ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2008Entwicklungspsychiatrie: Konzept und Ansatz überzeugen

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Entwicklungspsychiatrie: Konzept und Ansatz überzeugen

PP 7, Ausgabe April 2008, Seite 179

Koch, Joachim

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Nach nur fünf Jahren sind sämtliche Kapitel des Werks, das den Status eines Standardwerks erlangt, überarbeitet worden, und das Buch hat eine thematische Erweiterung erfahren. Die „tragende Idee“, wie die Herausgeber in ihrem Vorwort erklären, ist geblieben: Psychische Störungen werden unter dem Aspekt der Entwicklung betrachtet, und das klinische Wissen wird zusammen mit grundlagenwissenschaftlichen Ausführungen in einem Band dargestellt.

Neu sind Grundlagenkapitel zur Psychiatrie des Säuglings- und Kleinkindalters, zur vorgeburtlichen Entwicklung, zu den Regulationsstörungen, zur Emotionspsychologie, zur Kognition und Wahrnehmung sowie zum Riechen und Schmecken. Des Weiteren sind Beiträge zu folgenden Themen neu aufgenommen worden: strafrechtliche Begutachtung, Entwicklungspsychopharmakologie und Methoden der funktionellen Bildgebung. In dem Abschnitt über Erkrankungen und Entwicklungsstörungen fanden folgende Fachthemen Eingang: Adipositas, Schlafstörungen, Tod und Sterben, posttraumatische Belastungsstörungen und psychische Störungen bei pädiatrischen Erkrankungen.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert: Im ersten Teil werden entwicklungsbiologische Grundlagen vermittelt. Nach einem Kapitel über Entwicklungsethologie wird der Entwicklungsaspekt in einzelnen Kapiteln unter einem genetischen, einem neuroanatomischen, einem neuroendokrinologischen und einem neurophysiologischen Aspekt behandelt. Im zweiten Teil werden die Grundlagen körperlicher und psychischer Entwicklung dargelegt. In den einzelnen Kapiteln werden Themen wie vorgeburtliche Entwicklung, Gedächtnisentwicklung, „Theory of Mind“, Temperament und Persönlichkeit oder Elternbindung und Entwicklung des Kindes in Beziehungen behandelt. Im nächsten Teil geht es um entwicklungspsychiatrische Grundlagen psychischer Störungen. In einem grundlegenden Beitrag wird die Bedeutung von Entwicklungsprozessen für die Manifestation psychischer Störungen herausgearbeitet. Weitere Aufsätze beschäftigen sich mit Prinzipien der Vererbung, der Entwicklungspsychotraumatologie sowie mit Risikofaktoren. Nach der Darstellung entwicklungspsychiatrischer Grundlagen von Diagnostik, Klassifikation, Therapie und Ethik wird im fünften Teil des Buchs, der mit fast 600 Seiten der umfangreichste des Bandes ist, der Wissensstand zu kinder- und jugendpsychiatrischen Erkrankungen und Entwicklungsstörungen dargestellt. In 22 Unterkapiteln geht es von Intelligenzminderung über Autismus oder Tic-Störungen bis zu Persönlichkeitsstörungen.

Das Buch bereitet den Wissensstoff didaktisch sehr gut auf und stellt die Inhalte gut verständlich und sehr anschaulich dar. Das Konzept des Buchs und sein interdisziplinärer Ansatz überzeugen, und es kann als ein Meilenstein der kinder- und jugendpsychiatrischen Literatur gesehen werden. Joachim Koch

Beate Herpertz-Dahlmann, Franz Resch, Michael Schulte-Markwort, Andreas Warnke (Hrsg.): Entwicklungspsychiatrie. Biopsychologische Grundlagen und die Entwicklung psychischer Störungen. 2. Auflage. Schattauer, Stuttgart, New York, 2008, 1136 Seiten, gebunden, 129 Euro
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