ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2008Der ungewollte Gewichtsverlust des alten Menschen: Ernährung bei weit fortgeschrittenen Erkrankungen

MEDIZIN: Diskussion

Der ungewollte Gewichtsverlust des alten Menschen: Ernährung bei weit fortgeschrittenen Erkrankungen

The Involuntary Weight Loss of the Elderly:

Dtsch Arztebl 2008; 105(16): 310; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0310a

Gaertner, Jan; Ostgathe, Christoph; Voltz, Raymond

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Autoren weisen in den letzen Abschnitten ihres CME-Artikels darauf hin, dass „die Ernährung über eine PEG-Sonde keine terminale oder gar symbolische Maßnahme bei Patienten mit schlechter Prognose oder unheilbaren Erkrankungen im Endstadium darstellt“. Diesen wichtigen Punkt möchten wir unterstreichen.

Die emotional stark besetzte Maßnahme der Einleitung oder Fortführung einer künstlichen Ernährung wird täglich in unzähligen Behandlungssituationen von Patienten und Angehörigen gefordert. Insbesondere die häufig geäußerte Bitte der Angehörigen, den Patienten „nicht verhungern zu lassen“ bedarf differenzierter Betrachtung.

Unstrittig ist, dass bei sekundärer Kachexie (zum Beispiel tumorbedingter mechanischer oder neurologischer Behinderung des Schluckakts) eine künstliche enterale Ernährung via PEG sinnvoll sein kann. Hungergefühl tritt jedoch bei der viel häufigeren primären Tumorkachexie nicht auf und es fehlt ein positiver Einfluss künstlicher Ernährung auf Lebenszeit und -qualität. Häufig verstärkt diese Maßnahme nur belastende Symptome durch die verursachten Flüssigkeitsverschiebungen (Aszites, Pleuraerguss, Hirnödem etc.).

Ähnliches gilt für fortgeschrittene nicht onkologische Erkrankungen (1). Die künstliche Ernährung ist in diesem Kontext demnach keine ärztliche Pflicht (2).

Mit diesem Leserbrief möchten wir dem letzten wichtigen Absatz der CME-Fortbildung von Löser et al. noch mehr Gewicht verleihen. Damit erhoffen wir uns, die weit verbreitete Unsicherheit bei der Entscheidungsfindung für oder gegen die Einleitung oder Fortführung einer künstlichen Ernährung im Verlauf von fortgeschrittenen Erkrankungen verringern und therapeutische Automatismen verhindern zu können.
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0310a

Dr. med. Jan Gaertner
Dr. med. Christoph Ostgathe
Prof. Dr. med. Raymond Voltz
Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin
Klinikum der Universität zu Köln
Kerpener Straße 42
50924 Köln
1.
Mitchell SL: A 93-year-old man with advanced dementia and eating problems. JAMA 2007; 298: 2527–36.
2.
Bundes­ärzte­kammer: Grundsätze der Bundes­ärzte­kammer zur ärztlichen Sterbebegleitung. Dtsch Arztebl 2004; 101 (19): A 1298–9.
1. Mitchell SL: A 93-year-old man with advanced dementia and eating problems. JAMA 2007; 298: 2527–36.
2. Bundes­ärzte­kammer: Grundsätze der Bundes­ärzte­kammer zur ärztlichen Sterbebegleitung. Dtsch Arztebl 2004; 101 (19): A 1298–9.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige