ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2008Zitat der Woche: Sprachliche Entgleisung
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Nun also wissen wir endlich, was unsere Pflicht ist. Ironisch oder nicht, Pflicht ist Pflicht. Und schon gar, wenn sie von der Krankenkasse verordnet wird, der nächste Regress oder ein ähnliches Ärgernis steht ins Haus. Da ist es doch besser, brav pessimistisch zu sein. Wir Ärzte sind ja so gerne pflichtbesessen. Da gibt es die transfusionspflichtige Blutung; die glykosidpflichtige Herzinsuffizienz (gibt es die wirklich?), den insulinpflichtigen Diabetes, den operationspflichtigen Befund und vieles mehr – bei so vielen Pflichten, mit denen wir uns bemänteln, müssen wir gar nicht mehr verschiedene Möglichkeiten gegeneinander abwägen. Und der Patient hat sich nur noch reinzuschicken, was der „Halbgott in Weiß“ an Pflichten herüberbringt, es sei denn, er ist so pflichtvergessen und widersetzt sich dem. Nein – Pflicht ist etwas anderes. Die hat der Arzt wie jeder andere Mensch auch: sich an Gesetze zu halten, die letztendlich kurz und knapp und majestätisch schon in der Bibel stehen. Zum Pessimismus können die Bedingungen im Gesundheitswesen, an denen auch die Kassenvertreter ihren Anteil haben, schon verleiten. Eine sprachliche Entgleisung, in welchem Zusammenhang auch immer geäußert, ist das Zitat allemal. Sich an die eigentlichen Pflichten zu erinnern, vermag den Pessimismus in Grenzen zu halten.
Dr. med. habil. Eckart Wunderlich, Friedrichstraße 39, 01067 Dresden
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