ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 2/2008Telerehabilitation: Sensoren helfen beim Training

Supplement: PRAXiS

Telerehabilitation: Sensoren helfen beim Training

Dtsch Arztebl 2008; 105(18): [24]

Krüger-Brand, Heike E.

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Krankengymnastik vor dem Laptop zu Hause: Zunächst zeigt eine Animation auf dem Bildschirm, wie einzelne Übungen auszuführen sind. Bewegungssensoren zeichnen anschließend die Bewegungsabläufe der Patienten auf. Fotos: Philips
Krankengymnastik vor dem Laptop zu Hause: Zunächst zeigt eine Animation auf dem Bildschirm, wie einzelne Übungen auszuführen sind. Bewegungssensoren zeichnen anschließend die Bewegungsabläufe der Patienten auf. Fotos: Philips
Schlaganfallpatienten erlernen Bewegungsabläufe neu.

Allein in Deutschland erleiden jährlich 165 000 Menschen einen Schlaganfall. Fast 65 000 der Betroffenen sterben im Verlauf eines Jahres. Von den Überlebenden behalten 64 000 eine schwere, dauerhafte Behinderung und bleiben pflegebedürftig. Betroffen sind vor allem ältere Menschen: 80 Prozent der Schlaganfallpatienten sind 60 Jahre oder älter. Therapeutische und Rehamaßnahmen werden in der Regel im Krankenhaus begonnen und müssen anschließend zu Hause weitergeführt werden. Regelmäßiges Training und eine dauerhafte Erhaltungstherapie sind wichtig, damit Patienten nach einem Schlaganfall ihre Beweglichkeit zurückgewinnen und in die Lage versetzt werden, wieder ein weitgehend selbstständiges, aktives Leben zu führen.

Die Realität sieht allerdings häufig anders aus. Viele Patienten erhalten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus nicht die optimale Unterstützung bei der Rehabilitation, denn eine Therapie zu Hause ist kostspielig, und aufgrund ihrer Einschränkungen können die Patienten häufig ihre Wohnung nicht mehr verlassen. Vor diesem Hintergrund haben Forscher ein computergesteuertes Trainingsprogramm entwickelt, mit dem Schlaganfallpatienten in ihrem gewohnten Umfeld eigenständig die für ihre Rehabilitation erforderlichen krankengymnastischen Übungen absolvieren können.

Die von dem Unternehmen Philips entwickelte Technologie nutzt Bewegungssensoren, die der Patient am Oberkörper und an den Armen anbringt. Die Sensoren sind über Funk mit einem Laptop verbunden, über den ein individuell für den Patienten von einem Physiotherapeuten zusammengestelltes Trainingsprogramm abläuft. Während der Patient die Übungen ausführt, werden seine Bewegungsabläufe von einer speziellen Software ausgewertet und auf dem Bildschirm dargestellt. Dadurch erhält er unmittelbar ein Feedback, ob er die Übungen korrekt durchführt beziehungsweise worauf er besonders achten muss. Der Rechner überträgt die Trainingsergebnisse anschließend zurück an den Physiotherapeuten, sodass dieser immer über den Trainingsstand seines Patienten informiert ist und Art und Anzahl der Übungen bei Bedarf anpassen kann.

Ein Prototyp des Systems wird derzeit an der Charité – Universitätsmedizin Berlin in einer Machbarkeitsstudie mit knapp 20 Patienten getestet und weiterentwickelt. „Gerade für ältere Schlaganfallpatienten ist es aufgrund eingeschränkter Beweglichkeit und geistiger Fähigkeiten schwierig, Therapieangebote außerhalb des Krankenhauses wahrzunehmen“, erläuterte Prof. Dr. med. Elisabeth Steinhagen-Thiessen, Leiterin der Forschungsgruppe Geriatrie der Charité am Evangelischen Geriatriezentrum Berlin, beim Kongress „Ambient Assisted Living“ in Berlin. „Das System, das wir gemeinsam mit Philips entwickeln, würde es älteren Schlaganfallpatienten ermöglichen, ihre Übungen zu Hause durchzuführen, und es würde Therapeuten erlauben, gleichzeitig mehr als einen Patienten zu betreuen.“

Die Patienten, die im Geriatriezentrum behandelt werden, sind im Durchschnitt 81 Jahre alt. Steinhagen-Thiessen hat jedoch die Erfahrung gemacht, dass das Alter kein Hindernis für das computergestützte Training ist, sondern dass gerade auch Ältere neuen Methoden und Medien gegenüber aufgeschlossen sind. Eine größere Folgestudie, in der das Verfahren der Telerehabilitation mit herkömmlichen Rehamaßnahmen verglichen wird, soll eine kritische Evaluation dieses Ansatzes ermöglichen. Heike E. Krüger-Brand
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