ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2008Diabetes: Individueller Schaden der Nutzenbewertung
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Nun liegt auch für die Behandlung Typ-I-diabetischer Patienten die Nutzenbewertung des IQWiG zu kurz wirksamen Insulinanaloga vor . . . Die Anwendung von Humaninsulin sei derjenigen von kurz wirksamen Insulinanaloga grundsätzlich ebenbürtig. Wer jedoch einen Blick in den Abschlussbericht des IQWiG wirft, wird dessen Fazit nicht ohne Weiteres nachvollziehen können. „Sämtliche in die Nutzenbewertung eingeschlossene Studien waren nicht verblindet und wiesen grobe Mängel bezüglich der Studien- und/oder Publikationsqualität auf“, heißt es dort eingangs . . . Der Leser sucht vergeblich nach einer fundierten Basis der Nutzenbewertung. Ich bin Ärztin und als solche nicht blind für die wirtschaftlichen Erwägungen, die einer jeden Therapie heute zugrunde gelegt werden müssen. Ich bin jedoch auch Diabetikerin und weiß um die Folgen, wenn ich nicht mehr auf kurz wirksame Insulinanaloga zurückgreifen könnte. Dabei spreche ich nicht vom HbA1c. Auch nicht von den sonstigen objektivierbaren Messwerten, die sich im Rahmen einer Diabetestherapie und Erfolgskontrolle derselben bieten. Denn es liegt auf der Hand, dass ich mich auch unter erheblich schlechteren Voraussetzungen weiter um eine gute Stoffwechsellage bemühen werde. Aber der Schritt von kurz wirksamen Insulinanaloga zurück zum Humaninsulin würde einen Rückschritt des gesamten Alltagsgeschehens bedeuten. Die kleinen Freiheiten, die sich auf meinem Lebensweg von der CT über die ICT bis hin zur CSII mit zuletzt Analoginsulin erkämpfen ließen, wären zu beachtlichen Teilen wieder hinfällig. Denn der letzte Schritt war für mich im positiven Sinne einer der folgenreichsten. Freiwillig gehe ich ihn nicht zurück. Wieder zurück zu noch mehr Disziplin, noch mehr Verzicht auf Freiheit, noch mehr Verzweiflung. Darüber lese ich im Abschlussbericht des IQWiG nichts. Ich sehe an den dort untersuchten und messbaren Parametern lediglich, dass Diabetiker auch unter suboptimalen Bedingungen Überlebenskünstler sind. Viele von ihnen schaffen es immer wieder, ihren HbA1c im nahezu grünen Bereich zu halten. Ob nun glücklich oder nicht. Es bleibt nur zu hoffen, dass möglichst viele Kollegen in der Diabetologie das zu würdigen wissen und auf die in Aussicht gestellten Ausnahmeregelungen zurückgreifen werden. Falls die gesamte Veranstaltung um die Nutzenbewertung nicht ohnehin eher als Druckmittel gegen die Hersteller zwecks Preissenkung aufgefasst werden darf. Denn die Vorteile der Analoginsuline scheinen mir so offensichtlich . . .
Literatur bei der Verfasserin
Anke Schweitzer, Kornstraße10, 86438 Kissing
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