ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2008Unklare obere Einflussstauung beim Mammakarzinom: Therapieempfehlungen zu weitgehend
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LNSLNS Aus praktischer und kostenmäßiger Sicht sind die ausgesprochenen Empfehlungen viel zu weitgehend und nicht mehr aktuell. In Anbetracht der bei Subclavia- beziehungsweise Armvenenthrombosen extrem niedrigen Inzidenz von klinisch relevanten Lungenembolien oder postthrombotischen Syndromen kann eine Indikation zu einer oralen Antikoagulation über sechs Monate in Anbetracht der zumindest relativen Kontraindikationen bei meist fortgeschrittenem Tumorleiden nicht gestellt werden. Hierzu gibt es in der Literatur keine Evidenz, eine Übertragung von an Beinvenenthrombosen erhobenen Daten ist nicht zulässig. Auch die Empfehlung zur operativen Explantation eines nicht infizierten und noch funktionierenden Portkatheters ist falsch beziehungsweise kann nicht ausreichend begründet werden. Zumindest steht einer nicht gegebenen Evidenz zur Explantation das Risiko einer Lungenembolieauslösung oder Thromboseverschlimmerung durch einen weiteren operativen Eingriff im Thrombosebereich gegenüber. Die Indikation zur routinemäßigen Portkatheterspülung eines nicht gebrauchten Ports ist bei den modernen Systemen nicht gegeben, da der theoretischen Möglichkeit der Infektionsauslösung eine nicht gesicherte Evidenz zur Sinnhaftigkeit der Spülung und Heparinisierung gegenüber steht. Die diesbezüglichen Literaturangaben beziehen sich auf über zehn Jahre alte Daten und sind nicht auf moderne Systeme übertragbar. Bei über 25-jähriger Berufserfahrung an einer hämatoonkologischen Maximalversorgungsabteilung und in einer onkologischen Schwerpunktpraxis hat sich bei Verzicht auf die angesprochenen Empfehlungen keine Häufung von Portkomplikationen ergeben.

Eine portbedingte Lungenembolie oder ein wirklich relevantes postthrombotisches Syndrom habe ich auch ohne orale Antikoagulation überhaupt noch nicht gesehen, die tumorbedingt hohe Inzidenz von Lungenembolien ist portunabhängig. Wir haben die Indikation zur Explantation eines nicht infizierten und noch funktionsfähigen Portsystems bisher nicht gestellt und haben damit beste Erfahrungen gemacht. Eine Behandlung mit niedermolekularen Heparinen über circa 3 bis 4 Wochen erscheint ausreichend. DOI: 10.3238/arztebl.2008.0293a

Dr. med. Manfred Reeb
Onkologische Schwerpunktgemeinschaftspraxis
Kaiserslautern
Schneiderstraße 12, 67655 Kaiserslautern
E-Mail: manfred.reeb@t-online.de

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