ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2008Öffentlicher Gesundheitsdienst: Nachwuchs nicht in Sicht

POLITIK

Öffentlicher Gesundheitsdienst: Nachwuchs nicht in Sicht

PP 7, Ausgabe April 2008, Seite 155

Richter-Kuhlmann, Eva

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LNSLNS Eine Umfrage in Sachsen zeigt: Besonders in Ostdeutschland ist der öffentliche Gesundheitsdienst vom Ärztemangel betroffen.

Mehr als 41 000 Ärztinnen und Ärzte werden nach Berechnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) in den kommenden fünf Jahren in den Ruhestand gehen. Ausreichender Nachwuchs ist nicht in Sicht, weder in der ambulanten noch in der stationären Versorgung – und schon gar nicht im öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD). Besonders betroffen ist Ostdeutschland. So konnten beispielsweise in Sachsen in den vergangenen zwei Jahren für mehr als die Hälfte der ausgeschriebenen Stellen keine Ärztinnen und Ärzte mehr gefunden werden. Einer Analyse von 2007 zufolge ließen sich von 44 ausgeschriebenen Arztstellen auf dem Land und in den Städten jeweils nur zehn Stellen (37 und 55 Prozent) besetzen. „Unser Problem ist nicht die Streichung von Arztstellen, sondern deren Wiederbesetzung nach dem Ausscheiden von älteren Kollegen“, erklärt Dr. med. Regine Krause-Döring, Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen der Ärzte und Zahnärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes.

Versorgungsprobleme drohen
Die seit 2002 kontinuierlich erfassten Daten des sächsischen ÖGD verdeutlichen die Misere: 73 Prozent der Gesundheitsämter verzeichneten in den letzten sechs Jahren einen deutlichen Personalabbau, der nicht mit sinkenden Einwohnerzahlen zu begründen ist. Besonders betroffen sind die ländlichen Gebiete. Aber auch in den Städten schwankt der Abbau der Umfrage von 2007 in Sachsen zufolge zwischen 16 und 64 Prozent. „In 21 sächsischen Landkreisen und drei Städten werden zu wenig Stellen vorgehalten. Lediglich in vier städtischen Gesundheitsämtern stehen ausreichend Ärzte zur Verfügung“, sagt Krause-Döring. Teilweise bekämen die Ämter bereits Probleme, ihre Pflichtaufgaben zu erfüllen. „Derzeit wird jedes Kind von unseren Kinder- und Jugendärzten viermal untersucht. Das wird möglicherweise bald nicht mehr zu bewältigen sein“, bedauert Krause-Döring.

Anreize: Geld und Flexibilität
Als Gründe für die Nichtbesetzung von ÖGD-Stellen nennt Krause-Döring mangelnde Bewerbungen, eine inadäquate Bezahlung sowie geringe Aufstiegschancen. „Dabei hat sich gezeigt, dass sich bei adäquater Bezahlung durchaus Kollegen für den ÖGD entscheiden“, sagt Krause-Döring. Während die Ärzte in den meisten Ämtern nach dem Tarifvertrag öffentlicher Dienst bezahlt würden, seien in zwei sächsischen Ämtern übertarifliche Vergütungen in Form von Zulagen ausgehandelt worden. Ergebnis: „Beide Stellen konnten besetzt werden.“ Als weiteren Lösungsansatz neben einer besseren Bezahlung nennt Krause-Döring die Möglichkeit, den Dienst im öffentlichen Gesundheitsdienst mit kurativer Tätigkeit zu koppeln.

In den westlichen Bundesländern ist der ÖGD weniger vom Ärztemangel betroffen. Dort seien noch viele Ärztinnen und Ärzte Beamte und erhielten eine bessere Vergütung, erklärt Krause-Döring, die auch Mitglied im erweiterten Bundesvorstand des öffentlichen Gesundheitsdienstes ist. Spürbar sei der Nachwuchsmangel jedoch auch dort.
Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann
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