ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2008Arzneimittelfälschungen: Heparin womöglich absichtlich verunreinigt

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Arzneimittelfälschungen: Heparin womöglich absichtlich verunreinigt

Dtsch Arztebl 2008; 105(19): A-974 / B-850 / C-830

Zylka-Menhorn, Vera

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Tödliche Injektionen: In den USA starben 81 Patienten nach der Gabe von verunreinigtem Heparin. Foto: Superbild
Tödliche Injektionen: In den USA starben 81 Patienten nach der Gabe von verunreinigtem Heparin. Foto: Superbild
Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA geht davon aus, dass die Verunreinigungen in Heparinen, die in den USA 785 schwere allergische Reaktionen (davon 81 mit Todesfolge) nach sich zogen, absichtlich herbeigeführt wurden. Denn einige Chargen bestanden zu einem Drittel aus synthetischem, übersulfatierten Chondroitinsulfat (OSCS), weshalb man kaum von einem Versehen sprechen könne. Für Fachleute steht deshalb mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fest, dass die Verunreinigung zum Strecken des Medikaments beigefügt worden sei. Zudem spricht für eine kriminelle Absicht, dass OSCS auf dem Markt neun US-Dollar pro Pfund kostet und damit hundertfach weniger als Heparin.

Für die FDA steht auch fest, dass der chinesische Hersteller Chang-zhou-SPL die Quelle der Verunreinigungen ist. Changzhou-SPL ist ein Tochterunternehmen von Scientific Protein Laboratories, wo man ebenfalls von einem „hinterhältigen Anschlag“ ausgeht. Etwa die Hälfte der Weltproduktion von Heparin stammt aus China. Als Ausgangsmaterial dient Schweinedarm, der in ländlichen Bauernbetrieben eingekocht und zu Rohheparin verarbeitet wird. Pharmaunternehmen bearbeiten das Material weiter und vertreiben das Endprodukt weltweit. zyl
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