ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2008Prostatakarzinom: Früher zur Diagnose

TECHNIK

Prostatakarzinom: Früher zur Diagnose

Dtsch Arztebl 2008; 105(19): A-1015 / B-881 / C-861

EB

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Mit dem System lassen sich Prostatatumoren frühzeitig aufspüren, indem das Gewebe mit Laserlicht bestrahlt wird (oben) und anschließend die Detektion akustisch wie beim Ultraschall erfolgt (unten).
Mit dem System lassen sich Prostatatumoren frühzeitig aufspüren, indem das Gewebe mit Laserlicht bestrahlt wird (oben) und anschließend die Detektion akustisch wie beim Ultraschall erfolgt (unten).
Treten bei Prostatakrebs erste Symptome auf, hat sich der Tumor meist schon ausgebreitet. Ein neuartiges, kostengünstiges Diagnoseverfahren kombiniert optische Bildgebung mit Ultraschall und verbessert so die Früherkennung bei Prostatakrebs. Entwickelt wurde das Diagnosegerät am Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT) in St. Ingbert (www.ibmt.fraunhofer.de), gemeinsam mit Partnern aus fünf europäischen Ländern. Die Europäische Kommission finanziert das Projekt mit 2,2 Millionen Euro. „Wir verknüpfen zwei verschiedene Bildgebungsmethoden miteinander – die optische Methode und den Ultraschall“, erläutert Dr. Robert Lemor, IBMT. „Dazu strahlen wir Laserlicht in das Gewebe. Es erwärmt sich und dehnt sich aus, wobei Druck in Form einer Schallwelle entsteht. Diese Schallwelle breitet sich ähnlich wie Ultraschall im Gewebe aus und wird auch genauso detektiert.“ So verbinden die Forscher den guten Kontrast vom Licht mit der guten Ortsauflösung vom Schall – und nutzen die Vorteile beider Systeme.

Um die Krebszellen bereits im Anfangsstadium zu entdecken, ist ein noch stärkerer Kontrast zwischen Krebszellen und gesunden Zellen erforderlich. Das erreicht man durch Verwendung von Goldpartikeln in Nanometergröße: Gold absorbiert das infrarote Licht des Lasers besser als die Zellen und erscheint daher im Bild heller. An diese Goldpartikel heften die Forscher Antikörper. Diese binden an Proteine, die in Krebszellen mehrere Tausend Mal häufiger vorkommen als in gesundem Gewebe. Dadurch reichert sich das Gold gezielt an den Krebszellen an, wohingegen in gesunden Zellen kaum Gold zu finden ist.

Das Gold lässt sich nicht nur für diagnostische Zwecke, sondern auch für die Therapie nutzen: Erhöhen die Forscher die Leistung des Lasers und steigern sie die Zeit, die der Laser einwirkt, erwärmt sich das Gold – die entstehende Wärme zerstört die Krebszellen. Das gesunde Gewebe bleibt verschont, denn hier haben sich kaum Goldpartikel angelagert. In etwa zwei bis drei Jahren soll eine klinische Studie starten. EB
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