ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2008Ausstellung Medizinhistorisches Museum Berlin: Blick unter die Haut

KULTUR

Ausstellung Medizinhistorisches Museum Berlin: Blick unter die Haut

Dtsch Arztebl 2008; 105(13): A-689 / B-605 / C-593

Gieseke, Sunna

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Foto:Christoph Weber
Foto:Christoph Weber
Die neue Dauerausstellung „Dem Leben auf der Spur“ des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité führt eindringlich durch 300 Jahre Medizingeschichte.

Einen Streifzug unter die Haut und zurück“ zeigt die neue Dauerausstellung des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité – Universitätsmedizin Berlin: Verformte Skelette, missgebildete Totenschädel und in Formalin konservierte Föten – auf der Spurensuche des Lebens bekommt der Besucher Einblicke in ein wahres Schreckenskabinett.

Bereits seit Ende 2007 können die Besucher die neu gestaltete und räumlich erweiterte Dauerausstellung „Dem Leben auf der Spur“ des Museums betrachten. „Bei uns werden zwar Präparate menschlicher Körperteile dargeboten“, so der Direktor des Museums, Thomas Schnalke. „Wir zeigen sie aber in einem Kontext, sodass der Besucher sieht, wozu sie hergestellt und gesammelt wurden.“ Mit den sensationsheischenden Plastinaten, die der umstrittene Präparator Gunther von Hagens ausstellt, habe die Ausstellung im Charité-Museum nichts zu tun, betonte Schnalke.

Wichtiger Bestandteil der Ausstellung ist die 750 Exponate umfassende berühmte Präparatesammlung von Rudolf Virchow, der 1856 die Leitung des Pathologischen Instituts übernahm. Nicht Sensationsgier, sondern ein handfester wissenschaftlicher Hintergrund habe den Mediziner geleitet, so Schnalke. „Die ausgestellten Stücke waren Teile einer Lehrsammlung, anhand derer den Medizinstudenten anschaulich Krankheitsverläufe aufgezeigt werden konnten.“ Zu Forschungszwecken wurden zum Beispiel von Krankheiten gezeichnete Gesichter aus Wachs geformt. Auch die in Formalin eingelegten Föten dienten der medizinischen Lehre.

So kann der Besucher eintauchen in 300 Jahre Medizingeschichte und unter anderem Zuhörer im Hörsaal werden, in dem der gesamte menschliche Körper dargeboten wird. Er wird vorbeigeführt an einem historischen Seziersaal und Laboren verschiedener medizinischer Epochen. Hier werden zentrale Bilder und Modelle vom menschlichen Körper gezeigt, welche die Medizin in dieser Zeit entwickelt hat. Zudem wird deutlich, was sich daraus für die Diagnostik und Therapie ergab, ohne die Sicht des Patienten zu vergessen. Der Besucher erfährt Wissenswertes über die Meilensteine der Medizin wie der ersten Narkose bis hin zur kompletten Durchleuchtung des menschlichen Körpers mit der Röntgenstrahlung und der Endoskopie.

Der Blick unter die Haut gibt den menschlichen Körper preis. Die Skelette halfen den Medizinern, Krankheiten zu verstehen. Foto: Thomas Bruns
Der Blick unter die Haut gibt den menschlichen Körper preis. Die Skelette halfen den Medizinern, Krankheiten zu verstehen. Foto: Thomas Bruns
Die Ausstellung präsentiert zudem einen aufwendig gestalteten Krankensaal, in dem zehn individuelle, historisch belegte Krankengeschichten aus drei Jahrhunderten dargestellt werden. Dort wird jeweils ein personifizierter Krankheitsfall gezeigt – und das, was die Medizin zum damaligen Zeitpunkt zu bieten hatte, um dieser Person zu helfen. Eine 16-jährige Prostituierte musste 1727 von einem schief liegenden Kind entbunden werden. Dafür wurden Zangen und Schlingen gebraucht, die zum Teil noch heute benutzt werden. Neben dem hölzernen Geburtsstuhl – aus dem Jahr 1726 – dieser jungen Frau steht eine eiserne Lunge, mit der an Kinderlähmung erkrankte Patienten in den 1950er-Jahren künstlich beatmet wurden. In diesem Konzept verknüpfen sich eindrucksvoll Geschichte und Medizin. Der Besucher wird Zeuge einer spannenden Entwicklung.
Sunna Gieseke

Informationen
Die neue Dauerausstellung „Dem Leben auf der Spur“ ist im Medizinhistorischen Museum, Eingang Alexanderufer – gegenüber vom Hauptbahnhof – Charitéplatz 1, zu sehen. Telefon: 0 30/4 50 53 61 56. Öffnungszeiten: 10 bis 17 Uhr, mittwochs und samstags bis 19 Uhr, montags geschlossen. Kinder unter zwölf Jahren haben keinen Zutritt.
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