ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2008Amiodaron und Schilddrüsen-Dysfunktion: Schlusswort
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LNSLNS Zunächst sei Herrn Kollegen Meyer gedankt für die ergänzenden „Präzisierungen“ aus pharmakologischer Sicht. Wegen der begrenzt erlaubten Wortzahl wurde der von uns ursprünglich verfasste Absatz zur Molekularpharmakologie und Pharmakokinetik des Amiodarons zugunsten einer ausführlichen Darstellung der differenzierten Diagnostik und des therapeutischen Vorgehens bei Amiodaron-induzierter Schilddrüsendysfunktion gestrichen. Das Wissen um die beschriebenen Wechselwirkungen zwischen Amiodaron und den „Digitalispräparaten“ Digoxin und Digitoxin führt in der Betreuung von Patienten mit supraventrikulären Arrhythmien erfreulicherweise dazu, dass die Kombination beider Substanzen kaum verordnet wird (1). Obwohl man weiß, dass vor allem die gleichzeitige Gabe von Digoxin und Amiodaron zu erheblicher Digoxinakkumulation und erhöhten Serumspiegeln an Digoxin führt, wurden bei paralleler Amiodaroneinnahme Überdosierungsfälle mit Digitoxin ebenfalls beschrieben (2). Als Pathomechanismus kommt hierfür einerseits die Hemmung der tubulären renalen Sekretion des Digoxins, andererseits die Verdrängung des gebundenen Digoxins beziehungsweise Digitoxins aus dem Zielgewebe durch Amiodaron in Betracht. Zu beachten ist deshalb auch, dass Digitoxin eine stärkere Gewebs- und Eiweißbindung als Digoxin besitzt (2).

Wird Amiodaron mit Statinen kombiniert, so werden aufgrund klinischer Relevanz und pharmakologischer Wirksamkeit Atorvastatin oder Simvastatin häufiger eingesetzt als das schwächer wirksame Pravastatin (3). Hierbei gilt es zu beachten, dass erstgenannte Statine durch Cytochrom-P4503A4, welches durch Amiodaron inhibiert wird, metabolisiert werden, und es dadurch bei kombinierter Gabe zu erhöhten Plasmaspiegeln kommen kann. Unter Beachtung dieser Tatsache wurden bisher keine lebensbedrohlichen Wechselwirkungen beschrieben (1, 3). Schließlich ist das Folgepräparat Dronedaron, nach aktuellen Informationen des Herstellers, noch nicht auf dem deutschen Markt zugelassen, sodass die erhoffte Ablösung von Amiodaron auf sich warten lässt.

DOI: 10.3238/arztebl.2008.0263b

Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. med. George J. Kahaly
I. Med. Univ.-Klinik und Poliklinik
55101 Mainz
E-Mail: gkahaly@mail.uni-mainz.de

Interessenkonflikt
Die Autoren aller Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Jorunal Editors besteht.
1.
Magro L, Conforti A, Del Zotti F et al.: Identification of severe potential drug-drug interactions using an italian general-practitioner database. Eur J Clin Pharmacol 2008; 64: 303–9. MEDLINE
2.
Läer S, Scholz H, Buschmann I, Thoenes M, Meinertz T. Digitoxin intoxication during concomitant use of amiodarone. Eur J Clin Pharmacol 1998; 54: 95–6. MEDLINE
3.
Stang P, Morris L, Kempf J, Henderson S, Yood MU, Oliveria S: The coprescription of contraindicated drugs with statins: continuing potential for increased risk of adverse events. Am J Ther 2007; 14: 30–40. MEDLINE
1. Magro L, Conforti A, Del Zotti F et al.: Identification of severe potential drug-drug interactions using an italian general-practitioner database. Eur J Clin Pharmacol 2008; 64: 303–9. MEDLINE
2. Läer S, Scholz H, Buschmann I, Thoenes M, Meinertz T. Digitoxin intoxication during concomitant use of amiodarone. Eur J Clin Pharmacol 1998; 54: 95–6. MEDLINE
3. Stang P, Morris L, Kempf J, Henderson S, Yood MU, Oliveria S: The coprescription of contraindicated drugs with statins: continuing potential for increased risk of adverse events. Am J Ther 2007; 14: 30–40. MEDLINE

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