POLITIK

Aeskulap-Stiftung: Vertragsärzte sollen in MVZ das Sagen haben

Dtsch Arztebl 2008; 105(19): A-982 / B-856 / C-836

Stüwe, Heinz

Vorstandsmitglieder von KBV und KVen planen die Gründung einer Aktiengesellschaft, die Medizinische Versorgungszentren betreiben soll. KBV-Vorstandschef Andreas Köhler erläutert im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt das Vorhaben.

Noch ist die Zahl überschaubar: Ziemlich genau 4 000 Ärztinnen und Ärzte waren Ende 2007 in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) tätig. Die Zahl wächst genau wie die Zahl der Zentren selbst, die im Dezember 2007 nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) 948 erreicht hatte. „Die MVZ werden sich etablieren“, ist Dr. med. Andreas Köhler überzeugt. Der KBV-Vorstandsvorsitzende hält aber nichts davon, die Entwicklung sich selbst zu überlassen, wie er im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt deutlich macht. „Wer Träger dieser Zentren ist, wird von entscheidender Bedeutung für die wirtschaftliche Selbstständigkeit und Freiberuflichkeit der darin tätigen Ärzte sein.“ Dass ein MVZ unter ärztlicher Leitung stehen muss, ist gesetzlich vorgeschrieben, als Gründer kommen neben Vertragsärzten und ermächtigten Klinikärzten aber auch Krankenhäuser, Apotheker, Heilmittelerbringer, Rehaeinrichtungen und viele andere in Betracht. Bislang sind in 59 Prozent der MVZ Vertragsärzte die Träger. Das muss aber nicht so bleiben. „Es besteht die Gefahr, dass private Klinikkonzerne diesen Markt erobern. Dann wird es einen Zeitpunkt geben, an dem die Interessen der Niedergelassenen gar nicht mehr wahrgenommen werden, weil wir von anderen dominiert werden“, befürchtet Köhler.

Da Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) als Körperschaften öffentlichen Rechts auf diesem Gebiet nicht tätig werden können, haben 40 KBV- und KV-Vorstandsmitglieder die Initiative ergriffen: Sie gründeten die „Aeskulap-Stiftung“ mit 50 000 Euro Kapital, deren Zweck die Förderung der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung ist. Indirekt – über eine Dienstleistungs-GmbH – beteiligt sich die Stiftung mit 25 Prozent an einer Aktiengesellschaft (AG), die MVZ aufbauen und betreiben soll. Weitere Gesellschafter der AG (für die noch ein Name gesucht wird) sind die Deutsche Apotheker- und Ärztebank, Düsseldorf, mit 49 Prozent von fünf Millionen Euro Grundkapital, die Deutsche Ärzte-Verlag GmbH, Köln, mit 24 Prozent und ein weiterer Investor, der zwei Prozent übernimmt.

Noch vor der Sommerpause solle die Aktiengesellschaft gegründet werden, kündigt Köhler an. Diese wird sowohl MVZ gründen als auch bestehende übernehmen. Darüber hinaus wird die AG im Rahmen eines Franchisesystems Dienstleistungen für MVZ anbieten, an denen sie nicht beteiligt ist. Ziel ist es nach Worten Köhlers, das Kapital, das Know-how und die Betriebsorganisation bereitzustellen, um ein bundesweites Netz von MVZ für niedergelassene Vertragsärzte aufzubauen. Kooperationen mit anderen Trägern zu einem späteren Zeitpunkt will Köhler nicht ausschließen. „Wichtig ist, dass jetzt Träger in den Markt eintreten, die den Vertragsärzten verbunden sind. Sonst ist der Markt in ein paar Jahren verteilt.“ Die Fokussierung auf die Interessen der Vertragsärzte sei in der Satzung der AG verankert. „Alles steht unter dem Primat der Freiberuflichkeit“, unterstreicht Köhler. „Wir wollen nicht die reine Angestelltenstruktur. Wo es gewünscht wird, können auch angestellte Ärzte tätig werden, dann aber mit einer Beteiligung am Gewinn.“

Die Aktiengesellschaft muss rentabel arbeiten, um die hohen Investitionen, die in den ersten zehn Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag erreichen sollen, refinanzieren zu können. Köhler stellt klar, „dass die Gesellschaft nicht mit Mitteln der Vertragsärzte finanziert wird. Es wird kein einziger Euro von Körperschaften dafür verwendet.“ Nach der Anlaufphase sollen Ärzte und ärztliche Organisationen Aktien der AG erwerben können. Aus den Erträgen der AG soll das Kapital der Stiftung aufgefüllt werden, die beispielsweise Stipendien für Medizinstudierende vergeben und Weiterbildungsstellen in der Allgemeinmedizin fördern will.

Medienberichte, wonach die KBV über die Aeskulap-Stiftung und die AG im Wettbewerb um Selektivverträge mitmischen wolle, dementiert Köhler mit Nachdruck: „Es geht ausdrücklich nicht um den Abschluss von Verträgen, beispielsweise zur hausarztzentrierten Versorgung.“ Deshalb seien auch Vermutungen falsch, man wolle mit Aeskulap-Stiftung und Aktiengesellschaft für den Fall des Falles Parallel- oder Nachfolgeorganisationen zum KV-System schaffen. Die Vertragsebene habe man nicht im Blick. Vielmehr könne ein MVZ, das zur neuen Aktiengesellschaft gehöre, verschiedenen Verträgen beitreten wie jeder Niedergelassene auch. Ein solches MVZ sei nicht gehalten, sich nur im Kollektivvertrag zu bewegen. „Wir werden aber nicht gegen den Willen der jeweiligen KV oder der niedergelassenen Ärzte tätig werden.“ Dass Letztere die Aktivitäten als unliebsame Konkurrenz werten könnten, erwartet Köhler nicht, auch wenn es verständlicherweise am Anfang viele Mutmaßungen und Spekulationen gebe. „Es geht ja darum, die Ärzte zu schützen.“
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