ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2008Medizinstudium: Hoppe fordert stärkere Patientenorientierung

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Medizinstudium: Hoppe fordert stärkere Patientenorientierung

Dtsch Arztebl 2008; 105(15): A-764

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Mehr Kontakt zu Leichen als zu Patienten: Besonders in den ersten Semestern haben die Studierenden kaum mit Kranken zu tun. Foto: ddp
Mehr Kontakt zu Leichen als zu Patienten: Besonders in den ersten Semestern haben die Studierenden kaum mit Kranken zu tun. Foto: ddp
Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, hat eine grundlegende Reform des Medizinstudiums gefordert. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ plädierte er für eine stärker patientenorientierte Ausbildung an den Universitäten. „Es müssen vorrangig jene ausgesucht werden, die ihre Berufung in der Krankenversorgung sehen.“ Finanzielle Anreize reichten gegen den Mangel an Ärzten nicht aus.

Von den Absolventen des Medizinstudiums gehe etwa ein Viertel dem klassischen Arztberuf verloren, sagte Hoppe. Medizin werde als Grundstudium verwendet. Aufbau- oder Parallelstudiengänge ermöglichten andere Tätigkeiten, etwa in Consulting-Unternehmen. Andere junge Ärzte wanderten nach ihrer Anerkennung als Facharzt ab – beispielsweise zum Medizinischen Dienst der Krankenkassen, zur privaten Kran­ken­ver­siche­rung, in die Pharmaindustrie oder in die Informationstechnologie. „Sie alle fehlen in der Patientenversorgung“, teilte Hoppe mit.

Des Weiteren nannte er es fraglich, ob die Auswahl der Studierenden nach dem Abiturnotendurchschnitt noch richtig sei. „Der Denkprozess, der im Medizinstudium gefordert wird, hat eher damit zu tun, Rätsel zu lösen“, so Hoppe. Schriftliche Prüfungen seien zwar zurückgefahren und teilweise durch mündliche ersetzt worden, sie bildeten aber noch immer das Rückgrat des Prüfungssystems.

Kritisch bewertete Hoppe Überlegungen, andere Berufe für die Patientenversorgung zu qualifizieren. Wenn sie Tätigkeiten übernähmen, die bisher Ärzten vorbehalten seien, werde damit der Facharztstand infrage gestellt. ddp
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