlüsselwörter: Trauma, Unfallforschung, Qualitätssicherung, Mortalität, Prognose
LNSLNS Ergebnisse des Traumaregisters der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie

Etwa 7 bis 8 Millionen Unfälle mit circa 580 000 Verletzten ereignen sich jährlich in Deutschland (1). In den meisten Fällen handelt es sich dabei um leichtere Verletzungen, die ausschließlich einer ambulanten oder kurzen stationären Behandlung bedürfen. Schwere Verletzungen stellen auch heute noch eine große Herausforderung für unser Gesundheitssystem dar. Nach aktuellen Berechnungen erleiden in Deutschland jährlich etwa 33 000 bis 38 000 Patienten ein schweres Trauma mit einem „injury severity score“ (ISS) von 16 (2, 3, 4).

Die präklinische und klinische Behandlung dieser Patienten weist in vielen Regionen unseres Landes aufgrund des intensiven Engagements der deutschen Unfallchirurgie, aller beteiligten Disziplinen und der Rettungsdienste ein hohes Niveau auf. Allerdings geht aus einzelnen, in der Öffentlichkeit intensiv diskutierten Unfällen sowie verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen hervor, dass die Qualität der Schwerverletztenversorgung in Deutschland sehr inhomogen ist (5, 6, 7). So zeigen beispielsweise die Berichte des statistischen Bundesamtes, dass die Rate an tödlichen Verkehrsunfällen in den einzelnen Bundesländern stark variiert. Danach beträgt die Versterbensrate nach Verkehrsunfällen mit Personenschaden in Mecklenburg-Vorpommern 2,7 % gegenüber 1,1 % in Nordrhein-Westfalen. Dabei gilt zu berücksichtigen, dass die Versorgungsfläche für ein Krankenhaus in Mecklenburg-Vorpommern 4 634 km2 und in Nordrhein-Westfalen 541 km2 beträgt (7). Des Weiteren können anhand der Daten des Traumaregisters der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) deutliche Unterschiede in den Letalitätsraten nach schwerem Trauma in den teilnehmenden Krankenhäusern aufgezeigt werden (8).

Für diese Qualitätsunterschiede sind vornehmlich zwei Ursachen anzuführen:
- die geografischen und infrastrukturellen Unterschiede zwischen den Bundesländern und Regionen sowie
- differierende Behandlungskonzepte und interne Ausstattungen der einzelnen an der Polytraumaversorgung beteiligten Krankenhäuser.
Um in Zukunft die Behandlungsqualität nachhaltig verbessern zu können, ist es von entscheidender Bedeutung, dass Informationen über Stärken und Schwächen im Versorgungsablauf erfasst werden und an die verantwortlichen Krankenhäuser, Rettungsdienste und beteiligten medizinischen Fachgruppen zurück übermittelt werden (9).
Zur Erfassung, Analyse und Qualitätskontrolle der präklinischen und klinischen Schwerverletztenversorgung wurde 1993 das Traumaregister der DGU gegründet. Die Prozessanalyse soll den teilnehmenden Kliniken helfen, Schwachstellen zu identifizieren und gegebenenfalls neue, bessere Behandlungskonzepte zu erarbeiten und zu überprüfen. Deshalb erhalten die teilnehmenden Kliniken seit 1998 eine jährliche Rückmeldung in Form eines individuellen, anonymisierten Jahresberichts. Im Rahmen der vorliegenden Publikation soll aufgezeigt werden, wie sich die Behandlungssituation im Hinblick auf die Überlebensprognose in den am Traumaregister teilnehmenden Kliniken seit Einführung des Jahresberichtes geändert hat.

Methodik
Datenerfassung im Traumaregister
Das Traumaregister wurde 1993 als Instrument zur multizentrischen Erfassung von Behandlungsdaten Schwerverletzter im deutschsprachigen Raum ins Leben gerufen (10). Das Register erfasst prospektiv und anonymisiert Daten schwerverletzter Patienten vom Unfallort bis zur Klinikentlassung. Die Daten für das Register wurden zunächst in standardisierter Form zu vier verschiedenen Zeitpunkten (Notarzt, Schockraum, Intensivstation, Entlassung) auf Formblättern dokumentiert. Seit 2002 gibt es die Möglichkeit der Online-Dateneingabe (www.traumaregister.de). Die eingegebenen Daten stehen den Kliniken per Download jederzeit für eigene Auswertungen zur Verfügung.

Durch die aktive Beteiligung einer steigenden Zahl an Kliniken wurde mithilfe des Traumaregisters ein umfassendes, internationales Qualitätsmanagementsystem aufgebaut. Seit Etablierung des Traumaregisters zeigt sich eine jährlich steigende Zahl von Kliniken und erfassten Patienten (Grafik 1 und 2). Mit Abschluss des Jahres 2006 nahmen 125 Kliniken am Traumaregister teil (Grafik 1). Derzeit beteiligen sich Kliniken aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Slowenien und den Niederlanden am Traumaregister (eGrafik). 30 % der teilnehmenden Kliniken haben nur vorübergehend Daten übermittelt.

Qualitätsmanagement
Bei den erhobenen Daten handelt es sich um Routinedaten, die mit einem gewissen zusätzlichen Aufwand dokumentiert werden können. Jede am Traumaregister teilnehmende Klinik erhält einmal pro Jahr einen vertraulichen Ergebnisbericht mit Beschreibung des Kollektivs, der durchgeführten diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen sowie des Versorgungsergebnisses (Letalität, Liegedauer, Zustand bei Entlassung).
Gleichzeitig werden Qualitätsindikatoren ausgewertet, die zum Teil auf den Beurteilungskriterien des American College of Surgeons beruhen (11). Die Indikatoren werden vergleichend zu den Ergebnissen der Vorjahre, zur gesamten Klinik sowie zum Traumaregister insgesamt dargestellt.

RISC-Analyse
Neben diesen Parametern der Prozessqualität wird zentrales Augenmerk auf den wichtigsten Parameter der Ergebnisqualität bei Traumapatienten gelegt: das Überleben. Weil aber ein direkter Vergleich der Letalitätsraten zwischen den Kliniken aufgrund der unterschiedlichen Verletzungsschwere der Patienten oft irreführend sein kann, ist eine Adjustierung erforderlich.
Das Traumaregister bediente sich deshalb zunächst des international weit verbreiteten TRISS-Scores (TRISS, „trauma injury severity score“) (12). Diese Prognoseformel wird benutzt, um über den Mittelwert der individuellen Prognosen für Gruppen von Patienten ein erwartetes Ergebnis zu berechnen, das dann mit dem tatsächlich beobachteten gesundheitlichen Zustand verglichen wird. Im Jahr 2004 wurde der TRISS durch die „revised injury severity classification“ (RISC) (Grafik 3) als Instrument zur Abschätzung der Prognose ersetzt. Im Gegensatz zur TRISS-Methode, die auf 20 Jahre alten Daten der nordamerikanischen Mayor Trauma Outcome Study beruht, hat man beim RISC die Daten der Patienten aus dem Traumaregister berücksichtigt.

Der RISC kombiniert zehn Informationen, die zumeist kurz nach Aufnahme des Patienten verfügbar sind (Kasten). Der RISC wurde an 1 200 Patienten aus dem Traumaregister in der Zeit von 1993 bis 2000 entwickelt und in den folgenden Jahren wiederholt validiert. Seine Diskriminationsfähigkeit, gemessen an der Fläche unter der ROC-Kurve (ROC, „receiver operating characteristic“), ist den bisher verwendeten Score-Systemen deutlich überlegen („revised trauma score“ [RTS]: 0,76; ISS: 0,79; TRISS: 0,86; RISC: 0,91). Eine ausführliche Publikation der RISC-Entwicklung ist in Vorbereitung; Details können den Traumaregister-Jahresberichten oder dem Buch „Das Polytrauma“ von Oestern (13) entnommen werden.

Die mittels TRISS oder RISC ermittelten Prognosen werden den tatsächlich beobachteten Überlebensraten gegenüber gestellt, zum Beispiel direkt wie in Grafik 3 oder als standardisierte Mortalitätsrate (SMR). Hier wird die beobachtete Mortalitätsrate dividiert durch die erwartete Rate (Grafik 4). Dabei wird für die beobachtete Letalitätsrate ein 95-%-Konfidenzintervall basierend auf der Poissonverteilung berechnet. Liegt die Prognose für eine Gruppe von Patienten außerhalb dieses Konfidenzintervalls, wird von einer signifikanten Abweichung gesprochen. Durch diese Schweregrad-Adjustierung können auch Kliniken mit unterschiedlich schwer verletzten Patienten miteinander verglichen werden.

Patientenselektion: Entsprechend der Bedeutung einer schnellen und zielgerichteten Therapie für die Versorgung Schwerverletzter wurden im Rahmen der vorliegenden Qualitäts-/Letalitätsanalyse nur primär versorgte Patienten mit einer Verletzungsschwere von mindestens 16 Punkten im ISS (3) berücksichtigt.
Die Kriterien Schockraumzeit, Zeit bis zur Notoperation bei Blutungsschock, Durchführung einer Ganzkörper-CT und Zeit bis zur Aufnahme auf der Intensivstation wurden erst seit 2002 in der Online-Dokumentation erfasst.

Ergebnisse
Demografische Daten
Die wesentlichen Behandlungsdaten aller Patienten im Traumaregister bis zum Jahr 2005 sind in der Tabelle wiedergegeben. Entsprechend der Fragestellung erfolgt die Auswertung der Patientendaten erst ab dem Jahr 1999, dem ersten Zeitpunkt einer strukturierten Rückmeldung (Jahresbericht) an die teilnehmenden Kliniken. In dem Beobachtungszeitraum von 1999 bis 2005 wurden die Daten von insgesamt 11 013 schwerverletzten Patienten (ISS = 16) in 105 Kliniken dokumentiert.

Schweregrad-Adjustierung
Unter Verwendung des RISC wurde jeweils für die Kollektive der einzelnen Jahrgänge die Prognose in Form der erwarteten Letalität entsprechend der anatomischen und physiologischen Verletzungsschwere berechnet. Diese wurde dann der tatsächlichen Letalität, also der standardisierten Mortalitätsrate (SMR), gegenübergestellt. Im Laufe der betrachteten 7 Jahre ging die Letalität deutlich zurück (Grafik 4). Während im Jahre 1999 das Verhältnis von tatsächlicher gegenüber erwarteter Letalität noch 22,8 % zu 22,0 % betrug, konnte für das Jahr 2005 ein Verhältnis von 18,7 % zu 22,1 % nachgewiesen werden. Dieser Effekt war 2005 signifikant, wie an dem 95-%-Konfidenzintervall in Grafik 4 zu erkennen ist.

Versorgungsparameter
Sowohl für die Zeiten bis zur Durchführung ausgewählter initialer Diagnostik, als auch für wichtige Therapieparameter konnte eine Optimierung im Zeitverlauf nachgewiesen werden.

Diagnostik: Die Zeitspanne für die Durchführung der initialen radiologisch-sonografischen Basisdiagnostik, bestehend aus einer Sonografie des Abdomens und Röntgenaufnahmen des Thorax und des Beckens, konnte im Beobachtungszeitraum von 25 min auf 15 min verkürzt werden (Grafik 5). Die Häufigkeit der meist im Anschluss durchgeführten Ganzkörper-Computertomografie – erst ab 2002 erfasst – stieg dabei von 10 auf 36 % (Grafik 6).

Therapie: Eine der bedeutendsten Zeitspannen in der Schockraumversorgung ist die Zeitdauer bis zur blutstillenden Operation bei traumatischem Schock. Hierbei verkürzte sich unter den teilnehmenden Kliniken von 2002 bis 2005 die Zeitspanne von 45 min auf 39 min. Im gleichen Zeitraum verringerte sich die Zeit bis zur Aufnahme auf die Intensivstation für Patienten, die nicht operiert wurden, von 121 auf 113 min (Grafik 7).

Bei der Versorgung von Femurfrakturen schwerverletzter Patienten wurde in zunehmendem Maße der Fixateur externe im Sinne eines „damage control“-Konzeptes angewendet (Steigerung von 41 auf 53 %) (Grafik 6). Unter „damage control“ versteht man eine temporäre und schonende Stabilisierung und Blutungskontrolle.

Diskussion
Das Traumaregister stellt sowohl eine wissenschaftliche Datenbank zur Analyse von Behandlungsstrategien und Einflussfaktoren in der Schwerverletztenversorgung als auch ein Instrument zur Qualitätserfassung und zum Qualitätsmanagement dar. In der vorliegenden Arbeit wurde wesentlich auf den Aspekt des Qualitätsmanagements eingegangen. Aus der Datenbank des Traumaregisters sind bisher mehr als 80 nationale und internationale Publikationen hervorgegangen.

Neben der Darstellung der Behandlungssituation schwerverletzter Patienten war es das Ziel aufzuzeigen, dass die kontinuierliche Rückmeldung der Behandlungsdaten an die Kliniken mit positiven Veränderungen von Therapie und Prognose assoziiert ist. Dabei konnte unter Verwendung einer statistischen Methode zur Prognoseberechnung (RISC-Analyse), in der sowohl die anatomische Verletzung als auch die Störung der Vitalparameter eingehen, eine Abnahme der Letalität nach schwerem Trauma nachgewiesen werden.

Die Ursachen für diesen Rückgang der Letalität von Schwerverletzten in den teilnehmenden Kliniken sind, bedenkt man die langwierige und komplexe Behandlung dieser Patienten in Präklinik, Schockraum, Operationssaal und Intensivstation, als multifaktoriell anzusehen. Jedoch sind mit Hinblick auf das Überleben insbesondere die ersten Stunden nach dem Unfall von entscheidender Bedeutung. Etwa die Hälfte der in der Klinik Versterbenden erliegt innerhalb der ersten 48 h ihren Verletzungen (14). Gleichzeitig kann auch die spätere Letalität am Multiorganversagen und am schweren Schädel-Hirn-Trauma durch eine gezielte frühe Behandlung, beispielsweise durch Verminderung einer Massentransfusion oder eine schnelle, den Hirndruck senkende Therapie, entscheidend beeinflusst werden (15).

Die externe Kontrolle der frühen klinischen Versorgung ist aufgrund der unterschiedlichen Behandlungsprioritäten in Abhängigkeit von Verletzungsschwere und Verletzungsmuster, dem interdisziplinären Behandlungsansatz und der zeitlichen Bedeutung der Versorgung naturgemäß schwierig. Aufgrund der Komplexität der Erfassung und der ursächlichen Zuordnung von möglichen Komplikationen wurde im Traumaregister darauf verzichtet, Qualitätsindikatoren aus dem Bereich der Intensivmedizin und der technischen Durchführung operativer Maßnahmen heranzuziehen.

Im Traumaregister wurden aus diesem Grund Parameter definiert, die weitestgehend objektiv und interklinisch vergleichbar zu erheben sind. Dabei hat man Qualitätskriterien berücksichtigt, deren direkter (Zeit bis zur Notoperation) oder indirekter (Zeit für initiale Bildgebung) Einfluss auf die Prognose nachgewiesen oder in hohem Maße wahrscheinlich sind. Zur Entwicklung dieser Kriterien wurde deshalb der in ähnlicher Weise eindeutig definierte Kriterienkatalog des American College of Surgeons (11) berücksichtigt.

Bei der Beurteilung der Parameter Diagnostikzeiten und Dauer bis zur Notoperation konnte in Bereichen, für die seit 1999 oder 2002 ein Leistungsvergleich und eine Rückmeldung erfolgen, eine signifikante Verbesserung im Durchschnitt aller Kliniken nachgewiesen werden. Die klinische Relevanz der zeitlichen Verkürzung der untersuchten Maßnahmen ist beim schwer verletzten Patienten mit Monotrauma oder Mehrfachtrauma schwer einzuschätzen, sie ist deshalb auch im Wesentlichen als ein Indikator für ein optimiertes Management zu verstehen.

Auf der anderen Seite konnte zumindest für die Zeitdauer bis zur Notoperation bei Blutungsschock nachgewiesen werden, dass sich pro 3 min Verzögerung bis zur blutstillenden Notoperation die Prognose für den Patienten um 1 % verschlechtert (16). Im Kollektiv des Traumaregisters fand sich für dieses Subkollektiv eine Verkürzung bis zum OP-Beginn um 6 min.

Obwohl nicht als eindeutige Parameter des Qualitätsmanagements hervorgehoben, sondern nur im Jahresbericht angegeben, wurde auch bei den Parametern Ganzkörper-Computertomografie und Fixateur-externe-Anlage bei Femurfraktur eine deutliche Steigerung sichtbar. Obwohl für beide Methoden bisher kein eindeutiger wissenschaftlicher Nachweis einer Prognoseverbesserung aufgezeigt werden konnte, ist insbesondere für sehr schwer verletzte Patienten ein relevanter Einfluss auf die Prognose anzunehmen (17, 18). Die gewählten Parameter können deshalb als Indikatoren für ein gutes oder weniger gut funktionierendes Management der frühen klinischen Versorgung Schwerverletzter herangezogen werden. Ursachen für Verzögerungen im Ablauf können durch das Traumaregister nicht aufgezeigt werden. Die Aussagekraft der Studie wird dadurch limitiert, dass die Datenqualität der freiwillig teilnehmenden Kliniken bisher nicht durch lokale Kontrollen überprüft wurde. Es ist somit nicht auszuschließen, dass besonders schlechte Verläufe nicht gemeldet werden. Die Korrelation zwischen kontinuierlicher Prozessoptimierung und Verbesserung der Ergebnisqualität legt jedoch die Zuverlässigkeit nahe. Außerdem ist es denkbar, dass weitere Maßnahmen mit positivem Einfluss nicht erfasst wurden.

Grundsätzlich kann in jeder einzelnen Klinik die Qualität der Versorgung in der klinikinternen Organisation und interdisziplinären Abstimmung weiterführend nur durch ein funktionierendes klinikinternes Qualitätsmanagementsystem nachhaltig verbessert werden. Für diesen Zweck liefert das Traumaregister insbesondere durch den interklinischen Vergleich wichtige Anhaltspunkte zur Beurteilung der eigenen Prozessqualität. Aus der Erkenntnis heraus, dass die Qualität der Schwerverletztenversorgung in Deutschland zum Teil erheblich variiert und aufgrund der Tatsache, dass die Behandlungsqualität durch ein externes Rückmeldesystem positiv beeinflusst werden kann, wurde in den letzten Jahren das Konzept des Traumanetzwerks der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie entwickelt (9).

Durch die Initiierung von lokalen Traumanetzwerkstrukturen zwischen überregionalen und regionalen Traumazentren sowie die Einrichtungen der unfallchirurgischen Basisversorgung soll sichergestellt werden, dass jeder schwerverletzte Patient innerhalb von circa 30 min vom Unfallort in den Schockraum eines geeigneten Krankenhauses transportiert werden kann.

Die wesentlichen Bestandteile eines regionalen Traumanetzwerkes sind:
- Definierte Kriterien zur Aufnahme eines Patienten vom Unfallort in ein Traumazentrum oder Einrichtung der unfallchirurgischen Basisversorgung
- Einführung einheitlicher personeller, struktureller und organisatorischer Voraussetzungen, zum Beispiel Ausstattung des Schockraums
- Formulierung von standardisierten Behandlungsabläufen und Verlegungskriterien für die Frühphase der Schwerverletztenversorgung auf Basis der evidenzbasierten Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
- Vereinheitlichung der ärztlichen Qualifizierung durch gemeinsame Ausbildungsprogramme wie dem „advanced trauma life support“ (www.atls.de)
- Teilnahme an internen und externen qualitätssichernden Maßnahmen und Erfassung der aktuellen Versorgungszahlen und -abläufe auf Basis des Traumaregisters der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (www.traumaregister.de)
- Einrichtung von Telekommunikationssystemen, die es den teilnehmenden Kliniken untereinander ermöglichen soll, sich in oder kurz nach der akuten Behandlungsphase hinsichtlich der weiteren Versorgung auszutauschen und zu besprechen.

Fazit
Das Traumaregister der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie dient der Gewinnung wissenschaftlicher, epidemiologischer und ökonomischer Daten. Dabei wird auf Basis einer stetig steigenden Zahl an Kliniken die derzeitige Versorgungsqualität dokumentiert. Durch die Analyse der Ergebnisse werden durch die Kliniken des Traumaregisters Schwachstellen identifiziert und verbesserte Konzepte erarbeitet, umgesetzt und überprüft.

Danksagung
Abschließend soll den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Polytrauma der DGU für die jahrelange, intensive Mitarbeit am Traumaregister gedankt werden. Die AG Polytrauma ist seit 2007 in die Sektion Notfall, Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung der DGU integriert. Folgende Mitglieder haben einen entscheidenden Anteil am Erfolg des Traumaregisters der DGU: F. Barth, A. Bonk, B. Bouillon, K. Grimme, S. Grote, M. Grotz, M. Hering, S. Huber-Wagner, U. Krehmeier, G. Kanz, M. Kleiner, C. Krettek, C. Kühne, L. Kumpf, K. Ledendecker, I. Marzi, H. Meyer, S. Müller, W. Mutschler, C. Lackner, R. Lefering, D. Nast-Kolb, E. Neugebauer, U. Obertacke, H.J. Oestern, H.-C. Pape, T. Paffrath, Ch. Probst, M. Qvick, M. Raum, D. Rixen, S. Ruchholtz, S. Sauerland, U. Schweigkofler, A. Seekamp, R. Simon, O. Steitz, B. Strohecker, T. Tjardes, F. Walcher, C. Waydhas, M. Wittke, J. Westhoff

Interessenkonflikt
Prof. Ruchholtz, PD Lefering, Dr. Paffrath, Prof. Oestern, Prof. Neugebauer, Prof. Nast-Kolb, Prof. Pape und Prof. Bouillon erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

Manuskriptdaten
eingereicht: 23. 7. 2007, revidierte Fassung angenommen: 7. 2. 2008

Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. med. Steffen Ruchholtz
Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie
Universitätsklinikum Gießen-Marburg; Standort Marburg
Baldingerstraße
35033 Marburg
E-Mail: ruchholt@med.uni-marburg.de


Summary
Reduction in Mortality of Severely Injured Patients in Germany
Introduction: The trauma registry of the German Society of Trauma Surgery is a multicentric prospective record of the treatment of severely injured patients. Methods: The present study examines the effect of a quality management system on key processes and outcomes, in hospitals included in the trauma registry. The study is based on data of 11 013 severely injured patients (injury severity score = 16) who were treated in 105 hospitals between 1993 and 2005. A variety of parameters relating to early diagnosis and treatment were considered. Outcome quality was measured by a comparison between observed and calculated mortality (revised injury severity classification).
Results: During the 13 year long study period mortality could be significantly reduced from 22.8 to 18.7%. The time to initial radiological and ultrasound diagnosis was reduced, the use of computed tomography increased, the time until emergency operations in hemorrhagic shock was reduced, and damage limiting orthopedic interventions were performed more frequently. Discussion: The German Trauma
Registry records processes and treatment results in severely injured patients. This information is fed back to participating hospitals. The continuous data feedback is associated with a continuous improvement of process and outcome quality in the treatment of severely injured patients.
Dtsch Arztebl 2008; 105(13): 225–31
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0225
Key words: trauma, research of accidents, quality management, mortality, prognosis

The English version of this article is available online:
www.aerzteblatt-international.de
eGrafik:
www.aerzteblatt.de/artikel08m225
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