ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2008Hausärztemangel: Kein Platz für Hausärzte
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Der bereits bestehende Hausärztemangel wird sich in den nächsten Jahren drastisch ausweiten. Ursachen sind nicht nur die angesprochenen sinkenden Honorare und überbordende Bürokratie, sondern auch andere durch Politik und Krankenkassen vorgegebene Rahmenbedingungen. Hervorgehoben werden muss hier die Haftung des Hausarztes mit Honorar bzw. Vermögen für Budgetüberschreitungen bei verordneten Medikamenten bzw. physiotherapeutischen Leistungen – in dieser Form weltweit wohl einzigartig . . . Der Hausarzt (bzw. jeder Vertragsarzt) soll unter diesen Einschränkungen des Sozialrechts (SGB) dennoch dem Sorgfaltsmaßstab des Privatrechts (BGB) genügen; ein Spagat, der im ärztlichen Alltag nicht zu bewältigen ist . . . Solange die Probleme nicht an der Wurzel gelöst werden, können auch zehn neue Lehrstühle für Allgemeinmedizin nicht viel daran ändern, dass bereits nach dem Studium fast jeder zweite Medizinstudent dem deutschen Gesundheitssystem nicht zur Verfügung steht und eher Hausarzt in England oder Norwegen wird. Dann werden auch weiterhin Landräte und Bürgermeister händeringend umsonst nach Ärzten für die Bevölkerung suchen und nur einige wenige Hausärzte einen Nachfolger für ihre Patienten finden. Es ist angerichtet: Diese Überschrift der Artikelserie kann nicht bedeuten, dass durch Einzelaktionen dem Hausarzt-Sterben abgeholfen wird. Angerichtet ist eher die gewinnorientierte Kommerzialisierung unseres Gesundheitssystems nach amerikanischem Vorbild ohne Platz für Hausärzte.
Dr. med. Achim Spechter, 1. Vorsitzender des Hausarztkreises Passau/
Freyung-Grafenau e.V.,
Dr. med. Maria Domes, 2. Vorsitzende,
Dr. med. Klaus Dietz, 3. Vorsitzender, Bahnhofstraße 16 b, 94032 Passau

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