ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2008Sparen für den Nachwuchs: Mit Zins und Zinseszins

GELDANLAGE

Sparen für den Nachwuchs: Mit Zins und Zinseszins

Dtsch Arztebl 2008; 105(13): A-694 / B-606 / C-594

Jobst, Peter

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Foto: Ute Grabowsky/Photothek
Foto: Ute Grabowsky/Photothek
Werthaltige Alternativen zum Geldgeschenk

Der Geldschein im Umschlag zum Geburtstag ist – obwohl bei Kindern beliebt – weder einfallsreich noch trägt er dazu bei, dass sich der Beschenkte auch später noch daran erinnert. Gefragt sind andere, werthaltige Lösungen. Die Finanzbranche bietet Möglichkeiten, mit denen auch regelmäßig etwas für den Nachwuchs getan werden kann.

Basis jeder derartigen Geldanlage ist das Spar(kassen)buch. Hier wird das Kleingeld aus dem Sparschwein ebenso eingezahlt, wie das Präsent von der Oma. Der Nachteil: Sparkonten mit dreimonatiger Kündigungsfrist sind nur mager verzinst. Gerade einmal ein bis 1,5 Prozent kann der Nachwuchs als Jahresgutschrift erwarten. Vergleichbares gilt für Sparkonten mit längeren Kündigungsfristen – etwa das früher übliche Sparbuch mit vierjähriger Festschreibung. Als weiterer Nachteil kommt hier hinzu, dass das Geld nicht ohne weitere Nachteile beim Zins abgehoben werden kann. Alternativ bieten fast alle Banken und Sparkassen spezielle Kinderkonten an, deren Zinsen zumindest etwas über den Minisätzen der Standardprodukte liegen.

Interessanter ist die Verzinsung hingegen bei Prämiensparverträgen, summiert sich hier der Ertrag doch aus einem Basiszins und einer laufzeitabhängigen Prämie. Je länger gespart wird, umso höher ist die Prämie. Vertragsdauer und Monatsrate können beliebig festgelegt werden, vorzeitige Verfügungen sind unproblematisch. Die Rendite solcher Sparpläne liegt derzeit im Durchschnitt zwischen zwei und vier Prozent. Der Nachteil: Die meisten derartigen Sparpläne basieren auf festen Raten, sodass sie sich eher für die Eltern zur Anlage des Kindergelds eignen als für das Kind selbst.

Höhere Rendite bei Fonds
Mehr Flexibilität erlauben Investment-Anlagekonten, die auf Basis risikoarmer Rentenfonds, in Form von Dach- oder Mischfonds oder auch als Aktienfonds angeboten werden. Der Einstieg ist hier meist bereits ab 25 Euro pro Monat möglich, das Kapital wird breit gestreut und professionell betreut. Nicht einmal eine feste Bindung ist erforderlich: Investmentsparpläne können in der Regel jederzeit ausgesetzt, ganz gestoppt oder auch erhöht werden. Einmalzahlungen sind ebenfalls möglich und stellen etwa für Großeltern eine gute Möglichkeit dar, den Enkeln zu besonderen Anlässen etwas zukommen zu lassen. Die Rendite richtet sich nach dem gewählten Fonds. Während bei einer konservativen Rentenfondsanlage momentan von Durchschnittssätzen in einer Größenordnung von knapp vier Prozent auszugehen ist, bieten Dach- oder Mischfonds im Durchschnitt rund fünf bis sieben Prozent.

Deutlich mehr können Anleger bei Aktienfonds erwarten – bei höherem Risiko. Vor dem Hintergrund der langen Anlagedauer sind Renditesätze von 8,5 bis 9,5 Prozent jedoch durchaus realistisch. Alternativ bieten sich Indexzertifikate etwa auf den DAX an, über die bei vielen Instituten ebenfalls Sparpläne abgeschlossen werden können. Der Vorteil hier: Die Spesen sind niedriger als bei klassischen Fonds. Allerdings entwickeln sie sich stets nur analog zum Index – nicht besser, aber auch nicht schlechter. In jedem Fall sollten sich Eltern darüber im Klaren sein, dass sich Investment- oder Indexsparpläne nur als langfristige Anlage eignen.

Gezielt sparen können Eltern oder Großeltern mit einer Ausbildungs-/ Aussteuerversicherung. Dabei handelt es sich um eine Sonderform der Kapitallebensversicherung, die etwa zum Beginn der Ausbildung oder bei Heirat fällig wird. Ein Pluspunkt: Stirbt der Versicherte (Sparer) während der Ansparphase, werden die weiteren Prämienzahlungen von der Versicherung übernommen. Als weiterer Vorteil kann die relativ feste Bindung gesehen werden: Da eine vorzeitige Kündigung in der Regel mit finanziellen Verlusten verbunden ist, besteht bei Versicherungslösungen eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Geld wirklich dem geplanten Zweck – Sparen für das Kind – zukommt.

Zu nennen ist auch das Bausparen, bei dem der Vorsorgecharakter deutlich zum Ausdruck kommt. Durch die regelmäßigen Einzahlungen sichert der Vertrag dem Nachwuchs nicht nur ein attraktives Guthaben, sondern auch einen Darlehensanspruch, wenn eines Tages die eigenen vier Wände bezogen werden sollen. Kinder erhalten bereits ab dem 16. Lebensjahr die volle Bausparförderung – unabhängig vom Einkommen der Eltern. Bestehende Verträge können innerhalb der Familie übertragen werden, was dann interessant wird, wenn das Kind kein Haus bauen will.

Schließlich stellt sich die Frage nach der Eigenanlage in festverzinslichen Wertpapieren. Dies wird dann akut, wenn sich ein Kapitalbetrag von 2 500 bis 3 000 Euro angesammelt hat und nach einer attraktiven Verzinsung gesucht wird. Als Produkte eignen sich insbesondere Anleihen erstklassiger Schuldner. Eher Zurückhaltung ist hingegen bei einzelnen Aktien geboten, die im Vergleich zu einer Anlage etwa in Fonds oder Zertifikaten ein bedeutendes Risiko beinhalten.
Peter Jobst
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