ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2008Helicobacter pylori: Eradikation ist bei Dyspepsie fakultativ

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Helicobacter pylori: Eradikation ist bei Dyspepsie fakultativ

Dtsch Arztebl 2008; 105(18): A-963

Heinzl, Susanne

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LNSLNS Die in den europäischen Leitlinien empfohlene „Teste-und-behandle“-Strategie lässt sich nicht auf Deutschland übertragen, weil es genügend Möglichkeiten zur endoskopischen Diagnostik gibt.

Von den im Jahr 2007 publizierten europäischen Leitlinien (Maastricht III) wird unter anderem eine Helicobacter-Eradikation bei Dyspepsie im Rahmen einer „Teste-und-behandle“-Strategie empfohlen. Weitere Einsatzgebiete sind beispielsweise neben Ulzera und MALT-Lymphom ein Magenkarzinom in der Familienanamnese.

Helicobacter pylori ist ein auf die Schleimhaut im Verdauungstrakt spezialisierter Erreger. Er wird meist in der Kindheit erworben, die Folgen der Infektion – Gastritis, Ulzera und Karzinom – zeigen sich in der Regel aber erst im höheren Lebensalter. Bei negativer Endoskopie werde die Helicobacter-pylori-Eradikation für die funktionelle Dyspepsie nach der bislang noch nicht publizierten Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten als fakultative Behandlungsindikation angesehen, erklärte Prof. Dr. med. Wolfgang Fischbach (Aschaffenburg).

Die in den europäischen Leitlinien vorgesehene Teste-und-behandle-Strategie gilt für Deutschland als nicht geeignet, weil ausreichende endoskopische Möglichkeiten zur Verfügung stehen und die hierfür entstehenden Kosten nach Aussage von Fischbach „am unteren Rand des Spektrums“ liegen.

Karzinomprävention
Die Helicobacter-pylori-Eradikation führt bei niedrig malignen MALT-Lymphomen des Magens im Stadium I in 70 bis 80 Prozent der Fälle zur Regression. Hier ist sie die Therapie der Wahl. Auch der Langzeitverlauf ist bei den meisten Patienten günstig, wie neue Daten zeigen (Fischbach et al., Gut 2007).

Zur Chemoprävention des Magenkarzinoms ergab eine chinesische Studie (Wong et al., JAMA 2004), dass bei Patienten mit erhöhtem Risiko für ein Magenkarzinom die Eradikationsbehandlung die Häufigkeit von Magenkrebs nach 7,5 Jahren im Vergleich zu Placebo nicht signifikant verringerte, in der Eradikationsgruppe wurden jedoch keine präkanzerösen Läsionen gefunden (Placebogruppe 6, p = 0,02).

Keimsanierung bei Gastritis
Die europäischen Leitlinien empfehlen die Eradikation bei Patienten mit atrophischer Gastritis. Durch die Eradikation werde die Gastritis geheilt, Metaplasie und Atrophie seien zumindest nicht progredient, so Prof. Dr. med. Peter Malfertheiner (Magdeburg). Außerdem sollte die präventive Eradikation bei erstgradig Verwandten von Patienten mit Magenkarzinom eingesetzt werden.

Zur Eradikation sollte primär eine Dreifachkombination aus Protonenpumpenhemmer, Clarithromycin und Amoxicillin eingesetzt werden. Die Therapie sollte mindestens sieben, maximal 15 Tage dauern. Wichtig sei eine gute Compliance der Patienten. Diese würde durch eine Einnahmehilfe (wie zum Beispiel in ZacPac®) deutlich verbessert, und es könnten damit erneut entstehende Kosten gespart werden, betonte Malfertheiner.
Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Satellitensymposium „Die europäischen Helicobacter-Leitlinien im deutschen Kontext – Umsetzung in Ihren Praxisalltag“ anlässlich der 114. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden, Veranstalter: Abbott/Nycomed
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