ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2008Urologie: Solide Technikgeschichte

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Urologie: Solide Technikgeschichte

Dtsch Arztebl 2008; 105(15): A-788 / B-687 / C-675

Jütte, Robert

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LNSLNS „Es ist ein althergebrachter Glaube, dass die Urologie nur mit Männern zu tun hat. Dem muss man entgegentreten“, erklärte ein Wiener Gynäkologe auf dem 1. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (1907). Doch bis 1975 waren die Urologen (bis in die 90er-Jahre auch hinsichtlich der Fachvertreter eine Männerdomäne) die Ansprechpartner für „Männerkrankheiten“. Wer sich informieren will, wie sich dieses Fachgebiet, das seinen Namen aus der traditionellen Urinschau bezog, in den letzten Jahrhunderten in Deutschland entwickelt hat, dem wird in diesem Band vor allem eine solide, hervorragend bebilderte Technikgeschichte geboten.

Der Blickwinkel ist der einer Geschichte des Fortschritts – wie sollte es auch anders sein angesichts der Tatsache, dass alle Autoren keine professionellen Medizinhistoriker sind. Diese Experten sind offenbar nicht einmal als Leser erwünscht, wie man dem Vorwort entnehmen kann. Doch gilt die Qualitätssicherung etwa nur für die medizinische Praxis? Andere Fachgesellschaften haben dagegen ihre Geschichte unter Beteiligung von Medizinhistorikern aufarbeiten lassen. So wundert es auch nicht, dass die Geschichte der eigenen Fachgesellschaft in diesem Fall nicht kritisch reflektiert wird. Nur an einer Stelle wenigstens wird Bedauern darüber geäußert, was jüdischen Urologen während des Nationalsozialismus widerfahren ist, doch die „Wiedergutmachung“ beschränkt sich auf die Nennung einiger berühmter Fachvertreter. Im Kapitel über die Geschichte der Fachkongresse heißt es dazu lapidar: „Das Schicksal der weniger prominenten Urologen [. . .], denen die Approbation entzogen wurde, die Kassenzulassung gekündigt wurde, die deportiert und ermordet wurden, ist nahezu vollständig unbekannt.“

Der Rückblick auf das hundertjährige Bestehen einer Fachgesellschaft hätte eine ausgezeichnete Gelegenheit geboten, dieses dunkle Kapitel gebührend aufzuarbeiten. Als Vorbild hätte sich Eduard Seidlers Standardwerk zur Geschichte der jüdischen Kinderärzte zwischen 1933 und 1945 geeignet. Robert Jütte
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