ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2008Notfallversorgung: Gezielter Abbau der Pädiatrie

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Notfallversorgung: Gezielter Abbau der Pädiatrie

Dtsch Arztebl 2008; 105(17): A-885 / B-768 / C-756

Gründler, Matthias

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Der Erfahrungsbericht ist primär schockierend, und ich kann die Angst, die Not und den Verdruss sehr gut verstehen. Umso überraschender die Fairness des anonymen Vaters gegenüber den betroffenen Ärzten, Schwestern/Pflegern und den Kliniken . . . Als Fachärzte/Fachärztinnen für Kinder- und Jugendmedizin erleben wir seit Jahren einen schleichenden Abbauprozess unseres Tätigkeitsfeldes. Das beginnt mit gewissen Altersbeschränkungen für spezielle Untersuchungen, Verschiebung von Kompetenzen unserer Fachgruppe in allgemeinmedizinische Hände bis zur Abschaffung rein kinderärztlicher Kenntnisse und Leistungen im neuen EBM 2008. Überall wird gezielt, nicht nur von konkurrierenden Fachgruppen, sondern auch von der Politik, am Ast der Pädiatrie gesägt. Auf der anderen Seite sollen wir seit Kurzem eine Art Wächterfunktion für gefährdete Kinder aus problematischen Familien übernehmen. Die Durchführung der Pflichtvorsorgeuntersuchungen mit Meldung sei als Beispiel genannt. Aber natürlich zum Nulltarif . . . Mit Schrecken beobachten wir Kinderärzte die Entwicklung z. B. in Großbritannien und den Niederlanden. Anscheinend wird auch hier geplant, die ambulante Pädiatrie abzuschaffen und lediglich noch ein paar spezielle Ambulatorien und Kliniken für Kinder aufrechtzuerhalten. Die Statistiken bezüglich der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in den genannten Ländern sind eindeutig miserabel. Eine verantwortungsvolle Gesellschaft kann solch eine Entwicklung nicht wollen oder gutheißen. Zurück zu dem beschriebenen traurigen Fall, der sicher nicht repräsentativ für die kinderärztliche Notfallversorgung in der Bundesrepublik ist und zum Glück gut ausgegangen ist. In einem Ballungsraum wie dem Rhein-Main-Gebiet ist die Notfallversorgung absolut gewährleistet, und die dafür verantwortlichen Personen leisten kompetente Arbeit. In ländlichen Regionen und Regionen mit wenigen Ärzten, Kliniken und Ambulanzen hat die Zukunft mit all ihren negativen Folgen für die Kinder schon begonnen. Lassen Sie uns alle, die mit Kindern zu tun haben, dafür sorgen und daran arbeiten, dass sowohl die Notfallversorgung als auch die alltägliche gesundheitliche Betreuung unserer Kinder nicht zur Disposition stehen! Diese Aufforderung des betroffenen Vaters sollten wir ernst nehmen.

Matthias Gründler, Bürgeler Straße 37, 63075 Offenbach/Main
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