ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2008Arzneimittel: Überversorgung ist teurer

BRIEFE

Arzneimittel: Überversorgung ist teurer

Dtsch Arztebl 2008; 105(18): A-949 / B-824 / C-812

Nolte, Stephan Heinrich

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Nicht die Unterversorgung, sondern die Überversorgung verursacht Milliardenschäden! Der Artikel suggeriert, überspitzt gesagt, dass die Patienten die teuersten sind, die keine Medikamente einnehmen, wenn behauptet wird, die Unterversorgung von Patienten verursache Milliardenschäden. Diese Aussage, die nicht einmal im Konjunktiv steht, stützt sich auf ein vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller selbst in Auftrag gegebenes Gutachten . . . Die Beispiele sind hanebüchen: So verursache die medikamentöse Unterversorgung bei Depression 17,9 Milliarden Euro pro Jahr. Große Metaanalysen dagegen stellen den Wert einer medikamentösen antidepressiven Therapie dagegen überhaupt infrage, von „lebensgefährlichen Placebos“ ist die Rede (Arznei-Telegramm 2005; 36: 45). Therapien bei Hepatitis C, einem weiteren Beispiel, sind ebenfalls höchst umstritten. Schon jetzt ist die Vielzahl der Interaktionen gleichzeitig angewandter Arzneien völlig unbekannt, und ein Gutteil der ärztlichen Tätigkeit beschränkt sich auf die Behandlung von Arzneimittelnebenwirkungen. Eine Katastrophe und Marktrücknahme jagt die andere, Desinformation und Profitgier bestimmen den Alltag. Im Blitz-Arznei-Telegramm vom 7. März 2008 ist zu lesen, dass Verunreinigungen in Heparin-Chargen, die die Firma Baxter in den USA vertreibt, bei rund 800 Patienten zu oft schwerwiegenden allergischen Reaktionen geführt haben, 46 Todesfälle werden dem Heparin angelastet, mindestens 19 seit Januar 2008. So kann man sich mit jeder Arznei möglicherweise Nebenwirkungen einhandeln: In Deutschland in mindestens 300 000 Fällen pro Jahr, wie das Bundesministerium für Arzneimittel und Medizinprodukte bestätigte; jährlich werden 16 000 bis 25 000 Todesfälle durch Neben- und Wechselwirkungen verursacht. (Süddeutsche Zeitung vom 7. November 2007). An Medikamenten sterben also weit mehr Menschen als an Verkehrsunfällen und Suiziden zusammen . . .
Dr. med Stephan Heinrich Nolte,
Alter Kirchhainer Weg 5, 35039 Marburg
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema