ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2008Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation: Bundesweite Versorgung angestrebt

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Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation: Bundesweite Versorgung angestrebt

Dtsch Arztebl 2008; 105(16): A-830 / B-722 / C-710

Richter-Kuhlmann, Eva

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LNSLNS Zeitgleich mit dem Inkrafttreten des neuen Gewebegesetzes gründeten am 1. August 2007 die Medizinische Hochschule Hannover sowie die Universitätskliniken Leipzig und Dresden die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation mbH (DGFG). Sie ist die Nachfolgegesellschaft einer ehemaligen Tochtergesellschaft der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), die für die Koordination der Gewebespende zuständig war (DSO-G). Ziel des unabhängigen, gemeinnützigen Netzwerks ist es, eine „bedarfsgerechte, sichere, transparente sowie kostengünstige Versorgung von Patienten mit Gewebetransplantaten zu gewährleisten“, erklärt der DGFG-Geschäftsführer Martin Börgel (Hannover).

Die neue Gesellschaft bewertet das Gewebegesetz ein halbes Jahr nach dessen Inkrafttreten positiv: „Die Regelungen zu Spendermeldungen, Gewebeherkunft und zur Verwendung waren längst überfällig“, betont der Vizepräsident der Medizinischen Hochschule Hannover, Holger Baumann. Befürchtungen, dass durch das Gesetz weniger gespendet werden könnte, hätten sich bislang nicht erfüllt. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr allein aus Banken des DGFG-Netzwerks 1 415 Gewebepräparate transplantiert (siehe Kasten).

Eine Schlüsselrolle bei den Gewebetransplantationen kommt den Universitätskliniken zu. Sie führen große Gewebebanken und transplantieren die meisten Gewebe. „Unser Ziel es, an den Universitätskliniken entwickelte Spendestrukturen in die Fläche zu übertragen, um eine bundesweite Versorgung mit Gewebespenden zu sichern“, sagt Prof. Dr. med. Detlev Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand am Dresdner Universitätsklinikum.

Besonders erfolgreich sei der Aufbau von Spendestrukturen in den neuen Bundesländern. Dort werde durch großes Engagement aller Beteiligten der Bedarf an Spendegeweben bereits weitgehend gedeckt. In Mecklenburg-Vorpommern kommen beispielsweise 140 Spender von Augenhornhäuten auf eine Million Einwohner. „Würde überall so viel gespendet werden, könnte jeder in Deutschland wartende Patient eine Hornhaut bekommen“, meint Börgel.

Noch führt die DGFG kein einheitliches Gewebespenden-Register. Dem Gewebegesetz zufolge müssen jedoch transplantierte Gewebe künftig zentral erfasst und ihre Herkunft genau dokumentiert werden. Alle Kliniken sind angehalten, ihre Gewebespenden und Transplantationen zunächst an das Paul-Ehrlich-Institut zu melden. Im Herbst will die DGFG dann die erste bundesweite Übersicht vorstellen.
Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Zahlen und Fakten zur Gewebespende
- Die DGFG betreute 2007 mehr als 2 500 Gewebespenden, hauptsächlich Augenhornhäute (1 222). Außerhalb des DGFG-Netzwerks werden jährlich etwa 6 000 Augenhornhäute verpflanzt, bei
einem geschätzten Bedarf von 8 000 bis 10 000 jährlich.
- Etwa 30 000 Transplantationen von Knochen, Knorpeln, Sehnen und Faszien erfolgen jährlich in Deutschland. Innerhalb des DGFG-Netzwerks haben 112 Menschen 2007 muskuloskelettales Gewebe gespendet, aus dem mehr als 5 000 Transplantate generiert wurden.
- Circa 150 Herzklappentransplantate werden jährlich in Deutschland verpflanzt; der Bedarf liegt jedoch bei 400. Innerhalb des DGFG-Netzwerks wurden 2007 bundesweit 292 Herzklappen gespendet und 68 transplantiert.
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