ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2008Zytologie: Hobbyzytologen
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Ich arbeite nun seit fast 20 Jahren in der Geburtshilfe und Frauenheilkunde, seit neun Jahren selbstständig und als Belegarzt in einem Krankenhaus. Mühselig und zeitaufwendig habe ich mir wie viele meiner Kollegen auch die Zusatzqualifikation für „gynäkologische Exfoliativzytologie“ erarbeitet und sehe regelmäßig alle meine eigenen Präparate und zeitweise auch die von Einsendern selbst an und beurteile sie. Nun aber haben die „großen“ Labors langsam geschafft, die „kleinen“ Zytologen auszumerzen, indem sie im Qualitätsmanagement unerreichbare Mengen und Voraussetzungen unter dem Namen „Qualitätssicherung“ durchsetzen konnten. Natürlich ist ihnen klar, und diese Absicht unterstelle ich auch, dass Zytologen in Einzelpraxen und mit eventuell ein paar zusätzlichen Einsendern diese Auflagen nicht erfüllen können, sie zudem unwirtschaftlich würden. Auf diese Weise werden sie dann gezwungen, ihre Präparate ebenfalls an die wenigen Großlabors zu geben, die so alles auf sich vereinen und sich den „Markt“ aufteilen können. Aber wie sieht es denn dort tatsächlich aus? In den meisten Fällen werden von den großen Zytologen der Großlabors nur noch wenige Präparate selbst gemustert. Das bei Weitem meiste geschieht durch Zytologieassistenten und keinesfalls von den in Zytologie ausgebildeten Fachärzten persönlich, wie es zum Beispiel bei mir der Fall ist. Diese Assistenten arbeiten für den bekannten „Appel und Ei“ und müssen dafür fast regelmäßig mehr zytologische Präparate mustern als nach der neuen Bestimmung gefordert. Das ist die Realität. Gerade erst wurde mir von einem der „großen“ Labors ein Rundschreiben zugesandt, dass wohl derart an alle „kleinen“ Zytologen gegangen ist, und in dem mir seine Dienste offeriert wurden. Ziel ist es, nur Leistungen durchzuführen, die auch adäquat bezahlt werden. Aber dann rechnet sich die Zytologie mit ca. sieben Euro pro Präparat für „kleine“ Zytologen gar nicht mehr. So werden einzelne Zytologen zu „Hobbyzytologen“ degradiert oder sie werden in Zukunft ganz auf die Ausübung dieser Tätigkeit verzichten – Sinn und Zweck der ganzen, von den Großlabors initiierten Aktion. Für die Großlabors amortisiert sich die teure Gerätschaft, wenn sie alles an sich reißen. . . . Ihr großer Vorteil bei dieser Vorgehensweise: Die einzelnen Zytologen haben keine gemeinsame Lobby im Gegensatz zu ihnen. Keiner dieser Zytologen aus den Großlabors kennt je eine Patientin persönlich. Ich weiß hingegen ganz genau, wessen zytologisches Präparat ich vor mir habe, habe die Anamnese im Hinterkopf, kann einschätzen, wie eine Befundmitteilung erfolgen sollte etc. . . . Ich bedauere sehr diese unter dem Decknamen „Qualitätssicherung“ erfolgende Verdrängung von einzeln tätigen Zytologen. Sie geht zulasten der Qualität, der Patienten und der Kollegen, die ihre Zusatzausbildung bzw. -tätigkeit quasi zum Hobby machen können.

Dr. med. Franz Prohaska, Gutenbergstraße 6, 35037 Marburg
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