ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2008Implantat: Künstliche Hornhaut

TECHNIK

Implantat: Künstliche Hornhaut

Dtsch Arztebl 2008; 105(17): A-898 / B-778 / C-766

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Im Labor und im Tierversuch bei Kaninchen haben Forscher bereits künstliche Linsen getestet. Foto: Fraunhofer/Volker Steger
Im Labor und im Tierversuch bei Kaninchen haben Forscher bereits künstliche Linsen getestet. Foto: Fraunhofer/Volker Steger
Forscher des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung (www.iap.fraunhofer.de) haben gemeinsam mit Wissenschaftlern der Klinik für Augenheilkunde in Regensburg eine vollständig künstliche Hornhaut entwickelt. Das Projekt Cornea wurde von der Europäischen Union gefördert. Basis der künstlichen Hornhäute ist ein kommerziell erhältliches Polymer, das kein Wasser aufnimmt und auf dem keine Zellen anwachsen. Das Problem bei einer künstlichen Hornhaut besteht darin, einerseits an gewünschten Stellen Zellen wachsen zu lassen, andererseits genau dies zu verhindern. Dazu werden die Implantate selektiv beschichtet, indem auf den Hornhautrand ein spezielles Protein aufgebracht wird, an das die Zellen der natürlichen Hornhaut andocken können. So kann sich das Hornhautimplantat fest mit dem natürlichen Teil der Hornhaut verbinden, wohingegen die Mitte der Hornhaut frei von Zellen und damit klar bleibt. Das Protein muss außerdem die chemisch-thermische Sterilisation der künstlichen Hornhaut unbeschadet überstehen. Eine weitere Anforderung ist die Beschichtung des vorderen optischen Bereichs der Hornhaut. Hierfür wurde eine ultradünne Schicht eines anderen Polymers aufgetragen, die nur sieben Nanometer dünn ist und sich nicht ablösen kann. Das Wasser liebende Polymer erlaubt eine permanente Benetzung mit Tränenflüssigkeit, die Innenseite der künstlichen Hornhaut muss jedoch keimfrei bleiben.

Die künstliche Hornhaut wurde als Implantat bereits erfolgreich in Kaninchenaugen getestet und soll 2008 auch am Menschen klinisch getestet werden. Damit könnte künftig vor allem jenen Menschen geholfen werden, die auf Spenderhornhäute warten. Allein in Europa warten zurzeit rund 40 000 Menschen auf ein Implantat, weil ihre eigene Hornhaut durch angeborene Fehlbildung, vererbte Erkrankungen oder Verätzungen verletzt wurde. Bei solchen Verletzungen droht dem Patienten die Erblindung. Bisher besteht die einzige Therapiemöglichkeit in der Transplantation einer Spenderhornhaut. Dabei wird der zentrale Teil der natürlichen Hornhaut kreisförmig entfernt, die neue Hornhaut eingesetzt und vernäht. EB
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