ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2008Notfallversorgung: Versorgungsauftrag nicht erfüllt

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Notfallversorgung: Versorgungsauftrag nicht erfüllt

Dtsch Arztebl 2008; 105(17): A-885 / B-768 / C-756

Eberhardt, Heinrich

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Ich kann den Unmut des Vaters verstehen, und er hat recht. Die kinderärztliche Notfallversorgung in Deutschland ist unzureichend. Ich habe schon häufig von Eltern gehört, die ähnliche Odysseen durchgemacht haben, und das ein oder andere Mal mag ich auch dazu beigetragen haben. Nicht entschuldbar ist es jedenfalls, bei voller Notfallambulanz sich als Arzt nicht einmal kurz Zeit zu nehmen und alle Patienten einmal kurz zu sichten, um nicht echte Notfälle zu übersehen . . . Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hat den Auftrag zur Sicherstellung einer kinderärztlichen Notfallversorgung . . . Das hat zur Folge, dass Krankenhäuser, insbesondere Kinderkliniken, überhaupt keinen notärztlichen Versorgungsauftrag haben und damit auch durch die KV keine Ermächtigung erhalten, die entstandenen Kosten einer Notfallbehandlung abzurechnen, geschweige denn Rezepte auszustellen. Natürlich bieten die meisten Kliniken trotzdem einen Notdienst an, der in irgendeiner Form von den Krankenkassen individuell zu schlechten Konditionen vergütet wird, meist jedoch nicht kostendeckend. Wie der besorgte Vater schon feststellen musste, kommt die KV ihrem Versorgungsauftrag nicht nach. Das zeigt sich auch in der Aussage, dass die ärztliche Notdienstzentrale offensichtlich nicht in der Lage war, das Kind zu untersuchen. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass in den Kliniken in erster Instanz Ärzte in der Weiterbildung (also im Vergleich zu den niedergelassenen Kollegen keine Fachärzte) in der Notfallversorgung arbeiten. Diese können und sollen keine fachärztlichen Entscheidungen treffen. Deswegen ist auch die Durchführung einer Sonografie unter qualitativen Gesichtspunkten in der Regel in der kinderärztlichen Notfallambulanz nicht möglich. In besonderen Fällen kann natürlich der Oberarzt hinzugezogen werden. Dieser muss jedoch erst von zu Hause kommen.
Dr. Heinrich Eberhardt, Kinderkrankenhaus St. Marien, Grillparzerstraße 9, 84036 Landshut
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