ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2008Therapie bei tiefer Bein- und Beckenvenenthrombose: Intravasalraum unterschiedlich
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LNSLNS Ich möchte auf einige Fehler aufmerksam machen und Anmerkungen geben. In Tabelle 1 werden zwar die zugelassenen niedermolekularen Heparine (NMH) aufgezählt – in der Spalte daneben ist dann aber davon die Rede, dass NMH in körpergewichtsadaptierter Dosierung gegeben werden. Dies trifft nicht auf alle NMH zu: Certoparin ist in einer Dosierung von 2 × 8 000 IE anti-Xa/d körpergewichtsunabhängig zur Therapie der TVT zugelassen. Grundsätzlich vermisse ich die kritische Auseinandersetzug der Autoren mit der körpergewichtadaptierten Gabe von NMH. Aus pharmakologischer Hinsicht ist dies in großen Teilen falsch. Die Autoren schreiben, dass „[…] unter anderem ein abnormes Körpergewicht […] zu beachten“ sei, leider bleiben die Hintergründe dafür unklar. Diese sind einfach erklärbar: NMH sind stark hydrophile Substanzen, deren ausschließlicher Verteilungsraum nach subkutaner Resorption der Intravasalraum ist. Der Intravasalraum – als kleinster Verteilungsraum im Organismus – ist nur teilweise vom Körpergewicht abhängig. Er nimmt mit zunehmender Muskel- und Organmasse zu, nicht aber bei einer Zunahme des Körpergewichts aufgrund einer Fettgewebszunahme. Insofern können zwei Patienten mit identischem Körpergewicht, aber unterschiedlicher Körpergröße, einen völlig unterschiedlichen Intravasalraum haben. Dies kann – trotz der relativ großen therapeutischen Breite der NMH – dazu führen, dass bei einer ausschließlichen Zugrundelegung des Körpergewichts Patienten mit geringer Körpergröße aber starkem Übergewicht eine Überdosierung erhalten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Blutungskomplikation führt. Dem Risiko einer Überdosis lässt sich dadurch begegnen, dass man nicht das tatsächliche Körpergewicht, sondern das Normalgewicht des Patienten zugrundelegt – oder aber ein Präparat verordnet, das körpergewichtsunabhängig appliziert wird. Dies ist übrigens keine ganz neue Erkenntnis – erstmalig las ich dies im Jahre 1983 in meinem Pharmakologielehrbuch (1).
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0344a

Dr. med. Uwe Spannagel
Siligmüllerstraße 1a, 97072 Würzburg

Interessenkonflikt
Der Autor ist Wissenschaftlicher Berater für Novartis und Lehrbuchautor für den Thieme-Verlag und den Ligatur-Verlag.
1.
Forth W, Henschler D, Rummel W: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Mannheim, Wien, Zürich: Bibliographisches Institut 1983; 17 ff.
1. Forth W, Henschler D, Rummel W: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Mannheim, Wien, Zürich: Bibliographisches Institut 1983; 17 ff.

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