ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2008Volkswirtschaftslehre: Appetitmacher

KULTUR

Volkswirtschaftslehre: Appetitmacher

Schlander, Michael

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Viele Ärzte begegnen den Wirtschaftswissenschaften mit Misstrauen und Argwohn, scheint es ihnen doch so, als würden allzu leichtfertig theoretische Konzepte ohne Rücksicht auf empirische Forschungsergebnisse und die Einsichten anderer Disziplinen – darunter eben auch der Medizin – in wohlfeile Handlungsempfehlungen umgemünzt.

Aber längst hat sich eine wachsende Anzahl von Ökonomen von der früher vorherrschenden Orientierung am doch eher eindimensionalen Konstrukt eines stets in vollständiger Rationalität seinen Eigennutz optimierenden Homo oeconomicus gelöst. Die resultierende verstärkte Hinwendung zum tatsächlich beobachtbaren Verhalten von Menschen räumt gründlich auf mit manchem theoriegeleiteten Modell.

„Daten statt Dogmen“ – so überschreibt der Kölner Volkswirt Axel Ockenfels ganz folgerichtig seine Einführung in das Buch der beiden für das „Handelsblatt“ tätigen Wirtschaftsjournalisten. Sie sind mehr als „Bilderstürmer“, vielmehr offerieren sie ihren Lesern eine kurzweilige Revue jüngerer Forschungsergebnisse aus der Welt der Wirtschaftswissenschaften und befassen sich dabei mit Themen wie dem unvermeidlichen „Homo oeconomicus“, der wohl ebenso unvermeidlichen Globalisierung, der Effizienz der Finanzmärkte, dem Potenzial der psychologisch inspirierten Glücksökonomie, die Zufriedenheit („Nutzen“) nicht mit der Einkommenshöhe verwechselt, bis hin zu einer ökonomischen Betrachtung des Fußballsports – einschließlich Überlegungen zur Frage, weshalb Schiedsrichter dazu tendieren, Heimmannschaften systematisch zu bevorzugen und was man dagegen unternehmen könnte.

Der Text ist durchgängig mit Referenzen versehen, sodass der interessierte Leser mühelos die Originalpublikationen beschaffen und sich eine eigene Meinung bilden kann.

Das Buch macht Appetit auf ein tieferes Eintauchen in eine der faszinierendsten und zugleich politisch relevantesten Disziplinen. Unnötig zu erwähnen, dass allein die Lektüre des Buches niemanden zum Experten auf dem Gebiet der Volkswirtschaftslehre machen wird – aber die Sinne schärfen wird es allemal.
Michael Schlander

Norbert Häring, Olaf Storbeck: Ökonomie 2.0. 99 überraschende Erkenntnisse. Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart, 2007, 217 Seiten, kartoniert, 14,95 Euro

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