ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2008Mammakarzinom: Gentest ermöglicht Rezidivprognose

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Mammakarzinom: Gentest ermöglicht Rezidivprognose

Dtsch Arztebl 2008; 105(13): A-692

Zylka-Menhorn, Vera

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Der Mammaprint-8-Pack-Array enthält auf einem Objektträger acht Einzelarrays. Der vergrößerte Ausschnitt weist auf einen Fall mit niedrigem Rezidivrisiko hin. Foto: Agendia BV
Der Mammaprint-8-Pack-Array enthält auf einem Objektträger acht Einzelarrays. Der vergrößerte Ausschnitt weist auf einen Fall mit niedrigem Rezidivrisiko hin. Foto: Agendia BV
Mit dem In-vitro-Labortest „MammaPrint®“ ist es möglich, eine individuelle Prognose für den Verlauf von Brustkrebserkrankungen innerhalb der nächsten zehn Jahre zu stellen. Mammaprint misst die Aktivität 70 aussagekräftiger Gene, die innerhalb des gesamten Genoms identifiziert wurden und an der Proliferation von Mammatumoren beteiligt sind. Mithilfe von Genchips, den DNA-Microarrays, wird von einer Gewebeprobe des Tumors ein Genexpressionsprofil erstellt, das den Tumor zuverlässig klassifiziert. Anhand des Ergebnisses werden Patientinnen eindeutig nach hohem oder niedrigem Rezidivrisiko eingeteilt.

Lücke bei Abschätzung des Rezidivrisikos geschlossen
Entwickelt sich eine normale Körperzelle zu einer Tumorzelle, werden bei etwa zehn Prozent der Gene Veränderungen in deren Aktivität gemessen. Forscher konnten Gruppen von Genen identifizieren, deren Aktivitätsänderung signifikant mit dem Auftreten von Metastasen einhergeht. Da diese Prozesse bereits in einem frühen Stadium ablaufen, ist es dementsprechend auch möglich, das Rezidivrisiko für Krebserkrankungen frühzeitig zu erkennen. Dies werde Konsequenzen für die Indikation der adjuvanten Therapie haben, hieß es bei einer Veranstaltung des Unternehmens Agendia beim Deutschen Krebskongress in Berlin.

Bisher werden für die Prognoseabschätzung Faktoren wie Tumorgröße, Hormonrezeptorstatus, Alter und Stadieneinteilung genutzt. „Zahlreiche Patientinnen können wir dennoch nicht eindeutig einer Hoch- oder Niedrigrisikogruppe zuordnen“, sagte der Pathologe Prof. Gerhard Seitz (Bamberg). Diese Lücke soll nun die genetische Tumoranalyse füllen. Mammaprint ist anwendbar bei allen Frauen mit östrogenpositivem (ER1) und östrogennegativem (RR2) Brustkrebs in den Stadien 1 und 2 sowie bei bis zu drei befallenen Lymphknoten. Technisch ist es einfach: Frisches Tumorgewebe wird in einer Transportlösung an das Referenzlabor des Herstellers Agendia in Amsterdam geschickt. Dort wird innerhalb von fünf bis zehn Tagen der genetische Tumorabdruck erstellt, der es mit hoher Trennschärfe erlaubt, Patientinnen mit hohem von jenen mit niedrigem Rezidivrisiko abzugrenzen. Mit tiefgekühltem Gewebe funktioniert es ebenfalls.

In einer retrospektiven Studie wurden 114 Frauen je nach Test in die Gruppe mit guter und 180 in die Gruppe mit schlechter Prognose eingeteilt. Bei 14 Frauen mit guter Prognose kam es innerhalb von zehn Jahren zu Metastasen. In der Gruppe mit schlechter Prognose waren es 74 (NEJM 2002; 347: 1999). „Daraus errechnet sich ein relatives Rezidivrisiko von 4,6 für Frauen mit ungünstigem Genprofil“, erläuterte Dr. Georg Kunz (Dortmund). Der Gentest tauge zur Identifikation von Risikopatientinnen besser als die Tumorgröße oder Lymphknotenmetastasen, sagte Kunz. Damit bliebe etwa jeder fünften Patientin eine adjuvante Therapie erspart.

Klassische Risikofaktoren und Gentest gemeinsam nutzen
Allerdings gibt es auch Frauen mit klinisch günstiger Prognose, die durch den Gentest in die Hochrisikogruppe eingestuft werden. Eine demnächst auch in Deutschland startende Studie soll nach Angaben von Kunz klären, wie klassische Risikofaktoren und Gentest zusammen genutzt werden können. Die Krankenkassen bezahlen den 2 000 bis 2 500 Euro teuren Test bisher noch nicht.

Mammaprint ist in mehr als 1 000 Tests im Rahmen klinischer Studien validiert und hat sich bereits in mehr als 7 000 durchgeführten Tests als Verfahren in der Praxis bewährt, Patientinnen zuverlässig in ein hohes oder niedriges Risiko einzustufen. Der hohe Evidenzgrad hatte die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA bereits Anfang 2007 veranlasst, Mammaprint als ersten Test zur Bestimmung des Rückfallrisikos bei Krebserkrankungen zuzulassen. Bereits seit Juni 2005 sind die Laboratorien von Agendia ISO-17025 zertifiziert und erfüllen die strengen Qualitätsanforderungen der Europäischen Union. zyl
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