ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2008Börsebius: Trumpfkarte offene Immobilienfonds

GELDANLAGE

Börsebius: Trumpfkarte offene Immobilienfonds

Dtsch Arztebl 2008; 105(17): A-899 / B-779 / C-767

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Offene Immobilienfonds haben ihre schlechten Zeiten vermutlich schon hinter sich. Wer erinnert sich nicht daran, dass vor gut zwei Jahren einige Fonds geschlossen wurden?! Anteilsverkäufe in Milliardenhöhe führten damals zu ernsten Liquiditätsnöten. Doch mittlerweile denken viele von Aktienverlusten gebeutelte Anleger wieder an ein Engagement in offenen Immobilienfonds, weil sie als deutlich risikoärmer eingeschätzt werden.

Diese Überlegung gewinnt durch die Einführung der Abgeltungsteuer ab dem kommenden Jahreswechsel noch erheblich an Charme.

Doch Vorsicht. Damit die Strategie aufgeht, der Abgeltungsteuer zu entrinnen und Jahre später weiterhin vom Fiskus unberührte Kursgewinne einzuheimsen, sind offene Immobilienfonds noch dieses Jahr zu erwerben. Die Werbung für diese Anlage wird deshalb sicher in den nächsten Monaten anschwellen.

Experten sehen vor allem für offene Immobilienfonds mit einem hohen Auslandsanteil Vorteile, da hier die deutschen Anleger von Doppelbesteuerungsabkommen (mit lokalen geringen Steuern) profitieren. Aber auch die Verkaufserlöse aus deutschen Immobilienobjekten sind (für noch in diesem Jahr gekaufte Fonds) steuerfrei, wenn das Management diese nach Ablauf der zehnjährigen Spekulationsfrist veräußert.

Aber mit dem 2008 auf die offenen Immobilienfonds zukommenden Geldsegen ist gleichermaßen ein Fluch verbunden. Das Management dieser Fonds ist in der Regel gezwungen, die zufließende Liquidität flugs anzulegen und zwar, wie der Name schon sagt, in Immobilien, da Kassehalten nur begrenzt möglich ist. Dieser Anlagezwang kann leicht dazu führen, dass nur 1-b-Ware oder schlechtere erworben wird, da sich – selbst weltweit – die Anzahl der erstklassigen neuen Immobilienprodukte nicht beliebig vermehren lässt. Schließlich darf auch nicht vergessen werden, dass Fonds nicht gleich Fonds ist. Kaufinteressenten schauen sich also vor einer Entscheidung das Rating solcher Häuser an, ein „A“-Rating sollte es schon sein, Adressen mit einem „B“-Rating sind dagegen schon mit etwas mehr Vorsicht zu genießen. Darüber hinaus sollte der Anlageschwerpunkt des favorisierten Fonds global oder zumindest europaweit ausgerichtet sein. Eine breite geografische Diversifikation schützt den Fonds vor unliebsamen Krisen in einzelnen Ländern, wie etwa dem US-Subprime-Debakel.

So ist das eben mit einzelnen Trumpfkarten, sie können wenig wert sein, aber auch viel, es kommt immer auf das gesamte Blatt und auch auf die übrigen Spieler an. Offene Immobilienfonds ja, aber nicht alles auf diese eine Karte setzen kann daher nur die einzig richtige Strategie sein.
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