ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2008Tarifverhandlungen: Westeuropäisches Niveau noch lange nicht erreicht

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Tarifverhandlungen: Westeuropäisches Niveau noch lange nicht erreicht

Dtsch Arztebl 2008; 105(14): A-737 / B-644 / C-632

Kamp, Johannes

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Als am 18. Dezember 2007 der Marburger Bund (MB) seine Forderungen für die Gehaltsrunde 2008 vorstellte, kam naturgemäß unmittelbar deutliche Kritik von der Seite des Verhandlungspartners VKA. „Mit erneut maßlosen Forderungen von diesmal acht bis über 14 Prozent Gehaltssteigerung für Krankenhausärzte riskiert der Marburger Bund aufs Neue den Bestand kommunaler Krankenhäuser“, so der Verband kommunaler Arbeitgeber. Maßlos sind aber weder die Gehaltsforderungen der vergangenen Tarifrunde gewesen noch die aktuelle Forderung von durchschnittlich zehn Prozent. Die Angleichung an westeuropäisches Niveau ist noch lange nicht erreicht. Allerdings verbirgt sich hinter der Pressemitteilung des VKA vom 18. Dezember 2007 noch eine ganz andere Aussage: Es herrscht Angst in den Führungsetagen der VKA-Kliniken. Denn nicht der Bestand kommunaler Kliniken ist durch die Forderungen des MB gefährdet, sondern der Bestand von Kliniken in kommunaler Trägerschaft, was ein Unterschied ist. Wechselt aber die Trägerschaft, dann wird es in der Klinik keinen Bedarf für diejenigen geschäftsführenden Führungskräfte mehr geben, die eine Klinik bisher nicht wirtschaftlich betreiben konnten. Und das hat einen Grund: Zur wirtschaftlichen Führung eines Unternehmens gehört es vor allem, dass für eine angebotene Leistung die dafür anfallenden Kosten berechnet werden, die sich im Preis dieser Leistung niederschlagen. Dazu gehören in einer Klinik zum größten Teil die Personalkosten, mithin also auch die Berücksichtigung des Arbeitszeitgesetzes und die Vergütung von Überstunden. Diese wurde und wird bisher von den Klinikleitungen bei der Kostenberechnung für eine scheinbar unendlich dehnbar gehaltene Variable gehalten, die vor allem von Ärztinnen und Ärzten durch unbezahlte Überstunden und Missachtung arbeitsrechtlicher Vorschriften auszugleichen sei . . . Somit konnten die Kosten für Klinikleistungen auch nicht in vollem Umfang in die Verhandlungen zum Basisfallwert der DRGs, der zunächst klinikindividuell mit den Kostenträgern vereinbart wurde, einbezogen werden. Die Folge davon war, dass mit den Kostenträgern Leistungen zu einem Preis vereinbart wurden, der die Kosten nicht deckt. Ob die Klinikleitungen dadurch gegen die Pflicht eines jeden Kaufmanns zur ordentlichen Geschäftsführung verstießen, wird noch zu klären sein . . .
Johannes Kamp, MB-Bezirksvorstandsmitglied Bezirk Bonn, Kaiserstraße 129, 53113 Bonn
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