ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2008Die Hospitalheilige: Das Fragezeichen fehlt
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Bedingungsloser Einsatz für die Bedürftigen? Zumindest hätte doch wohl ein Fragezeichen hinter die Überschrift gehört. Muss jetzt also auch noch das DÄ an der touristisch wertvollen Legende von der „heiligen Elisabeth“ weiterstricken? Hat sich die Autorin nicht gefragt, wieso eine 24-jährige junge Frau so schnell heiliggesprochen worden ist? Woran ist sie gestorben? Wie selbstlos waren ihre Taten? Eher hätte man sich schon gewünscht, in einer Ärztezeitschrift wären einmal die sozialpathologischen Aspekte des „Falls Elisabeth“ zur Sprache gekommen, ihr sorgloser Umgang mit Eiter und Schorf in der „Balneotherapie“ Lepröser, den sie vermutlich sogar trank, was schon die Zeitgenossen nicht verstanden, ihre masochistische Hingabe an den Beichtvater Konrad von Marburg, von dem sie sich peitschen ließ. Es lässt einen erschaudern, welche Praktiken sie übte – und das ist dann nicht nur mit der Alterität der Mentalitäten zu erklären. Darüber hinaus stilisierte dieser Umgang einzig und allein Elisabeth zu einer Ikone der Selbstaufgabe und Entsagung, ohne den von ihr „behandelten“ Kranken zu nützen. Gleichzeitig muss man doch wohl in einer Zeitschrift für die Ärzteschaft die psychischen Probleme einer Frau, die so offensichtlich dem eigenen Tod entgegenstrebte, zumindest in den Raum stellen. Keinem Mediziner oder keiner Medizinerin, keinem in der Heilkunde Tätigem sollte dieser von „Empathie und Humanität getragene Einsatz“ angeraten werden. Dieses Vorgehen der Elisabeth darf nicht als Beispiel dienen für die Versorgung von Patienten. Die schnelle Heiligsprechung, die Bewilligung der Gelder für ihre „Mildtätigkeit“ entsprachen einem politischen und kirchlichen Kalkül . . .
Angelika Heber, Nedderlund 8, 25866 Mildstedt
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