ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2008Randnotiz: Bittere Pillen

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Randnotiz: Bittere Pillen

Dtsch Arztebl 2008; 105(17): A-859 / B-747 / C-735

Schmedt, Michael

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LNSLNS Das sensorische Empfinden ist in allen Lebenslagen wichtig: Glückliche Paare können sich gut riechen, wir betrachten lieber schöne Menschen und finden sie zudem sympathischer, unsere Kleidung muss mit „Perwoll“ gewaschen sein, weil sie sich dann weich anfühlt. Wenn wir als Schüler die Kreide an der Tafel kratzen hörten, vibrierten die Zähne. Und unsere Geschmacksnerven sind inzwischen vor lauter Kochsendungen so geschult, dass es nicht nur gut, sondern „michelinsternverdächtig“ schmecken muss.

Laut dem „Handelsblatt“ möchte die Pharmaindustrie, die sich wahrscheinlich schon lange den Kopf darüber zerbricht, wie nur das Sprichwort „bittere Pillen schlucken“, im allgemeinen Sprachgebrauch landen konnte, jetzt diesen Trend nutzen. Die Sterneköche für gute Rezepte sind bereits gefunden: die Sensorikforscher. Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass ein fabrikneues Auto auch so riecht, seine Türen „satt“ (sicher) zufallen und die Schokolade auf der Zunge zergeht.

Ein kanadisches Sensorikinstitut untersuchte dem Bericht zufolge, wie man Kindern Schmerzmittel schmackhaft machen kann. Ergebnis: Bonbonartige Pillen wie zum Beispiel „Bubblegum Burst“. Fruchtgeschmack scheint ohnehin der Renner zu sein: MSD-Sharp & Dohme hat eine spezielle Asthma-Kautablette mit Kirscharoma im Sortiment und Bayer Health Care ummantelt den bitteren Wirkstoff Ciprofloxacin mit einem Erdbeeraroma. Über Sinn oder Unsinn dieser Entwicklung lässt sich trefflich streiten. Zu Recht wird aber davor gewarnt, dass Medikamente so schnell zu „Nahrungsmitteln“ werden könnten. Aber wer will schon eine Tablette mit leichtem Nussaroma, umhüllt von einem zarten Selleriemantel zu sich nehmen?
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