ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2008Börsebius: Helikopter-Ben

GELDANLAGE

Börsebius: Helikopter-Ben

Dtsch Arztebl 2008; 105(14): A-751 / B-655 / C-643

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Alles schon mal da gewesen. Der Börsenkrach von 2008, eigentlich sind es nach Art der chinesischen Wasserfolter schon mehrere in diesem Jahr, droht Chronisten zufolge dem Schwarzen Freitag von 1929 ziemlich nahe zu kommen.

Genau besehen, war der Boom der Investmenttrusts in den USA, die dort verblüffenderweise erst zum Jahresbeginn 1929 salonfähig wurden, verantwortlich für den damaligen dramatischen Verfall der Aktienkurse. In Europa mokierte sich die Finanzwelt, vor allem die Briten, kurz zuvor noch über die „rückständigen“ Amerikaner, sie würden doch tatsächlich einen Trend zum Reichwerden verschlafen.

Die Idee des Investmenttrusts kam dann auch bombig an. Fast täglich wurden von amerikanischen Geldhäusern und Brokern neue gegründet, die Gier nach dem schnellen Geld griff epidemisch um sich, selbst Hausfrauen, Taxifahrer, Müllmänner, Pfarrer und andere in Sachen Börse völlig ahnungslose Bürger kauften Anteilscheine. Die Trusts erwarben Aktien zu immer höheren Preisen und die gestiegenen Kurse trieben noch mehr Spekulanten in den überhitzten Markt.

Die Investmenttrusts setzten zusehends höhere Kredithebel ein, das Karussell drehte sich schneller und schneller. Die Folgen, als die Blase platzte, kennen wir. Ein dreijähriger schlimmer Kursverfall setzte ein, die im Ausland bis über alle Ohren verschuldeten USA riss die anderen Nationen in eine schwere Depression, die Weltwirtschaftskrise geriet zum Steigbügelhalter der Nazis.

Die Parallelen von damals zu heute sind, zumindest was die Ursachen des Niedergangs anlangt, verblüffend. Die Gier nach dem schnellen Reichtum vernebelte den Akteuren den Blick, damals die explosionsartig anwachsenden Investmenttrusts, heute die mit höchsten Kredithebeln arbeitenden Hedgefonds und der Verbriefungswahnsinn à la Subprime.

Wie gut, dass die US-Notenbank einen Boss hat, der als Wissenschaftler die große Depression von 1929 intensiv studierte. Den Fehler von damals, die Märkte austrocknen zu lassen, wolle er auf gar keinen Fall wiederholen, so das Credo von Ben Bernanke. Und so kommt es, dass er und die Notenbanken der Welt die Märkte exzessiv mit Liquidität versorgen, um 1929 nicht zu wiederholen. Bernanke sagte schon vor sechs Jahren, notfalls müsse die Notenbank Geld aus dem Hubschrauber werfen, um die Wirtschaft zu retten. Genau das geschieht derzeit. Der Mann traut sich was. Trotz der damit verbundenen Inflationsgefahr glaube ich, spätestens seit der Rettung des amerikanischen Brokerhauses Bear Stearns, dass die Therapie greift.
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