ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2008Börsebius: Hoffen und Harren macht manchen zum Narren . . .

GELDANLAGE

Börsebius: Hoffen und Harren macht manchen zum Narren . . .

Dtsch Arztebl 2008; 105(18): A-965 / B-841 / C-821

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Gestern war ein Anleger bei mir, dem der Frust sichtlich ins Gesicht geschrieben stand. Seine Bank hatte ihm für das Depot im letzten Jahr doch noch so viel Rendite erwirtschaftet, dass die Verwaltungsgebühr davon bezahlt werden konnte. Also außer Spesen nichts gewesen. Keine wirklich gute Leistung des Geldhauses. Von Januar bis heute schnurrte das Portfolio von gut einer Million auf nur noch 800 000 Euro zusammen. Ein wahrhaft trauriger Niedergang des Depots, das im Übrigen ausschließlich aus Investmentfonds besteht.

Was ich ihm riete? Sein Berater beschwichtige ihn eloquent, das alles bräuchte eben seine Zeit, sich wieder zu erholen, er müsse halt nur ein wenig Geduld mitbringen. Aber im Grund seines Herzens wisse er nicht, wie er sich verhalten solle, sein erster Impuls sei gewesen, der Bank die Freundschaft aufzukündigen. Aber der Banker sei halt so nett gewesen . . .

Diese Schilderung ist beileibe kein Einzelfall. Mindestens einmal die Woche wird mir Ähnliches berichtet; eben erst rief ein Leser an, der sich von einem Fonds trennen wolle, sich aber dann doch nicht dazu durchringen könne, der Verlust von gut 40 Prozent sei einfach zu schmerzhaft. Auch hier habe ihm sein Bankmensch geraten, engagiert zu bleiben und auf besseres Börsenwetter zu warten.

Allzu oft aber stehen die Interessen der Bank im krassen Gegensatz zum Wohl des Kunden. Leider. Natürlich profitiert das Geldhaus davon, wenn nicht verkauft wird. Für die Fonds im Bestand kassiert die Bank schöne Provisionen, erheblicher aber sind die Wertpapierspesen zum Nutzen der (hauseigenen) Depotbank, wenn das Fondsmanagement Papiere kauft und verkauft. Je höher die Umschichtungsgeschwindigkeit, desto höher die Margen.

Wer also das Heft des Handelns in die Hand nimmt, ist schon mitten auf der Siegerstraße. Wichtig ist nur, sich klarzumachen, dass ab dem Zeitpunkt der Verkaufsentscheidung die erzielbare Mehrrendite (über ersparte Kosten) erhebliche Prozentpunkte ausmachen kann. Jahr für Jahr. Kursverluste allein können kein Kriterium sein, viele meinen, ein gefallener Kurs würde allein aus Mitleid ob des erlittenen Unglücks steigen (müssen). Welch ein Irrtum. Wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren, nichts zu tun und auf bessere Zeiten zu warten, ist bloß unnütze Narretei.
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