ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2008Metastasiertes Prostatakarzinom: Abarelix beschleunigt Hormonentzug

PHARMA

Metastasiertes Prostatakarzinom: Abarelix beschleunigt Hormonentzug

Dtsch Arztebl 2008; 105(13): A-691

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Für Patienten mit einem hormonsensiblen Prostatakarzinom im fortgeschrittenen Stadium steht mit Abarelix nun der erste Vertreter einer neuen Wirkstoffklasse zur Verfügung. Der GnRH-Antagonist wird als Plenaxis® angeboten. Wie Prof. Lothar Weißbach (Fürth) in Berlin berichtete, wird mit Abarelix „eine schnelle Senkung des Testosteron-Spiegels in Verbindung mit einer schnellen und anhaltenden Tumorkontrolle – also Senkung des PSA-Werts und Reduktion des Prostatavolumens – erreicht.“

Die europäischen Leitlinien zum Prostatakarzinom, die 2007 aktualisiert wurden, sehen die Hormontherapie indiziert beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom als Alternative oder auch Ergänzung zur Bestrahlung beziehungsweise Operation. Bislang wurden zur Hormontherapie vor allem LHRH-Analoga und Antiandrogene – oft auch in Kombination – eingesetzt. Die GnRH-Antagonisten rücken in den Fokus der des Urologen: Mehrere Wirkstoffe sind in der klinischen Entwicklung.

Das natürlich vorkommende Hormon GnRH sowie seine Agonisten und Antagonisten weisen sehr ähnliche chemische Strukturen auf, die sich lediglich hinsichtlich einiger Aminosäuregruppen unterscheiden. Während LHRH-Agonisten zunächst zu einer initialen Stimulation der Testosteron-Ausschüttung führen und erst mit einem gewissen Zeitverzug nach Herabregulation der Rezeptoren den gewünschten Effekt hervorrufen, bewirken GnRH-Antagonisten mittels kompetitiver Blockade der hypophysären LHRH-Rezeptoren eine zielgerichtete, sofortige Reduktion des Hormonspiegels ohne Testosteron-Anflutung und damit auch ohne die Notwendigkeit einer Begleitmedikation mit Antiandrogenen. In einer offenen multizentrischen Phase-III-Studie mit 269 Patienten wurden Abarelix und der LHRH-Agonist Leuprorelinacetat hinsichtlich des Effekts auf den Testosteronspiegel und andere Hormonwerte verglichen. 180 Männer erhielten Abarelix, 89 Patienten Leuprorelinacetat.

In dieser und weiteren Studien sank unter der Therapie mit Abarelix im Vergleich zu LHRH-Agonisten in Monotherapie oder in Kombination mit Antiandrogenen der Testosteronspiegel innerhalb einer Woche (bei einem Drittel der Patienten schon nach drei Tagen) auf Kastrationsniveau. In der Abarelix-Gruppe wurde innerhalb von acht Tagen bei 72 Prozent der Patienten eine medikamentöse Kastration erreicht, während dies bei keinem Patienten in der Leuprorelin-Gruppe gelang (p < 0,001). „Unter einer Kombination aus LHRH-Agonisten und Antiandrogenen wurden vergleichbare Ergebnisse erst nach 21 Tagen erreicht“, sagte Prof. Manfred Wirth (Dresden) in Berlin.

„Da die Rezeptoren bei Behandlung mit Abarelix nicht verändert werden, ist nach Absetzen der Therapie eine schnelle Normalisierung der Testosteronwerte möglich, sodass auch die hormontherapiebedingten Begleiterscheinungen – zum Beispiel Hitzewallungen – rasch wieder abklingen“, erläuterte Weißbach.

Knochenschmerzen und Analgetikagebrauch reduziert
Die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Abarelix wurde im Rahmen einer offenen Studie mit 72 Patienten (Durchschnittsalter 73 Jahre) untersucht. Die Betroffenen litten an Knochenschmerzen aufgrund von Skelettmetastasen, neurologischen Symptomen oder Ureterobstruktion bei bilateraler retroperitonealer Tumorausbreitung. 13 Prozent der Patienten hatten PSA-Ausgangswerte über 1 000 ng/ml, ein Drittel zwischen 100 und 1 000 ng/ml. Nach zwölfwöchiger Monotherapie mit Abarelix konnte bei 90 Prozent der Patienten eine Reduktion des Analgetikaverbrauchs, eine durch bildgebende Diagnostik dokumentierte Stabilisierung der Metastasen sowie eine Verbesserung der Obstruktion festgestellt werden.

Hinsichtlich der Verträglichkeit von Abarelix ist insbesondere auf allergische Reaktionen zu achten. Bis zur Zulassung wurden die Daten von 1 397 mit Abarelix behandelten Patienten analysiert. Systemische anaphylaktoide Reaktionen vom Soforttyp wie Urtikaria, Pruritus, Hypotension oder Synkopen wurden in 1,1 Prozent der Fälle (n = 15) beobachtet. Weißbach wies darauf hin, dass das Abarelix-Pulver „sorgfältig aufbereitet und gut geschüttelt werden muss“. Zudem empfahl er, die Patienten bis zu 30 Minuten nach intramuskulärer Injektion zu beobachten.
Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

Launch-Symposium „Abarelix in der Therapie des hormonabhängigen Prostatakarzinoms – eine Klasse für sich“ im Rahmen des 28. Deutschen Krebskongresses in Berlin, Veranstalter: Speciality European Pharma GmbH, Ratingen
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