ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2008Forschende Chirurgen: Chirurgen fehlt die Zeit
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Als theoretischer Mediziner habe ich ständigen wissenschaftlichen Kontakt zu einer Vielzahl chirurgischer Kollegen und arbeite mit onkologischem Resektionsmaterial. Dabei entstehen die molekularen Fragestellungen aus klinischen Problemen heraus. Resektionsmaterial ohne klinische Dokumentation wird mehr und mehr wertlos. Molekulare Forschung erzwingt zunehmend den direkten Dialog mit Therapeuten. Und hier tut sich ein großes Feld auf zwischen beiden Seiten, in dem sich gerade Chirurgen wissenschaftlich profilieren können und dies auch erfolgreich tun. Das Impact-Punkte-System ist zweifelsohne mit einer Vielzahl immanenter Probleme behaftet. Allerdings bietet es über simple, vergleichbare Zahlen die Möglichkeit zu einer doch eher objektiven Evaluation wissenschaftlicher Leistung. Ich wüsste keine Alternative, die nicht wieder zurück ins 19. Jahrhundert führte und bei der Macht und Alter nicht über Kreativität dominierten. Was für ein Evaluationssystem wünscht der Autor zu haben? Das wohl wichtigste Argument bezüglich der geringeren chirurgischen Forschungsleistung wird überhaupt nicht thematisiert: Zeit und Freiräume. Eigentlich alle meiner chirurgischen Kooperationspartner klagen über eine klinikinterne Infrastruktur, welche komplexerer Wissenschaft entgegensteht . . . Als Erstes sind es wohl die leitenden Chirurgen, welche sich fragen müssen: Werden jüngere Kollegen ernstlich freigestellt für die Wissenschaft? Welche tatsächlichen Vorteile erhalten wissenschaftlich aktive Kollegen gegenüber Ärzten, die nur an einer operativen Ausbildung interessiert sind?

Priv.-Doz. Dr. Christian Hartmann,
Institut für Pathologie, Abteilung für Neuropathologie, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Im Neuenheimer Feld 220–221, 69120 Heidelberg
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