ArchivDeutsches Ärzteblatt16/20083 Fragen an… Dr. rer. nat. Jörg Hacker, Präsident des Robert-Koch-Instituts

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3 Fragen an… Dr. rer. nat. Jörg Hacker, Präsident des Robert-Koch-Instituts

Dtsch Arztebl 2008; 105(16): A-820 / B-714 / C-702

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Foto: Reinhilde Merkert/RKI
Foto: Reinhilde Merkert/RKI
Herr Prof. Hacker, Sie fordern, die Forschung zum Thema Klimawandel und Gesundheit zu stärken. Was müsste vordringlich geschehen, und was kann das RKI beitragen?
Prof. Hacker: Man muss Schwerpunkte setzen. Infektionskrankheiten sind ein großes Thema, aber auch nicht übertragbare Krankheiten spielen eine Rolle, beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Hautkrebs. Hier gibt es eine Überlappung, da wir es in Industrienationen mit einer älter werdenden Gesellschaft zu tun haben. Das heißt: Wenn beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehäuft auftreten, dann muss das nicht allein eine Folge des Klimawandels sein. Es kann auch daraus resultieren, dass weitere Risikofaktoren wie Übergewicht oder Bewegungsmangel stärker verbreitet sind.
Für das RKI sind die Infektionskrankheiten ein Schwerpunkt. Wir untersuchen beispielsweise die Ausbreitung von Infektionserregern. Da müssen wir noch mehr machen, so zur Verbreitung von Vektoren und zum möglichen Eindringen neuer Erreger nach Deutschland. Es gibt Bereiche, beispielsweise Darm­er­krank­ungen, da ist der Wissensbedarf noch groß.

Ende 2006 wurde das Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung beim Unweltbundesamt gegründet. Kooperieren Sie?
Prof. Hacker: Es gibt einen Informationsaustausch. In den nächsten Wochen treffe ich mich mit Kollegen aus dem Umweltbundesamt. Dann wollen wir über mögliche Projekte sprechen.

In den armen Ländern ist wenig Geld für die Gesundheitsversorgung vorhanden. Gleichzeitig wirkt sich dort der Klimawandel vermutlich in Zukunft viel gravierender auf die Gesundheit aus als bei uns. Lässt sich verhindern, dass es so läuft wie immer: Die reichen Länder können in Forschung, Prävention und Therapie investieren, die armen hingegen nicht – weshalb sie die Folgen noch schwerer treffen?
Prof. Hacker: Es ist so, die tropischen Länder haben wenig Finanzmittel, gleichzeitig werden die Folgen des Klimawandels dort besonders deutlich. Hier spielt die WHO eine Rolle. Denn es gibt aus der Vergangenheit schon Beispiele, dass man gegensteuern will und kann. Denken Sie an die zumindest partielle Bereitstellung von preiswerteren Medikamenten für die HIV/Aids-Behandlung. Aber es muss mehr passieren. Vor allem müssen die Krankheiten, die dort auftreten, wie Malaria oder Durchfallerkrankungen, von uns noch stärker in den Fokus genommen werden, was die Entwicklung von Impfstoffen oder Medikamenten betrifft.
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