ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 2/2008Praxisführung: Vor- und Nachteile des Leasings

Supplement: PRAXiS

Praxisführung: Vor- und Nachteile des Leasings

Dtsch Arztebl 2008; 105(18): [4]

Bandering, Michael

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Foto: Klaus Rose
Foto: Klaus Rose
In der Medizin gilt ein Gerät als alt, wenn es mehr als zehn Jahre alt ist. Eine Alternative zum Kauf neuer Geräte ist die „Miete auf Zeit“. Ein Überblick über diese Finanzierungsart

Zurückhaltung der Banken bei der Anlagefinanzierung lenkt die Aufmerksamkeit verstärkt auf das Leasing, das heute als Alternative zur klassischen Methode nicht mehr wegzudenken ist. Es beruht auf dem Gedanken, dass es einem Investor primär auf die Funktion der anzuschaffenden Sache ankommt – etwa ein Fahrzeug oder ein hochwertiges medizinisches Gerät – und nicht so sehr auf deren Eigentum.

Wie auch ein Käufer wird der Leasinginteressent mit dem späteren Lieferanten des zu leasenden Gutes verhandeln: Es werden technische Details wie auch Gewährleistungsverpflichtungen des Lieferanten besprochen. Daraufhin wendet sich der Interessent an eine Leasinggesellschaft, um mit ihr den Leasingvertrag abzuschließen. Das Leasingunternehmen erwirbt nun das Wirtschaftsgut und veranlasst dessen Lieferanten zur Lieferung direkt an den Leasingnehmer zur Nutzung während der Leasingvertragslaufzeit.

Beim Leasingvertrag („Miete auf Zeit“) ist der Leasingnehmer zwar formalrechtlich nicht Eigentümer des geleasten Gutes, agiert aber weitgehend als dessen Besitzer. Wichtig zu wissen ist, dass die Leasinggesellschaft, der Leasinggeber, im Gegensatz zur normalen Miete üblicherweise für die Tauglichkeit der Sache nicht haftet. Dem Leasingnehmer obliegt beim klassischen Leasingvertrag auch Wartung und Reparatur des Leasinggutes, und er hat die Folgen dessen Untergangs (zum Beispiel durch Feuer) zu tragen. Zur Stärkung der Rechtsposition des Leasingnehmers tritt daher der Leasinggeber alle Ansprüche aus dem mit dem Lieferanten geschlossenen Kaufvertrag an den Leasingnehmer ab. Das sind seit dem 1. Januar 2002 insbesondere seine Rechte auf Nacherfüllung, Minderung, Rücktritt und Schadensersatz. Mit Mängeln behaftetes Leasinggut berechtigt daher den Leasingnehmer nicht zur Kürzung oder Aussetzung der Leasingraten; Gleiches gilt bei Schadensersatzansprüchen etwa wegen falscher Beratung durch den Lieferanten. Daher empfiehlt sich besonders bei sensiblen (zum Beispiel EDV-)Geräten, den Beratungsumfang und -inhalt zu dokumentieren und schriftlich zu bestätigen, um sich wegen etwaiger Schadensersatzansprüche infolge Falschberatung abzusichern.

Formen des Leasings
Verträge im „Mobilien-Leasing“ unterteilt man in Voll- und Teilamor-tisationsverträge. Der während der Grundmietzeit unkündbare Vollamortisationsvertrag („Full-pay-out-Vertrag“) sieht eine volle Amortisation der Anschaffungskosten des Leasinggutes wie der Finanzierungs- und Nebenkosten durch die monatliche Leasingrate vor. Für den Zeitpunkt des Ablaufs der Grundmietzeit kann das Vertragswerk eine Berechtigung des Leasingnehmers vorsehen

- zum Erwerb des Gutes zum Restbuchwert oder zum niedrigeren gemeinen Wert per Verkaufszeitpunkt („Kauf-Option“) und/oder
- eine Verlängerung des Leasingvertrages zu einer Leasingrate, die den Restbuchwert des Leasinggutes abdeckt („Verlängerungs-Option“).
Auch sind Verträge ohne Kauf-/Verlängerungsoption möglich. Diese Vertragsform findet man in der Regel
- bei der Finanzierung von Objekten mit nur geringer wirtschaftlicher Lebensdauer
- wenn eine Verwertung des Leasinggutes nach Vertragsablauf problematisch beziehungsweise unwahrscheinlich erscheint
- wenn ein Kauf des Leasinggutes nach Vertragsablauf beabsichtigt ist oder
- begrenzte Bonität des Leasingnehmers vorliegt.

Der Teilamortisationsvertrag („Non- full-pay-out-Vertrag“) sieht dagegen nur eine teilweise Amortisation von Anschaffungs-, Finanzierungs- und Nebenkosten des Leasinggutes während der Grundmietzeit über die Leasingrate vor. Er wird bevorzugt für marktgängige und relativ wertbeständige Objekte gewählt und führt zu vergleichsweise niedrigeren Leasingraten als der Vollamortisationsvertrag.

Als Sonderform legt der frühestens nach 40 Prozent der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer kündbare Vertrag eine von vornherein bestimmte Schlusszahlung fest. Er wird meist für zu leasende, kurzfristig austauschbare, einem raschen technischen Wandel unterliegende Güter verwendet.

Unter Operating-Leasing versteht man einen jederzeit kündbaren, meist kurzfristigen (Teilamortisations-)Vertrag, bei dem der Leasinggeber das volle Weitervermietungsrisiko nach jeweiligem Vertragsablauf übernimmt und regelmäßig auch die typischen Eigentümerrisiken selbst trägt (in wachsendem Maß bei größeren hochwertigen technischen Anlagen verwendet). Hier gilt im Gegensatz zu den Verträgen mit festen Laufzeiten, dass der Leasingnehmer ziemlich problemlos „Alt gegen Neu“ ersetzen kann. Damit übernimmt der Leasinggeber ein erhöhtes Verwertungsrisiko, das er wiederum dem Leasingnehmer auferlegen wird: durch teurere Leasingraten und/oder – eine allerdings ungleich subtilere Form – durch programmiert höhere Schlusszahlungen.

Während sich der klassische Netto-Leasingvertrag auf die reine Finanzierung des Investitionsgutes beschränkt, schließt der Service- oder Full-Leasingvertrag die Wartung des Leasinggutes durch Beauftragte der Leasinggesellschaft ein. Der Servicevertrag kann sich beim Leasing eines Autos empfehlen, insoweit es sich beim Leasinggeber um eine herstellereigene Gesellschaft handelt, die oft einen vergleichsweise preisgünstigeren Reparaturdienst durch Vertragswerkstätten einkalkulieren kann.

Da das Immobilienleasing für den niedergelassenen Arzt kaum infrage kommt, sei es hier vernachlässigt. Ebenso der Unterschied zwischen „echtem“ und „unechtem“ Leasing, zumal ein Arzt in der Regel lediglich eine Einnahmen-Ausgaben-Überschussrechnung nach § 4 III EStG erstellt.

Der Vertragsabschluss
Leasingverträge unterscheiden sich in ihrem Inhalt und folglich in ihrer Kalkulation erheblich. Zu achten ist daher vor dem Vertragsabschluss insbesondere auf:

- den richtigen Partner. Auch eine Leasinggesellschaft kann pleitegehen (mit allen negativen Folgen für den Leasingnehmer). Zu favorisieren ist daher eine große Gesellschaft, die auf mindestens fünf bis zehn Jahre Tätigkeit zurückblicken kann; etwa ein Institut, das im Eigentum einer Bank oder eines potenten Herstellers („Hersteller-Leasing“) steht.
- die optimale Vertragsart und seine Laufzeit. Vollamortisationsverträge sind in der Regel nicht preisgünstig und daher heute auch relativ selten geworden.
- die Gestaltung der Leasingrate. Sie sollte – annuitätisch, degressiv, progressiv oder phasenverteilt – den persönlichen Bedürfnissen entsprechen und (namentlich in Niedrigzinsphasen) für die Gesamtlaufzeit des Vertrages festgeschrieben sein. Zu beachten ist auch, dass Leasingraten für Wirtschaftsgüter im Wert von unter 25 000 Euro, noch mehr von Gütern unter 10 000 Euro ungleich höher kalkuliert werden als für wertvollere Anlagegüter.
- die Vorstellungen des Partners zum Ende der Grundmietzeit. Viele Vertragsgestaltungen sehen zwar vor, ein kalkulatorisches Defizit der Leasinggesellschaft zum Ende der Grundmietzeit dem Leasingnehmer anzulasten – über eine Beteiligung ihres Partners an einem Veräußerungsgewinn aber schweigen sie sich aus (das heißt, sie schließen sie aus). Hier sollte der Arzt nachhaken. Denn das Finanzamt verlangt sogar beim „echten“ Leasingvertrag lediglich eine Mindestgewinnbeteiligung von 25 Prozent des Gewinns für die Leasinggesellschaft. Sollte beispielsweise ein Fahrzeug (steuerliche „betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer“ 72 Monate) mit einem Kaufpreis von 70 000 Euro nach einer Grundmietzeit von beispielsweise 60 Monaten wirklich nur noch 11 700 Euro wert sein? Bringt es noch 15 000 Euro, so sieht ein kundenfreundlicher Teilamortisationsvertrag eine Beteiligung des Leasingnehmers am Buchgewinn (Verkaufspreis 15 000 Euro abzüglich Buchwert 11 700 Euro = Buchgewinn 3 300 Euro) mit 2 475 Euro (= 75 Prozent des Buchgewinns) vor, ein anderer Vertrag weniger oder überhaupt keinen Gewinnanteil.

Leasing eines Fahrzeugs
Ein Vergleich der Leasingraten von zwei verschiedenen Anbietern macht nur Sinn, wenn das jeweilige Gesamtpaket auch vergleichbar ist. Beim Fahrzeugleasing empfiehlt sich deshalb folgendes Vorgehen:

- Von beiden Anbietern sollte der Arzt ein Angebot mit identischer Leasingrate und projektierter Kilometerleistung bei Leasingende sowie kalkulierten Restbuchwert des Fahrzeugs per Vertragsablauf einfordern. Eine Leasingrate lässt sich unschwer dem Konkurrenzangebot anpassen (gegebenenfalls kalkuliert man den Restbuchwert höher oder niedriger); meist ist man auch zu einer Anlehnung der Kilometerleistung an das Mitbewerberangebot bereit.
- Ist der kalkulierte Restwert angemessen? Sehen die Vertragsentwürfe unterschiedliche Laufleistungen vor: Entsprechen sich die kalkulatorischen Restbuchwerte unter Berücksichtigung der verschiedenen Kilometerleistungen? Einige wenige Gesellschaften bieten eine Restwertgarantie an, die das Risiko des Leasingnehmers in Grenzen hält.
- Welche Regelungen sind bei Vertragsablauf vorgesehen? Wer trägt einen Buchverlust (meist der Leasingnehmer voll), wer partizipiert zu welchen Anteilen am Buchgewinn?
- Erscheint der kalkulierte Restbuchwert des Fahrzeugs als zu hoch (ein häufig angewandter, nicht sehr seriöser Trick), sind Buchverluste programmiert, die üblicherweise bei Vertragsende der Leasingnehmer zu tragen hat.
- Zu welchem Preis werden, bezogen auf die projektierte Laufzeitleistung per Vertragsende, Kilometermehr-/minderleistungen verrechnet?
Diese Vorgehensweise lohnt sich analog auch bei Leasingverträgen für andere Anlagegüter.

Leasing oder Kauffinanzierung?
Eines vorweg: Leasing eignet sich nicht als Ausweg für Kunden mit schlechter Bonität. Denn auch eine solide Leasinggesellschaft prüft die Zahlungsfähigkeit ihrer Partner.

Leasing bietet zweifellos eine ganze Reihe von Vorteilen. So kann der Leasingnehmer speziell beim Finanzierungsleasing an Markterfahrung und Objektkenntnis des Leasinggebers profitieren, soweit es sich um ein erfahrenes Leasinginstitut handelt. Anders als der Arzt hat es Zugang zum Secondhandmarkt und regelmäßig entsprechende Erfahrung. Auch schont der Arzt zur Verfügung stehende Bankkreditlinien und blockiert nicht unnötig Sicherheiten für neue Bankkredite. Zudem erfolgt im Gegensatz zur herkömmlichen Finanzierung die Anschaffung des Wirtschaftsgutes regelmäßig ohne Einsatz von Eigenkapital, das er somit nutzbringend anderweitig verwenden kann; gleichzeitig schafft er die wohl ideale zeitliche Kosten-Nutzen-Kongruenz. Das häufig vorgetragene Werbeargument „(Gewerbe-)Steuerersparnis“ trifft für den Arzt regelmäßig nicht zu, da dieser als Freiberufler nicht gewerbesteuerpflichtig ist.

Aber auch Nachteile gilt es zu bedenken. Gerade die Finanzierung des Investitionsgutes ohne sofortigen Eigenkapitaleinsatz könnte zu unbedachten Anschaffungen verleiten. Ein Leasingvertrag kann zudem die Talfahrt einer kränkelnden Praxis beschleunigen, wird mit der Neuinvestition keine entscheidende Strukturverbesserung zur Stärkung der Ertragskraft bewirkt. Zudem kommt die Finanzierung über Leasing teurer als die traditionelle Bankfinanzierung, enthält die Leasingrate doch auch Risikozuschläge wie Gewinnanteile für die Leasinggesellschaft. Schließlich erlaubt Leasing nur in sehr begrenztem Umfang die Bildung stiller Reserven aus dem geleasten Gut.

Die Vor- und Nachteile des Leasings gilt es, gegeneinander abzuwiegen. Dabei sollte der Arzt sich nicht scheuen, von der Bank wie der Leasinggesellschaft Kostenvergleichsrechnungen einzufordern. Angesichts einer für Laien häufig nicht erkennbaren Einseitigkeit dieser Rechnungen ist es ratsam, sich von beiden Anbietern beide (!) Vergleichsrechnungen erläutern lassen, um deren Seriosität und unabdingbare Vergleichbarkeit zu testen (oder erst noch herbeizuführen). Michael Bandering
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