ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2008Internationale Friedensschule: Kinder aus aller Welt

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Internationale Friedensschule: Kinder aus aller Welt

Dtsch Arztebl 2008; 105(18): A-959 / B-833

Klinkhammer, Gisela

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Foto: Internationale Friedensschule
Foto: Internationale Friedensschule
In Köln wurde im vergangenen Jahr eine Schule eingerichtet, die sich „dem Frieden verpflichtet fühlt“. Bilinguale Doppeljahrgangsklassen gehören zum Konzept.

Im Kölner Stadtteil Widdersdorf entsteht zurzeit ein Neubaugebiet für rund 3 500 Bürger. Inmitten der Baustelle wurde im August 2007 eine neue Schule eingeweiht. Wie in einem Provisorium kommt sich der Besucher dort dennoch nicht vor. Dafür sorgen schon die freundliche Begrüßung durch Schulleiterin Sabine Woggon-Scholz und ihren fröhlich mit dem Schwanz wedelnden Hund, die zahlreichen bunten Bilder an den Wänden und nicht zuletzt der komfortable Kaffeeautomat im Eingangsbereich.

Eine freundliche Atmosphäre allein macht jedoch noch kein neues Schulkonzept aus. Neu ist vielmehr, dass die Kinder bereits in der Vorschule drei Sprachen lernen. Für die Weltreligionen Judentum, Christentum, Islam und Buddhismus wird nicht ein eigener Religionsunterricht ermöglicht. „Besonders wichtig ist uns vor allem der naturwissenschaftliche Schwerpunkt, und zwar sowohl durch verstärkten Unterricht in den entsprechenden Fächern als auch durch Projekte, die nachmittags angeboten werden“, betont die Schulleiterin. Für jedes Kind steht ein Notebook bereit, und alle Schüler erlernen ab der dritten Klasse ein Instrument. Um sich auf den Unterricht einzustimmen, beginnen sie den Tag mit Tai-Chi im sogenannten Haus der Stille. Das vegetarische Mittagessen wird von einem Koch täglich frisch zubereitet.

Und warum heißt die Schule Friedensschule? Diese Frage werde immer wieder gestellt. „Nach unserem Verständnis liegt unsere Zukunft in einem konstruktiven Miteinander der Nationen in wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht auf friedlicher Basis. Das beinhaltet Kenntnis und Anerkennung von Verschiedenheiten. Grundlage und Ergebnis unserer Arbeit sind also der Hauptbedingung eines erfüllten Lebens auf diesem Planeten verpflichtet: dem Frieden. Daher führen wir ihn in unserem Schulnamen, auch wenn wir keiner besonderen politischen, weltanschaulichen oder religiösen Gruppierung folgen, die sich Ähnliches zum Ziel gesetzt haben mag.“

Wichtig für die Umsetzung dieses Konzepts ist vor allem auch, dass in bilingualen Doppeljahrgangsklassen 15 bis 22 Kinder von jeweils zwei Lehrern, deren Muttersprache entweder Deutsch oder Englisch beziehungsweise Spanisch ist, unterrichtet werden. Zurzeit sind 21 Lehrer aus elf Nationen an der Schule tätig. Im Anschluss an die Grundschulzeit können die Schüler entweder das bilinguale Gymnasium besuchen, in dem nach den nordrhein-westfälischen Richtlinien das Abitur abgelegt wird, oder in der internationalen Gesamtschule das International Baccalaureate erwerben.

Doch man muss sich dieses Angebot auch einiges kosten lassen. Zwar wird die Primarstufe als Ersatzschule anerkannt und somit einer öffentlichen Schule gleichgestellt. Sie erhält daher vom Land rund 80 Prozent der entstehenden Kosten. Da dies jedoch nicht reicht, um das Konzept zu realisieren, haben die Eltern zusätzlich monatlich einen Beitrag von etwa tausend Euro zu zahlen. „Trotzdem sind wir keine Eliteschule“, betont Woggon-Schulz. Viele Eltern bekämen das Geld von ihrem Arbeitgeber erstattet. „Wir haben aber auch Familien, die auf ein Auto verzichten, damit die Kinder hier zur Schule gehen können.“ Die eine Hälfte kommt aus deutschen Familien, die andere Hälfte aus binationalen. „Darunter sind auch viele Kinder, deren Eltern sich als Berufswanderer nur einige Jahre in Köln aufhalten und dann zum nächsten Firmenstandort wechseln“, berichtet die Schulleiterin.

Die Baurealisierung ist in mehreren Etappen geplant: Das Hauptgebäude und der Kindergarten sollen bis Juni 2010 fertiggestellt sein. Im Jahr 2014 sollen rund tausend Schüler von der Kindertagesstätte bis zum Abitur die Schule besuchen.
Gisela Klinkhammer

Informationen:
Internationale Friedensschule Köln gGmbH, Neue Sandkaul 25, 50859 Köln,
Telefon: 02 21/31 06 34-0,
E-Mail: info@if-koeln.de,
Internet: www.if-koeln.de
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