ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2008Amalgam-Studie ohne eindeutige Ergebnisse

AKTUELL: Akut

Amalgam-Studie ohne eindeutige Ergebnisse

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Seit vielen Jahren wird von Forschung und Medien das Schädigungspotenzial von Amalgam in der Zahnmedizin kontrovers diskutiert; Berichte von Patienten, die über Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Depressionen, Müdigkeit und Sehstörungen, klagen, reißen nicht ab. Ob und wie schädlich Amalgam wirklich ist, kann allerdings auch nach Abschluss der zwölf Jahre dauernden „German Amalgam Study“ (GAT) nicht eindeutig beantwortet werden.

Vor dem Hintergrund eines Gerichtsverfahrens gegen die Firma Degussa hat der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft im Jahr 1996 das Zentrum für naturheilkundliche Forschung am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München mit der Durchführung der interdisziplinären Amalgam-Studie beauftragt, das Schädigungspotenzial von Amalgam, die diagnostischen Möglichkeiten sowie geeignete Therapien zu erforschen. Hinsichtlich des In-vitro-Effekts auf verschiedene Zelltypen zeigte sich, dass Monozyten insbesondere gegenüber geringen Dosen von Quecksilber unempfindlicher waren als Lymphozyten. Zudem stellte man fest, dass sich Zellen nach einer Amalgamexposition weniger gut auf Stresssituationen wie Fieber oder Umweltgifte einstellen.

Entfernung lindert subjektive Beschwerden nicht
Ein weiteres Teilprojekt widmete sich den diagnostischen Möglichkeiten. Hier zeigte sich, dass die gängigen Testverfahren nicht unterscheiden können zwischen Probanden mit und ohne Amalgambeschwerden und solchen, die ganz frei von Amalgam sind. Eine Ausnahme bildet die toxikologische Messung von Quecksilber in Speichel und Blut, die zumindest zwischen Amalgamträgern und amalgamfreien Probanden eindeutig differenziert.

Ein Vergleich der verschiedenen Therapiemöglichkeiten für subjektiv amalgamgeschädigte Patienten war für die Forscher überraschend: Einerseits führt die Entfernung der Amalgamfüllungen tatsächlich zu deutlich niedrigeren Quecksilberwerten in Speichel und Blut und auch zu einer klinisch relevanten Verbesserung der subjektiven Beschwerden. Ob eine zusätzliche komplementärmedizinische Ausleitungstherapie durchgeführt wird oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Andererseits brachte ein spezielles Gesundheitstraining den Betroffenen eine ähnlich positive Linderung ihrer Beschwerden, auch wenn sich die gemessenen Quecksilberwerte dadurch natürlich nicht veränderten. zyl
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