ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2008Männergesundheit: Historische Perspektive

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Männergesundheit: Historische Perspektive

PP 7, Ausgabe April 2008, Seite 179

Steger, Florian

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LNSLNS Männer wollen attraktiv sein. Sie wollen kraftvoll und leistungsstark berufliche wie private Ziele verfolgen. Dem gegenüber stehen Ängste, diese Ziele nicht mehr erreichen zu können. So verwundert es nicht, dass sich eine regelrechte Männergesundheitsbewegung entwickelt (hat), die über die enge Fokussierung auf Männerkrankheiten hinausgreift. Es geht um eine umfassende Männermedizin. Der Historiker Martin Dinges schreibt seit Langem Männergeschichte. Er präsentiert hier 21 Beiträge aus Geschichte, Soziologie, Psychologie und Medizin, in denen Fragen der Männlichkeit in der Medizin im Mittelpunkt stehen. Dinges setzt sich für eine historische Dimension in der Männergesundheitsdebatte ein, um „die Bedingungen und Chancen des gesundheitsorientierten Handelns von Männern präziser zu situieren“.

Die Autoren präsentieren wichtige Ergebnisse, so beispielsweise, dass die geringere Lebenserwartung von Männern überwiegend soziokulturell und nicht biologisch zu erklären ist oder dass die Arbeit über die Gesundheitsschädigung auch in ihrem Potenzial als Ressource für die Gesundheitswahrung zu sehen ist. Dinges selbst zeigt das interessante Detail, dass in früheren Jahrhunderten die Präsenz männlicher Patienten in ärztlichen Praxen wesentlich höher war als heute. Kritisch zu sehen ist, dass in den Beiträgen schwule Männer kaum Beachtung finden. Dies verwundert in einer Sektion, in deren Mittelpunkt Identitätsfragen männlicher Sozialisation stehen. Aber auch unter „Psychische Gesundheit und Sexualität“ wäre es wichtig gewesen, auf männliche Homosexualität zu blicken. So schreibt Reinhard Lindner über Suizidalität bei Männern, ohne eine Diskussion über die erhöhte Suizidalität unter homosexuellen Männern zu führen.

Männer hatten in der Geschichte schon manchmal mehr Gesundheitsbewusstsein gezeigt. Die Gesundheitsressourcen von Männern stärker in den Blick zu nehmen, wäre in der Tat eine verdienstvolle Aufgabe, zu der auch eine historische Perspektive einen wertvollen Beitrag leisten kann, wie dies der Band beweist. Florian Steger

Martin Dinges (Hrsg.): Männlichkeit und Gesundheit im historischen Wandel ca. 1800 – ca. 2000. Medizin, Gesellschaft und Geschichte, Beiheft 27, Franz Steiner Verlag, Stuttgart, 2007, 398 Seiten, kartoniert, 54 Euro
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