ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2008Mindestmengen: BÄK sieht Nutzen nicht belegt

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Mindestmengen: BÄK sieht Nutzen nicht belegt

Dtsch Arztebl 2008; 105(15): A-760 / B-664 / C-652

Rabbata, Samir

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Bessere Qualität bei Knie-TEPs durch Mindestmengen? Ja – sagt der Gemeinsame Bundes­aus­schuss. Die Bundesärztekammer sieht das anders. Foto: picture-alliance/Okapia
Bessere Qualität bei Knie-TEPs durch Mindestmengen? Ja – sagt der Gemeinsame Bundes­aus­schuss. Die Bundes­ärzte­kammer sieht das anders. Foto: picture-alliance/Okapia
Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hat die Stellungnahme des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) zur Mindestmengenbegleitforschung bei Kniegelenk-Totalendoprothesen-Operationen (Knie-TEPs) kritisiert. „Der G-BA hat durch seine öffentlichen Verlautbarungen zur Mindestmengenbegleitforschung bei Knie-TEP-Operationen einen falschen Eindruck entstehen lassen. Die Studienergebnisse zeigen, dass auch kleine Kliniken trotz niedriger Fallzahl besser geworden sind. Auch wenn Krankenhäuser mit der Fallzahl unterhalb der Mindestmenge bleiben, können sie gute Qualität vergleichbar den größeren Kliniken gewährleisten“, erklärte Dr. med. Günther Jonitz, Vorsitzender der Qualitätssicherungsgremien der BÄK.

Der G-BA hatte Mitte März erklärt, dass Krankenhäuser, die bei der Kniegelenk-Totalendoprothesen-Operation eine Mindestmenge von 50 Eingriffen pro Jahr erfüllten, eine deutlich bessere Behandlungsqualität aufwiesen als Krankenhäuser, die diese Operation weniger häufig vornähmen. Der Ausschuss stützte sich dabei auf Ergebnisse der von ihm in Auftrag gegebenen Mindestmengenbegleitforschung.

Auch Forschungsleiter Prof. Dr. Max Geraedts hat die „verkürzte Darstellung“ der Studienergebnisse durch den G-BA kritisiert. Dem müsse widersprochen werden, sagte er gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Jonitz wies darauf hin, dass sich der G-BA nur auf ein einzelnes Teilergebnis, nämlich die Häufigkeit postoperativer Wundinfektionen bei Knie-TEPs, bezogen habe. Erfreulicherweise sei hier tatsächlich die Rate der postoperativen Wundinfektionen zurückgegangen – jedoch auch schon vor Einführung der Mindestmenge. „Dass weniger Wundinfektionen aufgetreten sind, fand man gleichermaßen in kleinen wie größeren Krankenhäusern. Gerade in den Krankenhäusern, welche unterhalb der Knie-TEP-Mindestmenge lagen, war der Rückgang der Wundinfektionen vergleichsweise sogar stärker ausgeprägt. Deshalb ist es auch mehr als fragwürdig, diese Qualitätsverbesserung ursächlich auf die Einführung der Mindestmenge zurückzuführen“, sagte Jonitz. SR
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