ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2008Depressive Störungen im Kindes- und Jugendalter: Schlusswort
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LNSLNS Dem Hinweis von Calia ist inhaltlich voll zuzustimmen. Die Differenzialdiagnose und die Beachtung von Komorbiditäten sind gerade bei der altersabhängig unterschiedlichen Symptomrepräsentation depressiver Störungen im Kindes- und Jugendalter besonders wichtig. Klinisch tätige Kinder- und Jugendpsychiater teilen die positive Erfahrung mit einer sorgfältig ausgewählten und überwachten Pharmakotherapie insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.

Zur Anmerkung von Windaus ist anzuführen, dass die genannten Studien maximal einen Evidenzgrad III ergeben für die psychodynamische Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter bei depressiven Störungen. Prinzipiell ist zur Qualität einiger der benannten Untersuchungen unter anderem kritisch zu bemerken, dass sie eine große Bandbreite verschiedenster Diagnosen und oft nur anteilig Depressionen, häufig auch „nur“ Dysthymien, sowie eine hohe Zahl komorbider Störungen einschließen. Ferner ist zu kritisieren, dass das „Primary-Outcome“ nicht hinreichend definiert wurde und kaum depressionsspezifische Skalen verwendet worden sind. Somit erscheinen die Aussagen zur störungsspezifischen Wirksamkeit eingeschränkt.

Wenn man die Ergebnisse von (1) und (2) berücksichtigt, muss man ohnehin kritisch ins Kalkül ziehen, dass hohe Spontanremissionsraten sowie die Tatsache, dass auch unspezifische Beratung einen Effekt bei Depressionen bewirken kann und die Placebo-Response-Rate auf 30 bis 60 % eingestuft wird, auf die Studienergebnisse aller Behandlungsverfahren konfundierend wirken können. Hier kann man die Schwierigkeit erkennen, die die Beurteilung monokausaler Wirksamkeit einzelner Therapiestrategien darstellt. Der Evidenzgrad bedeutet ohnehin nicht, dass bestimmte Therapieformen im Einzelfall Wirksamkeit beziehungsweise Nichtwirksamkeit aufweisen. Insofern regt der Beitrag von Windaus nur dazu an, auf diesem Gebiet verstärkt zu forschen.
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0364

Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex
Dr. med. Michael Kölch
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie
Steinhövelstraße 5, 89075 Ulm

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, das kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Goodyer et al.: Selective serotonin reuptake inhibitors (SSRIs) and routine specialist care with and without cognitive behaviour therapy in adolescents with major depression: randomised controlled trial. BMJ 2007; 21; 335: 142 MEDLINE
2.
Wilkinson und Goodyer: The effects of cognitive-behavioural therapy on mood-related ruminative response style in depressed adolescents. Child Adolesc Psychiatr Mental Health 2008; 2: 3. MEDLINE
1. Goodyer et al.: Selective serotonin reuptake inhibitors (SSRIs) and routine specialist care with and without cognitive behaviour therapy in adolescents with major depression: randomised controlled trial. BMJ 2007; 21; 335: 142 MEDLINE
2. Wilkinson und Goodyer: The effects of cognitive-behavioural therapy on mood-related ruminative response style in depressed adolescents. Child Adolesc Psychiatr Mental Health 2008; 2: 3. MEDLINE

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