ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2008Ressourcenaktivierung: Verhaltenstherapie im Vordergrund

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Ressourcenaktivierung: Verhaltenstherapie im Vordergrund

PP 7, Ausgabe April 2008, Seite 181

Fangauf, Ulrike

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Der Aktivierung von Ressourcen als einer zentralen Wirkkomponente in der Psychotherapie wird zurzeit viel Aufmerksamkeit geschenkt. Besonders in der postgraduellen Aus- und Fortbildung gewinnt das Thema neben der störungsspezifischen Sichtweise an Bedeutung, im günstigsten Fall ergänzen sich beide Perspektiven innerhalb jeder Behandlung. Unverständlich bleibt daher, warum die Herausgeberin 25 Autorinnen und Autoren für diesen Band ausgewählt hat, die sich nur am Rand und bruchstückhaft auf die erprobten Verfahren der psychodynamischen/tiefenpsychologischen Psychotherapien und ihre Fülle an kreativer ressourcenfördernder Methodik beziehen, wenn sie zum Thema Wohlbefinden schreiben. Stattdessen werden vorwiegend verhaltenstherapeutische Konzepte, kombiniert mit Allerlei (etwa Sozialkonstruktivismus, Yoga, Meditation, Feldenkrais-Pädagogik und Techniken anderer Therapieverfahren), dargestellt, begründet und Forschungsergebnisse beschrieben.

Das optisch sehr schön gestaltete und didaktisch klar aufgebaute Buch ist in fünf Abschnitte gegliedert. Im ersten Teil stellt die Herausgeberin das Konzept des Buchs, Theorien und Literatur vor, der zweite Teil widmet sich einigen „Therapieansätzen“, die Wohlbefinden und die Förderung von Ressourcen zum Ziel haben. Es geht dabei um Fragen individueller, familiärer und gesellschaftlicher Bedingungen, Resilienz und Salutogenese, um Werte wie Achtsamkeit, die therapeutische Beziehung, die Bedeutung des Glücks. Der dritte Teil stellt konkrete Interventionen vor, die das Wohlbefinden fördern sollen, etwa ein Programm zur Selbstregulation, zum Genießen, die Freuden-Biografie, Stresspräventionstraining für Paare, Identitätsstärkung. Hier zeigt sich eine Vielfalt an Ideen, wie es im Verlauf der Psychotherapie gelingt, nicht nur die dunkle Seite der Probleme zu sehen, sondern auch menschliche Fähigkeiten und Stärken im Hinblick auf seelische Gesundheit zu fördern. Im vierten Teil befassen sich zwei Autoren mit dem Wohlbefinden in der Jugend und im Alter, während der fünfte Teil uns über die Neuroanatomie und Biochemie des Wohlbefindens informiert.

Das Vielautorenbuch regt durchaus dazu an, Ressourcenaktivierung von Anfang an in der Psychotherapie mitzudenken, sich und den Patienten Zeit zu widmen für die Themen Freude, Glück, eigene Stärken und optimistische Zukunftsgestaltung. Beim Lesen Wohlbefinden spüren werden aber vor allem Verhaltenstherapeuten. Ulrike Fangauf

Renate Frank (Hrsg.): Therapieziel Wohlbefinden. Ressourcen aktivieren in der Psychotherapie. Springer Medizin, Heidelberg, 2007, 298 Seiten, kartoniert, 34,95 Euro
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