ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2008Tarifabschluss für die Ärzte an Kommunalen Krankenhäusern: Einigung mit Augenmaß

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Tarifabschluss für die Ärzte an Kommunalen Krankenhäusern: Einigung mit Augenmaß

Flintrop, Jens

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LNSLNS Die Gehälter der Ärztinnen und Ärzte steigen rückwirkend zum 1. April 2008 um durchschnittlich rund vier Prozent und zum 1. Januar 2009 um weitere 3,8 Prozent.

Am Ende war es wohl die Arbeitgeberseite, die etwas mehr von ihren ursprünglichen Vorstellungen abrücken musste – zu groß war die Sorge vor neuen Ärztestreiks und dadurch drohenden massiven Einnahmeausfällen für die rund 700 kommunalen Krankenhäuser. 26 Stunden hatten die Delegationen der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) und des Marburger Bundes (MB) am 7. und 8. April noch einmal in Wiesbaden verhandelt, bevor die Einigung zustande kam. VKA-Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann sprach denn auch von einem „schmerzhaften Kompromiss“. Der Abschluss verursache über die Laufzeit von 24 Monaten Mehrkosten in Höhe von 300 Millionen Euro in den kommunalen Krankenhäusern. „Der MB hat mit diesem Verhandlungsergebnis einen Erfolg für die 55 000 Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Kliniken erzielt“, betonte hingegen Lutz Hammerschlag, Verhandlungsführer auf Ärzteseite.

Der Tarifabschluss für die Ärzte an kommunalen Krankenhäusern im Einzelnen:
- Die Entgeltsteigerungen rückwirkend zum 1. April 2008 fallen je nach Entgeltgruppe und Entwicklungsstufe unterschiedlich hoch aus (siehe Tabelle). Im Durchschnitt steigen die Gehälter um vier Prozent. Zum 1. Januar 2009 folgt dann eine einheitliche lineare Anhebung für alle Ärzte um 3,8 Prozent.
- Rückwirkend zum 1. April erfolgt im Tarifgebiet Ost die volle Anpassung an das Tarifgebiet West.
- Die Verweildauern der Fachärzte in den Stufen 3 und 4 werden ab 2009 auf jeweils 24 Monate verkürzt (bisher 48 beziehungsweise 60 Monate). Die betroffenen Fachärzte rücken also schneller als bisher in die nächsthöhere Entgeltstufe.
- Es gibt keine Erhöhung der regulären Arbeitszeit für die Ärzte. Die VKA hatte die Wochenarbeitszeit ursprünglich um 1,5 Stunden auf 41,5 Stunden erhöhen wollen.
- Auch der von den Klinikarbeitgebern angestrebte Einstieg in eine leistungsorientierte Vergütung für Ärzte wird vorerst nicht kommen. Vereinbart wurde lediglich, dieses Thema bis zur nächsten Tarifrunde „ergebnisoffen“ in einer Arbeitsgruppe zu erörtern.

Unter dem Strich hat der MB lediglich bei den Gehaltssteigerungen zurückstecken müssen: Statt der geforderten 10,19 Prozent mehr im Durchschnitt über alle Entgeltgruppen, sind es nun „nur“ knapp acht Prozent (wenn auch gestreckt über zwei Jahre). Als Erfolg für sich verbuchen kann die Gewerkschaft demgegenüber, dass sie den Versuch der Arbeitgeber abwehren konnte, die Wochenarbeitszeit zu verlängern. Zwar arbeiten die meisten Klinikärzte ohnehin deutlich mehr als 40 Stunden je Woche, aber ab der 41. Stunde muss eben jede Stunde Mehrarbeit als Überstunde vergütet werden (was immer noch nicht überall geschieht).

Überfällig war die von den Ärzten geforderte Angleichung der Gehälter in den alten und den neuen Bundesländern. Mit der Verkürzung der Verweildauern für Fachärzte in den Stufen 3 und 4 wurde zudem eine Regelung im alten System geändert, die für Unmut gesorgt hatte.
Jens Flintrop

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