ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2008Patientensicherheit: Die Aktion kommt spät
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. . . Wer hat in den letzten Jahrzehnten gepennt? 2004 musste ich meine 97-jährige Mutter wegen akuter schwerer Atemnot bei Herzklappenfehler in ein Klinikum an ihrem Wohnort bringen. Nach Absaugen des Pleuraergusses ging es ihr wesentlich besser. Leider war unter extremem Stress der Blutzucker bestimmt worden, was zwangsläufig zur Behandlung mit Glibenclamid führte. Bei der Einführung von Glibenclamid war noch bekannt, dass es wegen der lang andauernden Hypoglykämien mit Vorsicht verwendet werden muss. Meine Mutter brauchte schon in der Nacht Glucoseinfusionen, trotzdem erhielt sie am nächsten Morgen die vorgesehene Dosis Glibenclamid. Der Oberarzt, inzwischen irgendwo Chefarzt, redete sich damit heraus, dass man am Morgen bei der Medikamentenausgabe noch nicht wissen könne, was in der Nacht passiert sei. Meine Mutter hat es überlebt. Der Hausarzt meiner Mutter hat nie einen Arztbrief des Klinikums darüber erhalten! Wenn mir das früher als Stationsarzt auf einer meiner Stationen passiert wäre, wäre ich aus Scham in Grund und Boden versunken. Wir hatten es aber auch leichter, wir hatten kompetente Stationsschwestern, die uns vor so einer Blamage verschont hätten. Bei Visiten sehe ich immer nur Ärzte. Zu unseren Zeiten war die Stationsschwester immer dabei und passte auf, dass keine allzu gravierenden Fehler passierten. Sie kannte alle Patienten mit allen Problemen. Wo sind diese kompetenten nicht ärztlichen Helfer geblieben? . . .
Dr. med. Christa Schade, Anne-Frank-Straße 2, 65197 Wiesbaden
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