ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2008Computerspiel: Unterstützung der Psychotherapie

Referiert

Computerspiel: Unterstützung der Psychotherapie

PP 7, Ausgabe April 2008, Seite 176

MS

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Am Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich wurde eine psychotherapeutische Software entwickelt, die bald auch zum Verkauf angeboten werden soll. Es handelt sich um ein Spiel mit dem Titel „Schatzsuche“ oder „Treasure Hunt“, das auf lerntheoretischen Grundlagen aufgebaut ist und sich an neun- bis 13-jährige Kinder richtet, die wegen unterschiedlicher Indikationen in verhaltenstherapeutischer Behandlung sind. Das Spiel findet auf einem alten Segelboot statt. Der Kapitän des Schiffs braucht das Kind, um eine Schatzkarte zu entziffern. Dazu muss es verschiedene Aufgaben im Schiff lösen. Sind jeweils alle Aufgaben einer Gruppe gelöst, gewinnt das Kind einen Seestern, den es in der Schatzkarte einsetzen kann. Dadurch wird diese lesbar, und Kind und Kapitän erhalten weitere Anweisungen, wo sie nach dem Schatz suchen müssen. Der Schiffspapagei verkörpert das Hilfe-Menü und steht dem Kind mit Rat und Tat zur Seite. Hat das Kind alle Aufgaben gelöst, werden die wichtigsten Inhalte des Spiels noch einmal wiederholt. Schließlich erhält das Kind eine Urkunde, in der die Inhalte zusammengefasst sind. Die Erläuterungen des Kapitäns zu den einzelnen Aufgaben sind bewusst kurz gehalten, da das Spiel die Behandlung unterstützen soll, indem Kinder wichtiges therapeutisches Wissen spielerisch lernen und einüben können, zum Beispiel in Form elektronischer Hausaufgaben. Das Kind kann so zu Hause die Themen, die es mit dem Therapeuten in der Sitzung bearbeitet hat, wiederholen und einüben. Es soll nicht das ganze Spiel erhalten, sondern jeweils eine Aufgabengruppe, entsprechend den Themen, die in der Therapiesitzung behandelt wurden. Alternativ kann der Therapeut in der Sitzung jeweils eine Aufgabengruppe zusammen mit dem Kind durchspielen, um so anhand des Spiels verhaltenstherapeutische Konzepte zu erläutern (zum Beispiel: Was sind hilfreiche und wenig hilfreiche Gedanken?).

Für die Lösung einer Aufgabengruppe werden maximal 20 Minuten benötigt.

Das Spiel wurde bisher noch nicht evaluiert, da noch keine professionelle Version zur Verfügung steht. Auch zur Indikation können noch keine Angaben gemacht werden, es eignet sich aber vermutlich zur verhaltenstherapeutischen Behandlung von Ängsten, Depressionen, internalisierenden Störungen und aggressiv-dissozialem Verhalten.

Computerspiele wie „Schatzsuche“ zählen zu den sogenannten serious games, die im Gegensatz zu vielen kommerziellen Computerspielen keine schädlichen Auswirkungen auf den Nutzer haben. Die Autorin warnt jedoch davor, Kinder das Spiel unbeaufsichtigt und zur Eigentherapie spielen zu lassen. Sie schreibt: „Das muss auf eine Enttäuschung hinauslaufen, denn das Spiel kann die Arbeit des Psychotherapeuten nicht ersetzen.“ Die Frage, wem das Spiel zugänglich gemacht werden soll, ist bisher noch offen. Nach Meinung der Autorin sollte das Spiel nur ausgebildeten Fachpersonen zur Verfügung stehen, um eine Inflation der darin verwendeten, therapeutischen Konzepte im Sinne einer „Verhaltenstherapie light“ zu verhindern. ms

Brezinka V: Schatzsuche – ein Computerspiel zur Unterstützung der kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlung von Kindern. Verhaltenstherapie 2007; 4: 191–4.
Dr. Dr. Veronika Brezinka, Psychopathologie des Kindes- und Jugendalters, Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Zürich, Neptunstraße 60, CH-8032 Zürich, E-Mail: veronika.brezinka@ppkj.uzh.ch
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema